Wirtschaft

Rubel rollt Abgrund entgegen Auch deutsche Anleger sind betroffen

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(Foto: dpa)

Inflation, Rezession, mögliche Staatspleite. Russlands Währung stürzt ab und mit ihr die Wirtschaft. Das geht auch an deutschen Anlegern nicht spurlos vorbei.

Düstere Zeiten in Moskau: Mit dem Ölpreis kollabiert der Rubel. Das macht importierte Waren für die Russen nahezu unbezahlbar. Apple hat seinen Online-Store vorerst abgeschaltet – eineinhalb Dutzend westliche Autofirmen haben ihre PKW-Verkäufe in Russland erst einmal gestoppt. Verschärft wird die Situation dadurch, dass auch heimische Produkte in Russland mit den Preisen anziehen. Die Inflation breitet sich aus. Die russische Notenbank hat auf den Rubelabsturz mit einer drastischen Anhebung der Leitzinsen auf 17 Prozent reagiert.

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Holger Knaup arbeitet als geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und ist verantwortlich für das Portfolio- und Risikomanagement.

Die drohende Rezession lässt sich wohl kaum verhindern. Nach den aktuellen Prognosen wird die russische Wirtschaft im kommenden Jahr um 4,5 Prozent schrumpfen. Das ist ein Ausmaß, wie wir es nach der Lehman-Pleite und der anschließenden Weltwirtschaftskrise erlebt haben. Möglicherweise kommt es noch schlimmer. Denn die russischen Exporte bestehen zu rund zwei Dritteln aus fossilen Brennstoffen, also aus Gas sowie vor allem aus Erdöl und Erdölprodukten. Der Preis für Öl hat sich in den vergangenen sechs Monaten annähernd halbiert.

Der Staat finanziert fast zur Hälfte seines Haushalts aus den Gas- und Öleinnahmen. Damit sind umfangreiche Ausgabenkürzungen und Steuererhöhungen vorprogrammiert. Das Finanzministerium hat bereits angekündigt, die Rentenbeiträge für Projekte auf der Krim nutzen zu müssen. Außerdem wird eine Erhöhung der Mehrwertsteuer in Betracht gezogen.

Wie angespannt die Situation ist, lässt sich an den Credit Default Swaps, kurz CDS, ablesen. Dabei handelt es sich um die Kosten einer Absicherung gegen den Ausfall russischer Staatsanleihen. Die CDS für russische Staatsanleihen sind in den vergangenen Tagen dramatisch gestiegen. Das heißt nichts anderes, dass immer mehr Marktteilnehmer eine Pleite Russlands für wahrscheinlich halten.

Staatspleite unwahrscheinlich…

So dramatisch die Entwicklung in Russland auch ist: Eine Zahlungsunfähigkeit Moskaus halten wir vorerst aber für unwahrscheinlich. Denn der russische Staat ist mit zwölf Prozent der Wirtschaftsleistung (BIP) kaum verschuldet. Zwei Drittel der Verbindlichkeiten lauten zudem auf Rubel und sind somit vom Verfall der Währung gar nicht betroffen. Gleichzeitig kann das Land immer noch auf gewaltige Devisenreserven in Höhe von 420 Milliarden Dollar zurückgreifen.

…aber Inflation und Rezession

Russlands ist im 21. Jahrhundert jedoch eng in die globalen Wirtschaftsstrukturen eingebunden – ob einem das politisch gefällt oder nicht. Präsident Wladimir Putin versprach zwar immer wieder, die Wirtschaft zu reformieren. Mehr noch fabulierte dessen Platzhalter im Kreml, Dmitri Medwedew, von Modernisierung, Privatisierung und Diversifizierung der Wirtschaft. Passiert ist tatsächlich kaum etwas. Das Land produziert auch heute noch kaum etwas anderes als Gas und Öl. Vom Auto bis zum Haarshampoo – Russland ist auf Einfuhren aus dem Ausland angewiesen. Durch den Kollaps des Rubels schießt die importierte Inflation nach oben. Die Kaufkraft der Bürger und damit verbunden der Binnenkonsum lassen spürbar nach. Die Wirtschaft schrumpft.

Die Folgen für die leidgeplagte russische Bevölkerung sind dramatisch, werden aber auch an den deutschen Anlegern nicht spurlos vorbeigehen. Risiken gehen insbesondere vom Finanzsektor aus. Die Auslandsschulden der russischen Banken belaufen sich auf 165 Milliarden US-Dollar. Davon ist circa die Hälfte innerhalb von zwölf Monaten fällig. Die größten Gläubiger stammen zwar aus Österreich und Frankreich. Auf deutsche Kreditinstitute entfallen nur knapp zwölf Prozent der Schulden russischer Banken. Die Lehman-Pleite hat aber gezeigt, dass Zahlungsausfälle nicht an Ländergrenzen haltmachen. Die Pleite einer großen russischen Bank könnte weltweit eine neue Finanzkrise auslösen. Denn neben den faktischen Verflechtungen hätte dies insbesondere auch ein größeres psychologisches Momentum, welches auch auf Finanzinstitute in Europa wieder durchschlagen könnte.

Exportindustrie leidet

Für die deutsche Exportindustrie sind die Folgen des Rubelabsturzes zum Teil dramatisch. Denn die Ausfuhren nach Russland verteuern sich massiv. Insgesamt gehen zwar nur drei Prozent der deutschen Exporte nach Russland. Aber für Branchen wie den Maschinenbau und die Autoindustrie sieht das ganz anders aus, die haben in den vergangenen Jahren verstärkt auf Russland gesetzt. Bislang rechnet der Ost-Ausschuss für 2014 damit, dass die deutschen Exporte nach Russland um ein Fünftel einbrechen werden.

Der Absturz der russischen Währung trifft aber auch die deutschen Firmen, die in Russland produzieren. Diese bezahlen zwar ihre Mitarbeiter in Rubel. Aber nahezu alle Unternehmen mit einer Produktion vor Ort müssen Teile aus dem Ausland einführen. Diese verteuern sich durch die Rubel-Schwäche massiv. Entweder die Firmen erhöhen deshalb insgesamt die Preise, wodurch die Absatzzahlen deutlich sinken werden, oder sie verzichteten auf Margen. Aber so große Margen hat eigentlich niemand.

Die vermeintliche Krisenwährung Gold kann von der Russlandkrise bislang nur wenig profitieren. Zwar ist der Preis des Edelmetalls seit Anfang November um sechs Prozent gestiegen. Im bisherigen Jahresverlauf ist Gold unter dem Strich aber nur seitwärts gelaufen.

Bunds und Konjunktur profitieren

Es gibt aber dennoch Gewinner: Als vermeintlich sicherer Hafen erweisen sich erneut deutsche Bundesanleihen. Die Nachfrage risikoaverser Anleger treibt ihre Kurse weiter nach oben, die Renditen sind mit weniger als 0,6 Prozent auf den tiefsten Stand aller Zeiten gefallen. Das ist schön für alle Anleger, die in deutschen Staatsanleihen investiert sind. Grundsätzlich lässt sich außerdem feststellen, dass der fallende Ölpreis zunächst einmal weltweit einen positiven, konjunkturellen Sondereffekt haben dürfte.

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Quelle: ntv.de

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