Wirtschaft

Stillstand noch nicht erfasst Arbeitsmarkt vor Corona-Krise robust

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Der Dienstleistungssektor dürfte durch die behördlichen Corona-Maßnahmen besonders leiden - und mit ihm Millionen Beschäftigte.

(Foto: picture alliance/dpa)

Es sind Zahlen mit geringer Aussagekraft. Die Arbeitsagenturen vermelden einen stabilen Jobmarkt. Das liegt an der Stichtagsregelung. So finden der Stillstand von weiten Teilen des öffentlichen Lebens sowie der Wirtschaft noch keinen Niederschlag. Doch es gab bereits erste Zeichen einer Abkühlung.

In den offiziellen Arbeitsmarktzahlen für März spiegelt sich die Corona-Krise noch nicht wider. Wie üblich sind die Zahlen zur Monatsmitte erhoben. Demnach waren zum Stichtag am 12. März 2,335 Millionen Menschen offiziell erwerbslos gemeldet. Das waren bereinigt um saisonale Einflüsse 1000 mehr als im Februar. Experten hatten mit einer wesentlich stärkeren Zunahme gerechnet. Die Arbeitslosenquote verharrte im März bei 5,0 Prozent. Auf Jahressicht waren 34.000 Menschen mehr arbeitslos gemeldet.

"Durch die Corona-Pandemie ist die deutsche Wirtschaftsleistung eingebrochen, und das öffentliche Leben kam zunehmend zum Stillstand", erklärte die BA. Dies hinterlasse deutliche Spuren in allen Bereichen der Wirtschaft. "In den Arbeitsmarktzahlen konnte sich die aktuelle Verschärfung der Corona-Krise noch nicht widerspiegeln, weil die Angaben die jüngste Entwicklung nicht umfassen." Im Kampf gegen eine weitere Ausbreitung des Virus haben die Behörden die Stilllegung von weiten Teilen der Wirtschaft angeordnet.

Über die aktuelle Situation wollten BA-Vorstandschef Detlef Scheele und Bundesarbeitsminister Hubertus Heil um 14.00 Uhr informieren. Inzwischen berichten die Behörden von bundesweit Hunderttausenden Anträgen auf Kurzarbeit. Allein die Autohersteller haben mitunter die Bänder komplett angehalten. Die Luftfahrt und die Tourismusbranche liegen praktisch am Boden. Ähnlich sieht es in unzähligen Bereichen des Dienstleistungssektors aus. Mit einem beispiellosen Milliardenpaket versucht die Politik die schlimmsten sozialen Folgen abzufedern. Ziel ist es auch, Kündigungen zu vermeiden.

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Ohne Berücksichtigung saisonaler Effekte ist die Arbeitslosenzahl im März im Vergleich zum Vormonat um 60.000 gesunken. Die Arbeitslosenquote sank unbereinigt um 0,2 Punkte auf 5,1 Prozent. Bei der Saisonbereinigung werden jahreszeitliche Schwankungen zum Beispiel durch übliche Wettereinflüsse herausgerechnet. Im März ist ein Rückgang der Arbeitslosenzahl üblich, weil in den Außenberufen - etwa im Bau - mit der einsetzenden Frühjahrsbelebung in der Regel die Beschäftigung steigt. Der Rückgang fiel dieses Jahr etwas schwächer aus als in den Vorjahren. Einer der Gründe könnte hier der vergleichsweise milde Winter gewesen sein.

Doch die ersten Signale einer eher ungünstigen Entwicklung am Arbeitsmarkt schon vor der Corona-Krise zeigen auch die vorliegenden Zahlen - etwa die Nachfrage nach Arbeitskräften. Im März waren bei der Bundesagentur 691.000 offene Stellen gemeldet, das sind 106.000 weniger als noch vor einem Jahr. Zudem ist das vom Institut für Arbeitsmarkt- und Berufsforschung in Nürnberg aufgelegte Arbeitsmarktbarometer im März so stark gefallen wie noch nie: Der Frühindikator für den deutschen Arbeitsmarkt hatte im März auf Monatssicht 1,5 auf 100,4 Punkte verloren. Das war der stärkste Rückgang in einem Monat seit Einführung des Barometers 2011.

"Schön, aber nutzlos!", fasst Andreas Scheuerle von der Dekabank die Zahlen zusammen. Er sprach von einer frühen Blüte vor dem Frost. "Corona wird die Arbeitslosenzahlen vorübergehend spürbar in die Höhe treiben. Doch im Gegensatz zu anderen Ländern bleiben die Virusfolgen überschaubar", sagte er. Grund sei, die "Unternehmen haben in den vergangenen Krisen gelernt, dass es sich auszahlt, an ihren gut ausgebildeten Arbeitskräften festzuhalten". Hinzu komme die einzigartige deutsche Kurzarbeiterregelung.

Ähnlich sieht es Thomas Gitzel von der VP Bank. Die Arbeitslosenquote werde steigen, die Schäden am Arbeitsmarkt aber fielen nicht so massiv und gravierend aus wie etwa in den USA. Auch Alexander Krüger vom Bankhaus Lampe prognostiziert, die Kurzarbeiteranträge ließen erahnen, "dass dies im April nicht so bleiben wird".

Quelle: ntv.de, jwu/DJ/rts/dpa