Wirtschaft

"Jahr des tragischen Unfalls" BP verbucht rote Zahlen

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Im neuen Jahr will BP den Skandal abschütteln.

(Foto: AP)

Der britische Energiekonzern BP schreibt wegen der Ölkatastrophe im Golf von Mexiko erstmals in seiner jüngeren Firmengeschichte in einem vollen Geschäftsjahr Verluste. Mit der Bilanz will der neue BP-Chef Bob Dudley aber einen Schlussstrich unter dem "Jahr des tragischen Unfalls" ziehen und läutet das "Jahr der Erholung" ein.

Die Ölkatastrophe im Golf von Mexiko hat dem Konzern BP die Jahresbilanz verhagelt. Die Briten wiesen für 2010 einen Fehlbetrag von fast fünf Mrd. US-Dollar aus. Im Jahr davor hatte BP noch einen Gewinn von knapp 14 Mrd. Dollar erwirtschaftet. Trotz des höheren Ölpreises blieb auch das vierte Quartal glanzlos, da weitere Kosten für die Beseitigung der Folgen der Ölpest zu Buche schlugen. BP-Konkurrenten wie Exxon Mobil oder Chevron hatten dagegen mit sprudelnden Gewinnen überrascht. Die BP-Aktie gab in London mehr als ein Prozent nach und gehörte damit zu den größten Verlierern des Londoner FTSE 100.

Trotz des Milliardenverlustes nimmt BP seine Dividendenzahlungen wieder auf. Der Konzern will seinen Aktionären fürs vierte Quartal sieben Cent je Anteilsschein ausschütten - das ist nur halb so viel wie vor der Ölkatastrophe im April 2010. "Die Wiedereinführung der Dividende ist eine gute Nachricht für Investoren", sagte Analyst Dougie Youngson von Arbuthnot Securities.

Milliardenschwere Katastrophenrechnung

Die Ölplattform Deepwater Horizon war nach einer Explosion untergegangen und löste die größte Umweltkatastrophe in den USA aus. Mit den Folgen wird BP noch lange kämpfen. Die Rechnung für Entschädigungen und Aufräumarbeiten erhöhte sich inzwischen auf fast 41 Mrd. US-Dollar. Das ist eine Mrd. mehr als bislang angegeben. Um für die Schäden aufkommen zu können, will sich BP bis Ende des Jahres von Vermögenswerten im Volumen von 30 Mrd. Dollar trennen. Nach eigenen Angaben befindet sich Konzern auf einem guten Weg, dieses selbstgesteckte Ziel zu erreichen.

Im vierten Quartal kletterte der Gewinn wieder auf 4,61 Mrd. Dollar von 3,44 Mrd. Dollar Ende 2009. Allerdings verdankte BP den Anstieg vor allem dem höheren Ölpreis. In den letzten drei Monaten 2010 legte der Ölpreis im Schnitt um zwölf Prozent auf durchschnittlich 85 Dollar je Barrel (159 Liter) zu. Im dritten Quartal hatte musste BP noch einen kräftigen Gewinnrückgang verbucht.

Rosneft-Deal soll die Wende bringen

BP-Chef Bob Dudley ist optimistisch, dass das Blatt bald zum Guten wendet. Langfristig stellt der Konkurrent von Royal Dutch Shell Wachstum in Aussicht und begründet dies unter anderem mit seiner geplanten Partnerschaft mit der russischen Rosneft und die zunehmende Konzentration auf die Förderung von Öl und Gas. BP stößt derzeit zwei Raffinerien in den USA ab und will zugleich mehr in die Gas- und Ölproduktion investieren.

Ob die Allianz mit Rosneft überhaupt zustandekommt, ist noch unklar. Das Gemeinschaftsunternehmen TNK-BP geht gerichtlich gegen die Allianz des britischen Ölkonzerns mit Rosneft vor. Dudley gab sich am Dienstag allerdings zuversichtlich und stellte eine Beilegung des Streits in Aussicht. Rosneft und BP wollen zusammen in der Arktis nach Öl bohren.

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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23.04.09