Wirtschaft

Billige Milliarden von der EZB VW schöpft aus dem Vollen

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Wozu eine Banklizenz im Konzern nicht alles gut sein kann, mag sich VW-Chef Martin Winterkorn denken.

(Foto: dpa)

Die Finanzierungssparte von Volkswagen öffnet dem Autoriesen die Tür zu billigem Geld der Europäischen Zentralbank. Zwei Milliarden der Währungshüter landen dadurch nicht bei klassischen europäischen Banken, sondern auf dem Konto des Autofinanzierers. Zur Gewohnheit soll das jedoch nicht werden.

Europas größter Autokonzern Volkswagen hat sich zu Billigzinsen zwei Milliarden Euro bei der Europäischen Zentralbank (EZB) besorgt. Die Finanzierungs- und Leasingsparte Volkswagen Financial Services räumte als erste deutsche Großbank offen ein, dass sie sich an dem jüngsten Dreijahres-Tender der EZB Ende Februar beteiligt und dafür ABS-Verbriefungen als Sicherheiten hinterlegt habe. "Das wird nicht zum regelmäßigen Bestandteil unserer Refinanzierungsstrategie", betonte Finanzchef Frank Fiedler.

Er setzt vielmehr auf Kundeneinlagen, mit denen Volkswagen Financial Services das wachsende Geschäft refinanziert - auch auf Kosten sinkender Margen. "Wenn das ein paar Punkte kostet, dann kostet das ein paar Punkte" sagte Fiedler. Das sei die Lehre aus der Finanzkrise. 2011 legten die 1,1 Millionen Online-Kunden der Volkswagen Bank 23,8 Milliarden Euro an, 18 Prozent mehr als ein Jahr zuvor. Die Refinanzierung könne zum Vorteil im Kampf um die Leasing- und Kredit-Kunden werden, sagte der Chef der Finanzsparte, Frank Witter. Die Autohersteller nutzen ihre Banken und Leasing-Töchter, um den Absatz etwa mit günstigen Konditionen anzukurbeln.   

Love me, Tender

Die EZB hatte vor zwei Wochen zum zweiten Mal innerhalb von zwei Monaten rund 500 Milliarden Euro auf drei Jahre zum Zinssatz von einem Prozent vergeben, um die Refinanzierung der Banken zu verbessern. Sie liehen sich zuletzt in der Euro-Krise gegenseitig kaum mehr Geld. Insgesamt haben 460 deutsche Banken dabei 42 Milliarden Euro abgegriffen, kein renommiertes Institut hat sich dazu aber bekannt. Die Deutsche Bank und die Commerzbank haben über ihre Auslandstöchter in Südeuropa Finanzkreisen zufolge jeweils einstellige Milliardensummen besorgt.   

Witter macht sich in diesen und im nächsten Jahr Sorgen um den Automarkt in Europa und rechnet daher nach dem Rekordjahr 2011 nur noch mit einem stagnierenden Gewinn. "Wenn wir absehbar Schwierigkeiten erwarten, dann in Europa", sagte er. "Das ist nichts Dramatisches, aber wir sind vorsichtiger geworden." Im vergangenen Jahr stieg der Überschuss um 5,6 Prozent auf 623 Millionen Euro, 512 Millionen davon gehen an den Mutterkonzern. Die Zahl der neuen Kredite steigerte die VW-Finanztochter, zu der nicht das Finanzdienstleistungs-Geschäft in Kanada und den USA gehört, um 4,6 Prozent auf 1,13 Millionen. Die Zahl der neuen Leasingverträge lag mit 539.000 um ein Viertel über Vorjahr. "Wir sind schneller gewachsen als wir uns vorgenommen hatten", sagte Witter. Die Risiken habe man aber im Griff.

Quelle: ntv.de, nne/rts

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