Wirtschaft

US-Sorte bei 40-Dollar-Marke Bangen um China lässt Ölpreise purzeln

imago62892611h.jpg

Öltanker im Hafen von Guangzhou. China ist inzwischen der größte Ölkonsument der Welt.

(Foto: imago/China Foto Press)

Tiefer und tiefer sinken die Preise für das Schwarze Gold. Zu dem bisher schon auf den Märkten lastenden Überangebot kommen nun Sorgen um die Nachfrage des Großabnehmers China. An deutschen Tankstellen hingegen bleibt der Preisverfall aus.

Getrieben durch Sorgen um China sind die Ölpreise erneut gesunken. Am Nachmittag kostete ein Barrel (159 Liter) der Nordseesorte Brent zur Lieferung im Oktober 45,71 US-Dollar. Das waren 91 Cent weniger als am Donnerstag. Der Preis für ein Fass der amerikanischen Sorte West Texas Intermediate (WTI) fiel um 46 Cent auf 40,86 Dollar.

Wachsende Sorgen um die schwächelnde Konjunktur in China verstärkten den Druck auf die Ölpreise. In der Nacht zum Freitag war bekanntgeworden, dass die Zuversicht von Managern chinesischer Industrieunternehmen auf den tiefsten Stand seit März 2009 gefallen ist. Der Einkaufsmanagerindex für das verarbeitende Gewerbe des Wirtschaftsmagazins "Caixin" ging im August nach einer ersten Schätzung auf 47,1 Punkte zurück und liegt damit deutlich unter die Positivgrenze von 50 Zählern. Nach Einschätzung von Rohstoffexperten der Commerzbank dürfte der erneute Stimmungseinbruch in den Führungsetagen chinesischer Industriebetriebe die Nachfragesorgen bei den Marktteilnehmern verstärken. China ist inzwischen der größte Ölkonsument der Welt.

Norwegens Wirtschaft leidet unter Niedrigpreisen

Dazu kommt das anhaltende Überangebot auf dem Ölmarkt: Laut den Commerzbank-Experten wird einmal mehr deutlich, dass mit Saudi-Arabien der größte Opec-Ölproduzent an seiner Strategie der Verteidigung von Marktanteilen festhält. Laut jüngsten Daten hatte das wichtige Förderland die Ölexporte im Juni kräftig auf durchschnittlich etwa 7,4 Millionen Barrel pro Tag gesteigert. "Für die Ölpreise ist der Boden wohl noch nicht erreicht", hieß es weiter bei der Commerzbank.

Stark vom Export von Erdöl abhängige Länder darben derzeit unter den Niedrigpreisen: etwa Norwegen. Das Bruttoinlandsprodukt des Landes schrumpfte von April bis Juni um 0,1 Prozent im Vergleich zum Vorquartal, wie das Statistikamt zuletzt mitteilte. Zu Jahresbeginn hatte es noch zu einem Mini-Wachstum von 0,1 Prozent gereicht. Das Rohstoffgeschäft in der Nordsee macht etwa ein Fünftel der Jahreswirtschaftsleistung des skandinavischen Landes aus.

Schwacher Euro verhindert Preissturz an Tankstellen

Die russische Öl-Industrie hingegen wird dem drittgrößten Hersteller des Landes zufolge die Phase niedriger Weltmarktpreise gut verkraften. "Die russische Öl-Branche ist meiner Meinung nach sehr gut abgeschirmt", sagte Wadim Jakowlew, Vize-Chef von Gazprom Neft. Sie habe eine Sicherheitsmarge und werde nicht zu den Verlieren gehören, "wenn der Preis-Krieg weitergehen sollte". Viele hätten gehofft, dass die amerikanische Schieferöl-Industrie durch die niedrigen Preise geschädigt werden würde. "Bislang ist das nicht passiert", sagte Jakowlew. "Daraus schließe ich, dass die Saudis neue Widerstandslinien austesten könnten."

An der Tankstelle ist der Preisverfall beim Rohöl übrigens nicht 1:1 nachzuvollziehen, auch wenn Tanken derzeit vergleichsweise günstig ist. Das liegt einerseits am schwachen Euro, der Einkäufe in Dollar teurer macht. Zudem verweist die Mineralölbranche darauf, dass die Weltmarktpreise für Benzin und Diesel andere sind als für Öl.

Quelle: ntv.de, kst/rts/dpa/DJ

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen