Wirtschaft

Noch kein Lichtblick in Europa Arbeitslosigkeit verharrt auf Rekordniveau

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In der gesamten EU sind 7,7 Millionen Menschen unter 25 Jahren arbeitslos.

(Foto: picture alliance / dpa)

Wirtschaftlich kämpfen sich die Euroländer mehr oder weniger erfolgreich aus der Krise heraus, nur der Kampf gegen die teils horrende Arbeitslosigkeit ist auf der Strecke geblieben. Die Lage ist und bleibt trostlos - besonders für die jungen Menschen.

In Europa tut sich weiterhin eine große Schere auf: Während im Norden Ausbildungsplätze oder auch Arbeitsplätze unbesetzt bleiben, suchen im Süden viele Menschen verzweifelt einen Job. Daran hat sich in den vergangenen Krisenjahren nichts geändert – trotz vieler guter Vorsätze.

Trotz leicht anziehender Konjunktur kommt die Eurozone nicht von ihrem Rekordhoch bei der Arbeitslosigkeit herunter. Die Arbeitslosigkeit verharrt im September unverändert auf rekordhohem Niveau. Die saisonbereinigte Quote für die 17 Euroländer betrug laut den jüngsten Daten der europäischen Statistikbehörde Eurostat in Luxemburg den zweiten Monat in Folge 12,2 Prozent. Wie die Statistiker melden, wurde dieses hohe Niveau bereits im August erreicht: Die Quote musste jetzt von 12,0 auf 12,2 Prozent nach oben revidiert werden. Die bisherige Rekordquote wurde im Juli erreicht, als 12,1 Prozent der Menschen arbeitslos gemeldet waren.

Der Funke ist noch nicht übergesprungen

Absolut bedeutet das, dass in der Eurozone 19,447 Millionen Männer und Frauen ohne Arbeit sind. Das sind 60.000 mehr als im Vormonat und noch einmal 996.000 mehr im Vorjahr. In allen 28 EU-Staaten waren 26,872 Millionen arbeitslos, was einer Quote von 11 Prozent entspricht. Während Deutschland zu einem der Länder mit der niedrigsten Quote gehört, meldeten Griechenland (jüngste Zahlen vom Juli) und Spanien erneut einen Arbeitslosenanteil von mehr als 25 Prozent.

Besonders schwer von Arbeitslosigkeit betroffen sind die Jugendlichen unter 25 Jahren im Euroraum. Hier stieg die Arbeitslosenquote auf 24,1 Prozent nach 23,6 Prozent im Vorjahr.

Die Wirtschaft in den 17 Euroländern ist dabei zwischen April und Juni erstmals nach eineinhalb Jahren wieder gewachsen. Das langjährige Krisenland Spanien schaffte im Sommerquartal sogar ein leichtes Wachstum von 0,1 Prozent. Der Arbeitsmarkt gilt allerdings als nachlaufender Indikator - Konjunkturentwicklungen erreichen den Jobmarkt meist erst mit einer Verzögerung von rund einem halben Jahr. Deshalb kletterte auch in Italien die Arbeitslosigkeit auf die neue Rekordmarke von 12,5 Prozent - trotz zuletzt einiger positiver Konjunktursignale.

Mehr "Elan" und Geld aus Brüssel

Maßnahmen gegen die Rekordarbeitslosigkeit sind immer noch Mangelware. Bundesbankpräsident Jens Weidmann mahnte bei einer Rede in Darmstadt gemeinsam Anstrengungen an. Er appellierte an Deutschland und andere Euroländer mehr Elan zu zeigen, um Wohlstand zu sichern und gemeinsam wettbewerbsfähiger zu werden.

"Auf vielen Feldern sind weitere Anstrengungen nötig, gerade um die teilweise bedrückend hohe Arbeitslosigkeit wirksam zu bekämpfen. Der Euroraum wird nur dann stark und wirtschaftlich leistungsfähig sein, wenn es auch seine einzelnen Mitgliedstaaten sind", sagte der Notenbanker. Für Selbstzufriedenheit bestehe auch hierzulande trotz guter Lage bei Wachstum und Beschäftigung kein Anlass.

Diese Woche bewilligte das EU-Parlament ein Hilfspaket über sechs Milliarden Euro im Kampf gegen Jugendarbeitsosigkeit. Das Geld soll jungen Menschen helfen in den nächsten Jahren helfen, schneller einen Job oder einen Ausbildungsplatz zu finden. Die Vorgabe ist, das Geld innerhalb von nur zwei Jahren auszugeben.

Um das Geld nicht mit der Gießkanne auszuschütten, setzte die EU durch, das Geld ausschließlich in die sogenannte Peripherie fließen zu lassen. Es werden nur die Regionen in Europa unterstützt, wo die Jugendarbeitslosigkeit über 25 Prozent liegt. Ansonsten hätte das Geld auf 7,7 Millionen Menschen unter 25 Jahren in der gesamten EU nicht mehr als 800 Euro bedeutet. Wo und in welche Projekte das Geld fließt, entscheiden die Mitgliedsstaaten.

Quelle: n-tv.de, ddi/DJ