Wirtschaft

Kurswechsel bei Fernandez Argentinien entschädigt Ölkonzern Repsol

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Für die Zwangsverstaatlichung der Repsol-Tochter YPF zahlt das Land nun eine Milliarden-Entschädigung.

REUTERS

Argentinien ist ein rohstoffreiches Land. Doch Investoren halten sich zurück. Seit der Staatspleite ist zudem der Anleihenmarkt versperrt. Das Land ist zum Handeln gezwungen. Im Streitfall mit einem spanischen Ölriesen gibt das Land bei. Es soll ein Signal sein.

Argentinien hat seinen Streit mit Spanien um das größte heimische Ölunternehmen beigelegt. Rund eineinhalb Jahre nach der überraschenden Verstaatlichung der Argentinien-Tochter YPF des spanischen Repsol-Konzerns gab die Regierung in Buenos Aires eine vorläufige Einigung bekannt. Demnach soll Repsol eine Entschädigung von fünf Milliarden Dollar erhalten - die Hälfte der ursprünglich geforderten Summe.

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Insidern zufolge wird die Summe in auf US-Dollar laufende argentinische Staatsanleihen gezahlt. Die Bonds sollen durch Garantien abgesichert werden, hieß es weiter. Von dem Konzern werde weder verlangt, Geld in Argentinien zu reinvestieren noch sei er bei dem Weiterverkauf der Anleihen beschränkt.

Die innenpolitisch unter Druck geratene argentinische Präsidentin Cristina Fernandez verspricht sich davon einen Befreiungsschlag für die drittgrößte Volkswirtschaft Lateinamerikas. Der Deal soll finanzstarke internationale Investoren ins Land locken, um riesige Öl- und Gasvorkommen fördern zu können.

Kabinettschef Jorge Capitanich sagte, Argentinien habe ein "sehr ehrgeiziges" Energieprogramm für die kommenden Jahre. Die Hoffnungen ruhen auf immensen Vorkommen an Schiefer-Öl und Schiefer-Gas in der Region Vaca Muerta. Sie gehören zu den größten Lagerstätten in der Welt. Größter Anteilseigner ist YPF. Die Investitionen zur Erschließung sind bislang sehr langsam in Gang gekommen. Seit der Staatspleite 2002 sind die Beziehungen Argentinien zu ausländischen Investoren schwer beschädigt. Noch immer streitet sich das Land mit Anleihegläubigern vor Gericht.

Repsol zieht Klagen zurück

Für eine zusätzliche Belastung sorgte die Regierung im Mai 2012, als sie den zu 51 Prozent Repsol gehörende YPF-Konzern beschlagnahmte. Sie begründete den Schritt mit mangelnden Investitionen in das Unternehmen. Repsol ging auf mehreren Ebenen gerichtlich gegen die Verstaatlichung vor, unter anderem mit einer Klage vor der Weltbank. Diese werde das spanische Unternehmen nun zurückziehen, teilte die argentinische Regierung mit. Firmenkreisen zufolge sollte der Repsol-Verwaltungsrat der Einigung noch am Mittwoch zustimmen.

Analysten werteten den Schritt als Wende in der Politik von Präsidentin Fernandez, deren Partei jüngst bei den Parlamentswahlen herbe Verluste erlitt. Fernandez stand bislang für starke staatliche Eingriffe in die Wirtschaft, etwa durch strikte Handels- und Devisenkontrollen. Trotz reicher Vorkommen im eigenen Land muss Argentinien inzwischen Öl und Gas teuer einkaufen. Da ihr der internationale Anleihemarkt verschlossen ist, zieht Fernandez Milliarden aus den Zentralbank-Reserven ab, um Schulden zu bezahlen und die Staatskasse aufzufüllen.  

Auch an der Börse herrschte Erleichterung: Die Repsol-Aktie kletterte in Madrid 4,3 Prozent. Die YPF-Titel schossen in Buenos Aires zehn Prozent in die Höhe.

Quelle: n-tv.de, jwu/rts/DJ

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