Wirtschaft
Mittwoch, 02. Juni 2010

Computerpanne bei Deutscher Bank: Beinahe-Crash in Japan

Beim Stichtwort "Wall-Street-Minuten-Crash" sträuben sich bei vielen Anlegern auch rund einen Monat danach noch immer die Nackenhaare: Innerhalb weniger Minuten verliert der Dow damals fast 1000 Punkte. Ein Fehler im System, heißt es danach. In Japan passiert er erneut. Und die Deutsche Bank ist schuld.

Anleger brauchen Gelassenheit, wenn die Computer an den Börsen nicht mitspielen.
Anleger brauchen Gelassenheit, wenn die Computer an den Börsen nicht mitspielen.(Foto: picture-alliance/ dpa)

Und Geschichte wiederholt sich doch: Wie Anfang Mai hat erneut eine Computerpanne für Aufregung an den weltweiten Finanzmärkten gesorgt. Dieses Mal lag der Auslöser im Handel der Deutschen Bank und traf vor allem den japanischen Aktienmarkt.

Das Institut platzierte an der Börse in Osaka am Dienstag fälschlicherweise Verkaufsaufträge für Derivate auf den Leitindex Nikkei von umgerechnet 150 Mrd. Euro (16,7 Billionen Yen), wie mehrere mit der Angelegenheit vertraute Personen sagten. Die Preise für die Futures gaben daraufhin wie auch der gesamte Nikkei leicht nach. "Wir nehmen diesen Vorfall extrem ernst und tun alles, um sicherzustellen, dass sich so etwas nicht wiederholt", teilte das größte deutsche Geldhaus mit, ohne Angaben zur Größenordnung der Orders zu machen.

"Fehler im internen System"   

In ihrer Erklärung führte die Bank die von Experten als peinlich kritisierte Panne auf einen Fehler im internen Handelssystem des Instituts zurück. Die zuständige Marktaufsicht in Osaka nimmt den Vorfall unter die Lupe und prüft auch, ob es bei der Börse selbst fehlerhafte Prozesse geben könnte, wie ein Sprecher sagte.

Finanzkreisen zufolge wurden mehr als 99 Prozent der fehlerhaften Orders noch gestoppt, so dass nur ein Bruchteil der Aufträge auch tatsächlich ausgeführt wurde. "Dies hat die Auswirkungen des Fehlers massiv begrenzt", sagte ein Insider. Betroffen sei der Eigenhandel, den das Geldhaus seit Monaten deutlich zurückfährt.

"Wall-Street-Minuten-Crash"   

Vor einem Monat hatte vermutlich ebenfalls ein Systemfehler eines oder mehrerer Marktteilnehmer an den US-Börsen zu einem abrupten Kurssturz geführt. Der Leitindex Dow Jones verlor innerhalb von zehn Minuten sechs Prozent - der genaue Grund ist weiter unklar. Kurz danach machten Gerüchte die Runde, ein Händler habe versehentlich den Verkaufsknopf gedrückt. Doch Anhaltspunkte für einen solchen als "Fat Finger" gebrandmarkten Fehler gibt es nicht.

Beispiele hierfür gibt es aber zahlreiche: So hatte die Schweizer UBS 2001 versehentlich 610.000 Aktien einer japanischen Firma für 16 Yen das Stück verkauft - geplant war eigentlich die Veräußerung von 16 Aktien für 610.000 Yen pro Stück.

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Quelle: n-tv.de