Wirtschaft

Geburt eines Verlagsgiganten Bertelsmann einigt sich mit Pearson

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Penguin-Chef John Makinson bekommt den Vorsitz im neuen Verwaltungsrat.

(Foto: REUTERS)

Unter ihren Händen entsteht der weltgrößte Publikumsverlag: Bertelsmann und Pearson schmieden mit "Penguin Random House" ein sorgsam ausbalancierte Gemeinschaftsprojekt. Mit der Verlagsfusion wollen die beiden Branchenschwergewichte im Wettbewerb mit schnell wachsenden E-Book-Riesen bestehen.

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"Gemeinsam können und werden wir in einem deutlich signifikanterem Umfang investieren": Thomas Rabe.

(Foto: REUTERS)

Die Formalitäten sind abgeschlossen: Das deutsche Medienunternehmen Bertelsmann und der britische Verlagskonzern Pearson haben die Gründung des weltgrößten Buchverlags abgeschlossen. Nachdem die Kartellbehörden den Weg für das neue Unternehmen namens "Penguin Random House" frei gemacht haben, setzten nun Vertreter der beiden Medienriesen nun ihre Unterschrift unter die abschließenden Verträge.

Mit Penguin Random House wollen Bertelsmann und Pearson künftig gemeinsam in schnellwachsende Märkte wie China, Indien oder Brasilien investieren. Daneben wollen die beiden Konzerne zusammen auch neue Geschäftsfelder erschließen.

Der Schulterschluss bringt den beiden Schwergewichten der internationalen Verlagsbranche zudem mehr Schlagkraft gegenüber Konkurrenten wie Amazon, Apple und Google, die den traditionellen Buchhändlern mit Online-Angeboten mehr und mehr Marktanteile abzunehmen drohen. "Gemeinsam können und werden wir in einem deutlich signifikanterem Umfang investieren", kündigte Bertelsmann-Chef Thomas Rabe an.

Bertelsmann hält künftig 53 Prozent an Penguin Random House, das mit mehr als 10.000 Mitarbeitern zuletzt auf einen Jahresumsatz von rund 3 Mrd. Euro kam. Dem britischen Rivalen Pearson gehören 47 Prozent an dem neuen Verlagsriesen.

Die Machtverhältnisse in dem neuen Haus sind genau austariert: Geführt wird das Gemeinschaftsprojekt von Bertelsmann-Manager Markus Dohle, der seit 2008 an der Spitze der Bertelsmann-Tochter Random House steht. John Makinson, bislang Chef von Penguin, steht dafür dem Verwaltungsrat vor. In dieses Gremium entsendet Bertelsmann allerdings fünf Mitglieder, Pearson kontrolliert vier Sitze.

Arbeitsplatz in Manhattan

Die Zentrale von Penguin Random House bleibt in New York City. Hier werden die Aktivitäten von Random House und des Pearson-Verlags Penguin in den USA, Kanada, Großbritannien, Australien, Neuseeland, Indien und Südafrika gebündelt, dazu kommen die Penguin-Ableger in China und die Random-House-Verlage in Spanien und Lateinamerika.

Da der neue Buchkonzern einen großen Teil seiner Geschäfte mit englischen und spanischen Publikationen macht, bleibt die deutschsprachige Verlagsgruppe Random House mit Sitz in München von den Veränderungen unberührt. Random House Deutschland verbleibt wie bisher bei Bertelsmann. Im Heimatmarkt Deutschland läuft der heimische Buchmarkt im Vergleich zu anderen Ländern derzeit noch recht stabil - dank fester Buchpreise liegt der Gesamtumsatz der Branche seit Jahren bei etwa 10 Mrd. Euro.

Anders sieht es in Großbritannien oder den USA aus. Online-Versandhäuser wie Amazon luchsen den dortigen Buchhändlern seit Jahren immer mehr Kunden ab. Der Siegeszug der E-Books beschleunigt den Abwärtstrend der Branche zusätzlich. Dieser Herausforderung wollen Pearson und Bertelsmann nun gemeinsam begegnen: Die Unternehmen erhoffen sich von dem Zusammenschluss, gemeinsam besser auf die schnell wachsende Konkurrenz reagieren und stärker in neue Geschäftsmodelle investieren zu können.

"Durch die Bündelung von Ressourcen, die gemeinsame Expansion und eine größere Reichweite stärken wir eines unserer Kerngeschäfte", erläuterte Rabe. Der Ausbau des digitalen Geschäfts und die Expansion in wachstumsstarke Märkte sind zwei der Kernziele von Bertelsmann, zu dem neben Random House auch Europas größte Fernsehgruppe RTL mit den TV-Sendern RTL, RTL II und n-tv sowie der Zeitschriftenverlage Gruner + Jahr und der Mediendienstleister Arvato zählen.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa/rts