Wirtschaft

Streit mit GM-Tochter BMW droht Klage

Bei BMW geht es rund in diesen Tagen: Dem Autobauer steht eine milliardenschwere Klage einer GM-Tochter ins Haus. MLC will die Münchner auf Erfüllung eines Auftrages in Höhe von mehr als einer Milliarde Euro verklagen. In England plant BMW unterdessen, mit einem Rekordgeschäft Pensionsansprüche auszulagern.

Zwischen BMW und der GM-Tochter Motors Liquidation Company (MLC) bahnt sich ein handfester Schadenersatzprozess an. Es geht um die Entwicklung eines Getriebes und nebenbei um nicht weniger als die Existenz des Zulieferers mit Sitz in Straßburg. MLC baute für die Münchner Getriebe und sollte eine neue Sechsgang-Automatik entwickeln. BMW zog sich aber aus dem Projekt zurück, was die MLC Beobachtern zufolge in existenzielle Nöte bringt. Das Nachfolgeunternehmen von GM-Powertrain bestreitet dies vehement.

Die Zusammenarbeit zwischen BMW und der Tochter von General Motors dauert bereits 20 Jahre an. Die Münchner bauen, anders als Konkurrenten wie zum Beispiel Daimler, ihre Getriebe nicht selbst, sondern kaufen sie ein. 2004 bekam MLC, damals noch GM-Powertrain, den Auftrag, ein neues Sechsganggetriebe zu entwickeln. Die Automatikschaltung sollte im X3, künftigen Mittelklasseautos und einem damals neuen Modell der unteren Kompaktklasse eingesetzt werden. Vermutlich war die Schaltbox für Mini und den neuen 1er gedacht.

"Nicht wettbewerbsfähig"

Das Auftragsvolumen für das Geschäft betrug mehr als eine Milliarde Euro, berichtete die "Wirtschaftswoche". Alleine die Entwicklungskosten wurden damals auf rund 19 Mio. Euro taxiert. Jährlich sollten 200.000 Einheiten das Werk in Straßburg verlassen. Nach Angaben von MLC erweiterten die Münchner jedoch mehrere Male das Lastenheft, was die Entwicklung immer wieder verzögerte. Der für 2008 geplante Produktionsstart gelang nicht, der Vertrag wurde am 10. Dezember letzten Jahres gekündigt. "Nicht mehr wettbewerbsfähig", lautete das Urteil von BMW.

MLC will jetzt auf Erfüllung des Vertrages klagen. Verwunderlich ist das nicht, schließlich steht der US-Zulieferer mit Sitz in Frankreich mit dem Rücken zur Wand. Sollte das Geld aus München nicht kommen, droht die Schließung des ganzen Werkes. Das könnte auch die Produktionskette anderer Hersteller zumindest kurzfristig beeinträchtigen.

Rekordgeschäft in England

In England baut BMW gerade am Auslagerungsgeschäft für Pensionen aller Zeiten. Langlebigkeitsrisiken im Volumen von 2,8 Mrd. Euro aus seinem britischen Pensionsfonds will der Konzern auslagern. Dies sei der größte Deal dieser Art, seitdem Unternehmen versuchten, ihre Pensionsrückstellungen zu reduzieren, schrieb die "Financial Times" unter Berufung auf mit der Angelegenheit vertraute Personen.

Die Deutsche-Bank-Sparte Abbey Life und der Rentenspezialist Paternoster seien mit den Verhandlungen betraut worden und erhofften sich, einen Großteil der Risiken auf spezielle Versicherer transferieren zu können, so das Blatt weiter. Allerdings stehe laut Informanten noch viel Arbeit bevor. Auch seien die Teilnehmer des Pensionsfonds noch nicht unterrichtet worden. Dennoch könnte die Transaktion in diesem Monat verkündet werden, zitiert die FT mit der Situation vertraute Personen.

Langlebigkeitsversicherungen (longevity insurance) sind dazu konzipiert, Pensionsfonds vor dem Risiko zu schützen, dass Ruheständler länger als erwartet leben. Der Markt für diese Art von Versicherung blüht laut "FT" seit Anfang 2008 auf.

Quelle: ntv.de, mit DJ