Wirtschaft
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Donnerstag, 25. August 2011

Zinsen steigen auf Rekordstände: Athen hält die Luft an

Die verfahrene finanzielle Lage Griechenlands spitzt sich deutlich zu. Während Griechenland seinen Banken Notkredite gegen den Kollaps gewähren muss, ist im europäischen Streit um Sicherheiten für neue Hilfsgelder keine Lösung in Sicht. Auch die Beteiligung privater Gläubiger stockt. Unterdessen steigen die Renditen griechischer Staatsanleihen auf dramatische Höchststände.

Die Zinsen griechischer Staatsanleihen ziehen wegen einer ganzen Reihe ungelöster Probleme kräftig an. Für Papiere mit zehnjähriger Laufzeit stieg die Rendite auf den Rekordwert von mehr als 18 Prozent. Ein noch dramatischeres Bild zeigt sich am kurzen Ende: Anleihen mit zweijähriger Laufzeit notierten in der Spitze knapp unter 47 Prozent. Damit signalisieren die Bondmärkte akute Zweifel an der Rettung Griechenlands durch das zweite milliardenschwere Rettungspaket.

Akut wurden die Probleme jüngst durch die Ankündigung des Internationalen Währungsfonds, Ende September über die nächste Tranche von Rettungsgeldern an Griechenland zu entscheiden. Am 5. September werden EU und IWF ihre Prüfarbeiten in Griechenland für die Entscheidung über die Freigabe der nächsten Tranche beenden. Am Markt kamen daraufhin Sorgen auf, dass Gelder aus dem ersten Rettungspaket möglicherweise nicht freigegeben werden könnten. Das würde die Lage Griechenlands massiv verschärfen, zumal auch das zweite Rettungspaket wegen zahlreicher Bedenken noch lange nicht in trockenen Tüchern ist.

Private Beteiligung stockt

Vier Wochen nach der Einigung auf einen Beitrag des Privatsektors zu den Griechen-Hilfen sind die Details des Anleihetauschs noch immer unklar. Griechenland habe noch kein konkretes Angebot für die Laufzeitenverlängerung der alten Staatsanleihen unterbreitet, verlautete aus mehreren europäischen Geldhäusern. Entsprechend gering seien im Moment die Zusagen der Banken, sich an den Hilfen zu beteiligen. "Wir liegen bei etwa 50 Prozent", sagte eine mit den Verhandlungen vertraute Person. "Die Zusagen könnten in den nächsten Tagen deutlich steigen, wenn die offenen Punkte geklärt werden." Angepeilt werden etwa 90 Prozent.

Griechenland braucht die hohe Zustimmungsrate der privaten Investoren, um wie geplant Bonds im Volumen von 135 Mrd. Euro zu tauschen oder zu verlängern. Das hoch verschuldete Mittelmeerland hatte bereits deutlich gemacht, dass es dazu auch Anleihen einbeziehen will, die bis 2024 und nicht nur bis 2020 laufen. Einige Banken haben ohnehin nur länger laufende Bonds in den Büchern. Der Tausch geht mit einem mindestens 21-prozentigen Forderungsverzicht der privaten Gläubiger bei den alten Schulden einher. Diese Abschreibungen haben die Finanzinstitute bereits im zweiten Quartal verbucht.         

Koordiniert wird der Anleihetausch vom Internationalen Bankenverband (IIF), der mehr als 400 Institute repräsentiert. Dem IIF zufolge haben bislang 40 Unternehmen ihre Zusage zur Umschuldung gegeben. Diese Unternehmen halten für das Programm infrage kommende Griechen-Bonds im Volumen von rund 70 Mrd. Euro.  

Griechenland hat den eigenen Banken bis zum 9. September Zeit gegeben, sich zum Anleihetausch zu positionieren. Diese Frist gilt offenbar nicht für die anderen europäischen Finanzhäuser. Mit der Debatte um die zusätzliche Absicherung der Griechen-Hilfen, wie sie etwa Finnland fordert, habe die Verzögerung aber nichts zu tun, sagten Banker. Es stehe auch völlig außer Frage, das Hilfspaket wieder aufzuschnüren. "Man will den Brandherd nicht wieder aufflammen lassen."

Papst geht vor

Auch im Streit über die mögliche Absicherung der zweiten Runde europäischen Kredithilfen für Griechenland ist noch keine Lösung in Sicht. Nach dem Scheitern einer ersten Vereinbarung zwischen Finnland und dem südeuropäischen Krisenland seien nun Sachwerte als Pfand im Gespräch, berichtete das "Handelsblatt". Aus dem Kreis der Beteiligten wurde das aber bestritten. Österreich warb für sein Kompromissmodell, nach dem auch andere kleinere Euro-Länder abgesichert werden sollen.

Unterdessen deutet sich von höchster Stelle eine kurzzeitige Verzögerung der Beschlüsse von Bundestag und Bundesrat über die Reform des Euro-Rettungsfonds EFSF an. CDU und CSU streben nach Angaben aus Unionskreisen an, wegen des Papst-Besuches in Deutschland die Entscheidung des Bundestages um rund eine Woche auf den 29. September zu verschieben. Der Bundesrat müsste sich dem dann anpassen. In der Opposition wurde Offenheit für die Überlegungen signalisiert.

Banken in Not

Die griechische Zentralbank hat derweil eine Notkreditlinie für die Banken des überschuldeten Landes aufgelegt. Mehrere Finanzinstitute haben sich nach Reuters-Informationen bereits um die nötigen Formalien zur Teilnahme an dem Programm gekümmert. "Ob sie die Notkreditlinie auch anzapfen werden, weiß ich allerdings nicht", sagte ein Banker, der seinen Namen nicht in der Presse lesen wollte. Die griechische Finanzzeitung "Imerisia" hatte bereits zuvor berichtet, die Notkreditlinie (emergency liquitity assistance/ELA) sei von der Notenbank aktiviert worden.            

"Alle kleinen, mittleren und größeren Banken (mit Ausnahme der National Bank of Greece) haben zugesagt teilzunehmen, um an Liquidität zu kommen - ob und wann sie sie brauchen", meldete das Blatt ohne Angabe von Quellen. Die Zentralbank in Athen und auch die Europäische Zentralbank (EZB) wollten den Bericht nicht kommentieren. 

Griechenlands Banken stehen derzeit wegen der Schuldenkrise des Landes massiv unter Druck und kommen sehr schwer, wenn überhaupt auf dem freien Geldmarkt an frische Mittel. Sie stehen deshalb bereits bei der EZB mit 103 Mrd. Euro in der Kreide. Darüber hinaus können die nationalen Notenbanken in der Euro-Zone sogenannte ELAs aktivieren und darüber ihre Banken mit Geld versorgen. Die nationalen Zentralbanken entscheiden darüber zwar autonom, allerdings kann der EZB-Rat diese Entscheidung mit einer Zwei-Drittel-Mehrheit aufheben.

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Quelle: n-tv.de