Wirtschaft

Schuldenschnitt keine Option Athen dementiert Szenario

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Venizelos allein zu Haus: Seine Kritiker nennen ihn einen "Polterer", der sich mit Intrigen manchen Feind gemacht hat. Allen voran Papandreou.

(Foto: REUTERS)

Griechenlands Finanzministers Venizelos steht mit seinen Äußerungen, wonach ein geordneter Schuldenschnitt eine Option für Griechenland sein könnte, allein in seiner Regierung. Ein Regierungssprecher dementiert das Szenario "kategorisch". Derartige Gespräche lenkten nur von der Umsetzung der Beschlüsse des Euro-Gipfels im Juli ab.

Das griechische Finanzministerium hat Zeitungsberichte zurückgewiesen, nach denen eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent ein Szenario in der Schuldenkrise ist. Das Ministerium erklärte, Griechenland konzentriere sich darauf, die Beschlüsse des Euro-Gipfels vom 21. Juli umzusetzen.

Alle anderen Gerüchte, Gespräche und Szenarien lenkten das Land von seinem Hauptziel ab, hieß es weiter. Zuvor hatte bereits der stellvertretende Regierungssprecher die Berichte dementiert. "Die große Herausforderung ist, jede Art von Insolvenz oder Zusammenbruch zu vermeiden", sagte er. Auch die sozialistische Abgeordnete Theodora Tzakri sagte, es gebe kein Szenario für einen Schuldenschnitt von 50 Prozent. "Ich dementiere das kategorisch. Ein solches Szenario gibt es nicht", sagte sie.

Eins, zwei oder drei?

Das Zeitungen "Ethnos" und "Ta Nea" hatten unter Berufung auf Personen, die bei der Rede des Ministers vor Abgeordneten anwesend waren, berichtet, Finanzminister Evangelos Venizelos habe bei der Rede vor Abgeordneten von drei Szenarien für Griechenland gesprochen. Eines davon sei eine geordnete Insolvenz mit einem Schuldenschnitt von 50 Prozent.

Venizelos bezeichnete demnach einen solchen Schritt als gefährlich: Dies würde die Zustimmung und die Zusammenarbeit vieler voraussetzen, wurde der Minister zitiert. Als weitere Szenarien nannte er den Zeitungen zufolge eine ungeordnete Insolvenz oder die Umsetzung der Beschlüsse vom 21. Juli. Damals wurde ein zweites Rettungspaket für Griechenland in Höhe von 109 Milliarden Euro vereinbart.

Rogoff: "Dramatischer Zahlungsausfall"

Experten plädieren schon länger für einen Schuldenschnitt. Gläubiger würden dann auf einen Teil ihrer Forderungen verzichten. Wer heute seine griechischen Staatsanleihen verkaufen möchte, bekommt am Markt bereits weniger als die Hälfte des Ausgabepreises.   

Auch der frühere Chefvolkswirt des Internationalen Währungsfonds, Kenneth Rogoff, geht nach eigenen Worten von einem "dramatischen Zahlungsausfall" aus. "Die Gläubiger werden von einem Euro nominalen Schulden wahrscheinlich nur 30 oder 40 Cent wiedersehen, vielleicht noch weniger. Das ist unvermeidlich", sagte der Professor der US-Universität Harvard der "Frankfurter Allgemeinen Zeitung".

Selbstläufer Venizelos

Wenn er könnte, würde er wohl anders, aber derzeit kommt Venizelos die undankbare Rolle zu, seinen Landsleuten die harten Sparprogramme zu verordnen. Politisch gilt er als Gegenspieler von Premier Giorgos Papandreou. Gäbe es Papandreou nicht, wäre Venizelos wohl längst Regierungschef. Schwierig im laufenden Verhandlunsgprozess um eine weitere Kredittranche gestaltet sich die Tatsache, dass Demut ganz und gar nicht Venizelos' Fall ist.

Seine nachdrücklichen Forderungen nach der Auszahlung der neuen Kredittranche für Griechenland kamen bei seinen EU-Amtskollegen bisher nicht gut an. Eine Rolle dürfte dabei spielen, dass er kein Befürworter der harten Einschnitte im griechischen Haushalt ist. Seiner Auffassung nach fördern sie nicht die Gesundung der griechischen Wirtschaft, sondern drosseln das Wachstum des Landes zusätzlich.

Quelle: n-tv.de, ddi/DJ/dpa

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