Wirtschaft

Reaktion auf ICE-Pannen? Bahn-Fernverkehrschef geht

Nun ist es amtlich: Die Bahn bestätigt die Ablösung des Chefs der Bahntochter DB Fernverkehr AG, Breuel. Der 50-Jährige muss offenbar für die Pannen bei der ICE-Flotte büßen. Offiziell wird von einem Rücktritt gesprochen. Breuel hatte den Fernverkehr in die schwarzen Zahlen geführt.

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Nikolaus Breuel

(Foto: picture alliance / dpa)

Rumort hat es in der Führungsetage schon länger, die Trennung zum jetzigen Zeitpunkt kommt gleichwohl überraschend: Nikolaus Breuel, Vorstandschef der Bahntochter DB Fernverkehr AG, muss gehen. Die Deutsche Bahn bestätigte, was aus dem Aufsichtsrat durchgesickert war. Breuel geht nach sechseinhalb Jahren an der Spitze des ICE- und Intercity-Verkehrs. Offiziell wird die Ablösung als Rücktritt bezeichnet, zugleich ist aber von einem Ausscheiden "in gegenseitigem Einvernehmen" die Rede.

Der 50-jährige Manager muss offensichtlich dafür büßen, dass die ICE-Flotte zwei Jahre lang immer wieder negative Schlagzeilen produzierte und damit empfindlich am Image der Bahn insgesamt kratzte. Es begann mit dem Achsbruch eines ICE 3 im Juli 2008. Die Folge waren viel häufigere Werkstattaufenthalte der Züge, um die Achsen per Ultraschall zu überprüfen, was wiederum zu einem Engpass bei den ICE-Zügen führte.

Die fehlende Reserve machte sich im Winter besonders unangenehm dadurch bemerkbar, dass eisige Kälte und tückischer Pulverschnee die Elektronik manches ICE-Antriebs lahmlegte. Ersatzzüge waren schlichtweg nicht vorhanden. Ein neues Debakel ereilte die Bahn im Hochsommer. Einige Tage lang machten Klimaanlagen der schneeweißen Renner schlapp, in einem ICE kollabierten Schüler auf Klassenfahrt.

Für all das übernahmen Ulrich Homburg, der für den gesamten Personenverkehr zuständige Bahnmanager, und Vorstandschef Rüdiger Grube in der Öffentlichkeit die Verantwortung. Breuel blieb stets im Hintergrund.

In die schwarzen Zahlen geführt

Eigentlich gilt der Fernverkehr als Aushängeschild der bundeseigenen Bahn, auch wenn er nur einen kleinen Teil zu Umsatz und Gewinn beiträgt. Im ersten Halbjahr 2010 stieg seine Verkehrsleistung überdurchschnittlich um 3,8 Prozent. Breuel hatte den Fernverkehr in den Jahren zuvor aus den roten Zahlen geführt. Dafür dankte ihm Grube ausdrücklich.

Der Sohn der ehemaligen Treuhand-Chefin Birgit Breuel hatte nach dem Abgang des früheren Bahnchefs Hartmut Mehdorn im Mai 2009 noch das große Stühlerücken im Bahn-Vorstand ungeschoren überstanden. Damals wurde auch Breuel als Nachfolger gehandelt - oder er ließ sich handeln. Doch daraus wurde nichts.

Quelle: n-tv.de, dpa

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