Wirtschaft

Was sich mit "Basel III" ändert Banken an die kurze Leine

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Ein bisschen Spiel ist immer...

(Foto: REUTERS)

Die Staats- und Regierungschefs der 20 wichtigsten Industrie- und Schwellenländer (G20) haben in Seoul das Reformwerk "Basel III" abgesegnet, mit dem sich die Finanzbranche besser für Krisen wappnen soll. Notenbanker und Bankenaufseher aus 27 Ländern hatten sich von Dezember 2009 bis September im Baseler Ausschuss auf härtere Eigenkapital- und Liquiditätsvorschriften für Banken verständigt. Die Grundzüge von "Basel III":

Definition des Kapitals

Das "harte Kernkapital" (Core Tier-1) wird die neue Währung für die Kapitalausstattung der Banken weltweit. Als hartes Kernkapital gelten dabei ausschließlich zwei Bilanzgrößen, nämlich das Grundkapital, also der Wert aller ausgegeben Aktien der Bank, und die einbehaltenen Gewinne. Auf diese beiden Kapitaltöpfe kann eine Bank jederzeit zurückgreifen, wenn sie Verluste ausgleichen muss. Deshalb gilt diese strenge Größe als besonders ungefährdet.

Ab 2015 soll das harte Kernkapital mindestens 4,5 Prozent der so genannten risikogewichteten Aktiva einer Bank ausmachen. Unter risikogewichteten Aktiva versteht man die Geschäfte einer Bank wie Kredite oder Beteiligungen, die umso stärker mit sicherem Kapital der Bank abgesichert werden müssen, je risikoreicher sie sind. Für einen Kredit an einen besonders zahlungskräftigen Kunden muss eine Bank nämlich beispielsweise deutlich weniger eigene Mittel bereithalten als für ein unsicheres Investment. Diese Regeln werden schrittweise eingeführt. Ab 2013 soll das harte Kernkapital bereits 3,5 Prozent der risikogewichteten Aktiva ausmachen.

Eine bittere Pille besonders für deutsche Banken sind Änderungen bei der hierzulande besonders verbreiteten "stillen Einlagen". Mit ihnen kann sich ein Kapitalgeber an einer Bank beteiigen, ohne offiziell als Gesellschafter in Erscheinung zu treten. Ab 2013 zählen solche Kapitaleinlagen eines stillen Gesellschafters für Aktiengesellschaften grundsätzlich nicht mehr als hartes Kernkapital, für alle anderen Rechtsformen, etwa bei Sparkassen und Volksbanken, hingegen schon. Dafür müssen die Einlagen dieser Institue jedoch bestimmte Kriterien erfüllen. Staatshilfen in Form stiller Einlagen, wie sie etwa der Commerzbank gewährt wurden, gelten als Übergangsregelung bis 2018.

Mindestkapitalquoten

Nach dem bisherigen Regelwerk "Basel II" liegt die Mindest-Kapitalausstattung der Banken bei vier Prozent Kernkapital und zwei Prozent hartem Kernkapital im Verhältnis zu den risikogewichteten Aktiva. Bis 2015 steigen die Quoten in zwei Schritten auf sechs beziehungsweise auf 4,5 Prozent. 2013 muss die Kernkapitalquote bei 4,5 Prozent liegen. Banken, deren Pleite das ganze System ins Wanken bringen würde, sollen höhere Kapitalanforderungen erfüllen. Welche Banken davon betroffen sind und welche Auflagen ihnen gemacht werden, soll im kommenden Jahr festgelegt werden. Voraussichtlich werden die Auflagen aber zunächst in die Hände der nationalen Aufseher gelegt.

Puffer

Ein "Kapitalerhaltungspuffer" soll verhindern, dass Kapital in Krisen zu schnell aufgezehrt wird. Wird er unterschritten, muss die Bank ihre Dividenden beschränken. Der Puffer erhöht damit praktisch die Mindest-Kernkapitalquote. Er besteht aus 2,5 Prozent hartem Kernkapital. Dazu kann ein weiterer "antizyklischer Puffer" von bis zu 2,5 Prozent kommen, der den Absturz nach einem exzessiven Kreditwachstum abfedern soll. Seine praktische Umsetzung gilt als schwierig.

Übergangsfristen

Sie sind wichtig, damit sich die Banken auf das neue Regelwerk einstellen und nicht sofort Unmengen an frischem Kapital besorgen müssen. Könnten sie das nicht, bliebe ihnen nur eine radikale Einschränkung der Kreditvergabe - was die Konjunktur abwürgen würde. Beteiligungen Dritter an den Töchtern einer Bank, Steuergutschriften und andere Instrumente werden ab 2018 vom harten Kernkapital abgezogen. Auch hier ist ein schrittweises Auslaufen geplant.

Liquiditätspuffer

Die Liquidity Coverage Ratio (LCR) und Net Stable Funding Ratio (NSFR) sollen verhindern, dass Banken langfristige Kredite zu kurzfristig refinanzieren und ihnen in der Krise abrupt das Geld ausgeht. Die LCR soll 2015 eingeführt werden, die NSFR 2018. Deutsche Banken müssen sich dafür nach eigenen Schätzungen hunderte Milliarden Euro an zusätzlicher Liquidität beschaffen. Ein Teil davon darf auch aus erstrangigen Firmenanleihen und Pfandbriefen bestehen, eigentlich sollten nur Staatsanleihen und Zentralbankguthaben anerkannt werden.

Leverage Ratio

Diese Kennzahl zeigt, wie stark die Bank im Vergleich zu ihrem Eigenkapital verschuldet ist. Sie soll als zusätzliche Schranke ein exzessives Kreditwachstum verhindern. Der Baseler Ausschuss hat sie auf das 33-fache des Kernkapitals festgelegt. Sie soll 2018 verbindlich eingeführt werden. Kritiker wenden ein, dass sie das Risiko der Kredite und Papiere völlig außer Acht lässt. Die Leverage Ratio ist auch stark vom verwendeten Rechnungslegungssystem abhängig.

Quelle: n-tv.de, nne/rts

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