Wirtschaft

Razzia beim Reaktorbauer Areva NP unter Verdacht

Der Verdacht der Staatsanwaltschaft weckt Erinnerungen an die Schmiergeldaffäre: Ermittler durchsuchen Büros und Privaträume im Umfeld des Atom-Unternehmens Areva NP. Die Nuklear-Tochter des Industrieriesen Areva soll schwarze Kassen eingerichtet haben, um daraus Bestechungen zu finanzieren.

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Deutschland-Zentrale in Erlangen: Areva NP hielt räumliche Nähe zu Siemens.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Die Staatsanwaltschaft Nürnberg-Fürth hat die deutsche Zentrale von Areva NP, der Nuklear-Tochter des französischen Industriekonzerns Areva, wegen des Verdachts auf Korruptionsvergehen durchsucht. Insgesamt hätten die Ermittler 31 Firmen- und Privatimmobilien in Deutschland und Tschechien durchkämmt, sagte eine Sprecherin der Staatsanwaltschaft.

Die Strafverfolger gehen dem Verdacht nach, dass ein aktiver und vier ehemalige Mitarbeiter des französisch-deutschen Unternehmens zwischen 2002 und 2005 schwarze Kassen angelegt haben, um im Ausland Schmiergeld im Zusammenhang mit Auftragsvergaben zu zahlen. Es gehe um Beträge im zweistelligen Millionenbereich, sagte die Sprecherin. Auch drei Mitarbeiter von Unternehmensberatungen seien im Visier der Ermittler. Die Beamten hätten umfangreiche Beweismittel gesichert, die nun ausgewertet würden. Areva hat seine Kooperation bei den Ermittlungen zugesichert.

Areva NP gehört mehrheitlich dem französischen Areva-Konzern, ein Drittel liegt noch im Besitz von Siemens. Die Vorwürfe ähneln denen, die seit 2006 gegen Siemens-Manager erhoben werden. Auch im größten Korruptionsskandal der deutschen Nachkriegsgeschichte wurde Geld aus der offiziellen Buchhaltung für Bestechungen im Ausland auf schwarze Konten ausgeschleust.

In dem Zusammenhang muss sich derzeit der frühere Konzernvorstand Ganswindt bestreitet Vorwürfe vor dem Landgericht München verantworten. Die Ankläger werfen ihm vor, von der Schmiergeldpraxis gewusst und weggesehen zu haben. Der Manager räumte Versäumnisse in der Kontrolle seiner einstigen Mitarbeiter ein, streitet aber ab, die Vorgänge konkret gekannt zu haben.

Siemens will sich von seinem Anteil an Areva NP trennen und zumindest den bisherigen Planungen zufolge mit der russischen Rosatom ein neues Atomkraftwerksunternehmen zu gründen. Die Franzosen waren gegen die Pläne vorgegangen. Ein Schiedsgericht soll bis Mitte April den Streit schlichten.

Schraubt Siemens am Atomausstieg?

Das atomare Engagement des deutschen Dax-Konzerns steht nach den Reaktorunglücken in Japan und angesichts des Stimmungswandels in der deutschen Energiepolitik mittlerweile anscheinend auf dem Prüfstand. Einem Zeitungsbericht zufolge erwägt Siemens einen Rückzug aus einem Kernenergie-Joint-Venture mit dem russischen Rosatom-Konzern.

Die "Financial Times" berichtete unter Berufung auf Äußerungen eines hochrangigen Managers, bereits vor der Katastrophe von Fukushima hätten mehrere Führungskräfte Zweifel an der Realisierbarkeit und den Geschäftsaussichten des Vorhabens gehegt. "Fukushima wird eine Gelegenheit zum Ausstieg sein, aber nicht dessen Grund", wird der Manager zitiert. Siemens suche nun nach einem Weg, der es sowohl Konzernchef Peter Löscher als auch Russland ermögliche, das Gesicht zu wahren.

Quelle: n-tv.de, mmo/rts

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