Wirtschaft

Stumpfe Regeln gegen Zocker Banker sieht Chancen

In der Debatte um den künftigen Regulierungsrahmen der Finanzbranche meldet sich ein hochrangiger Insider mit ungewöhnlichen Ansichten zu Wort: Regeln alleine reichen nicht, meint Morgan-Stanley-Chefaufseher Lutz Raettig. Abgesehen davon schätzt er die Trägheit der Kunden stärker ein als ihren Ärger.

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Hauptquartier in New York: Die Deutschland-Tochter firmiert offiziell als Morgan Stanley AG.

(Foto: REUTERS)

Schärfere Regeln allein werden die internationale Finanzwelt nach Einschätzung des Bankers Lutz Raettig nicht wieder in Ordnung bringen. "Zockerei kann man durch Regulierung nicht vollständig verhindern", sagte der Aufsichtsratsvorsitzende der US-Bank Morgan Stanley in Deutschland. Seit Monaten ringen Politiker, Aufsichtsbehörden und Manager darum, welche Lehren aus der jüngsten Finanzkrise zu ziehen sind.

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Erfahrung und Einfluss: Lutz Raettig (Archivbild).

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

"Banken müssen auch bereit sein, Kunden und Geschäft zu verlieren, wenn es zu riskant wird", mahnte Raettig. "Banken müssen sich künftig häufiger die Frage nach möglichen Reputationsschäden stellen." Die Krise war befeuert worden durch Produkte, die so kompliziert waren, dass selbst mancher Banker später einräumte, sie nicht durchschaut zu haben. "Banken sollten Sacharbeit machen, einfache Produkte kommunizieren, statt sich nur zu rechtfertigen", sagte Raettig.

Dass zuletzt Staaten wie die USA und Großbritannien mit Vorschlägen zur Regulierung der Finanzinstitute vorpreschten, sieht Raettig nicht als Problem. "Letztlich ist die Erkenntnis groß, dass wir mit gemeinsamen Aktionen weitaus weiter kommen." Raettig dämpfte jedoch zugleich die Erwartungen: "Ziel von Regulierung muss sein, die Risiken der Anlagen auf genereller Ebene zu steuern, in jedes Produkt reingehen kann man nicht, das ist unmöglich."

Noch brauche die Branche zudem die Hilfe der Notenbanken. Zentralbanken weltweit versorgen die Geschäftsbanken seit Monaten mit billigem Geld, um damit auch den Kreditfluss für Unternehmen und Verbraucher in Gang zu halten. "Der Interbankenmarkt ist wieder stabiler geworden, er funktioniert aber noch nicht ganz ohne die Stütze der Zentralbanken", befand Raettig.

Insgesamt sieht Raettig für seine Branche eine zweite Chance: "Emotional ist sicher einiges an Vertrauen kaputtgegangen. Allerdings bleiben viele Kunden bei der Bank, über die sie sich ärgern. Die Banken haben also zumindest eine Chance, es besser zu machen."

Quelle: n-tv.de, mmo/dpa

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