Wirtschaft

Sparzwang verschlingt Truppentransporter Boeing spart "Globemaster III" ein

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Lastentier der militärischen Luftfracht: Die kraftstrotzende C-17 kann Container, Lkw oder Kampfpanzer aufnehmen oder mehr als 100 Fallschirmjäger auf einmal absetzen.

(Foto: Reuters)

Die Engpässe im US-Haushalt zwingen die Rüstungsindustrie zu einschneidenden Maßnahmen: Der Flugzeughersteller Boeing kündigt das Aus des riesigen Truppentransporters C-17 an. Knapp 3000 Stellen fallen weg. Das Pentagon braucht über kurz oder lang eine neue Transportlösung.

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"Unsere Kunden auf der ganzen Welt müssen mit schwierigen Haushaltssituationen klarkommen."

(Foto: REUTERS)

Die Entscheidung ist gefallen: In den kommenden zwei Jahren läuft die Produktion eines der größten Militärtransporter der USA aus. Nach mehr als zwei Jahrzehnten stellt der US-Hersteller Boeing den Bau der vierstrahligen Großraumfrachtmaschinen vom Typ C-17 "Globemaster III" endgültig ein.

Boeing begründet den Schritt mit einer mangelnden Nachfrage. Den annähernd 3000 Mitarbeitern, die bislang in den USA mit dem Bau beschäftigt waren, droht damit die Entlassung. Der Abbau der Belegschaft beginne Anfang kommenden Jahres und ziehe sich bis zum endgültigen Auslaufen der Fertigung im Jahr 2015 hin, erklärte Boeing. Betroffen ist vor allem der Boeing-Standort im kalifornischen Long Beach, wo die Endmontage des Fliegers beheimatet ist.

"Unsere Kunden auf der ganzen Welt müssen mit schwierigen Haushaltssituationen klarkommen", erklärte Dennis Muilenburg, der Chef von Boeings Rüstungs- und Weltraumsparte. "Es war eine sehr schwierige, aber notwendige Entscheidung." In Muilenbergs Geschäftsbereich beschäftigt Boeing bislang insgesamt rund 59.000 Mitarbeiter. Das Zwangssparen in Washington durch die gesetzlich verankerte Schuldenobergrenze habe zu einer zusätzlichen Unsicherheit geführt.

Weltgrößte Militärmacht muss sparen

Die "Globemaster III" gelten als zuverlässige und leistungsstarke Maschinen mit vergleichsweise großer Reichweite. Über eine großformatige Heckklappe kann der vierstrahlige Hochdecker eine Zuladung von rund 77 Tonnen aufnehmen und mehr als 4000 Kilometer weit ins Zielgebiet transportieren. Dank seiner robusten Bauweise und der großzügig bemessenen Triebwerksleistung kann der fliegende Lastenträger auch auf kurzen, schlecht ausgebauten oder provisorisch instandgesetzten Pisten starten und landen.

Mit 223 Maschinen hat die US-Luftwaffe die meisten der insgesamt 257 bis dato ausgelieferten C-17 abgenommen. Weitere Kunden für den vierstrahligen Transporter waren Australien, Kanada, Großbritannien, Indien, Katar und die Vereinigten Arabischen Emirate. Bis zum Ende der Produktion sollen noch 22 Maschinen gefertigt werden.

Strategische "Airlift"-Fähigkeiten

Für die Militärplaner im Pentagon dürfte die Entscheidung mittelfristig unangenehme Folgen haben: Beim Transport von schwerem Kriegsgerät wie etwa dem Schützenpanzer M2 "Bradley" oder dem Hauptkampfpanzer M1A1 "Abrams" konnten die Logistiker bislang auch auf die "Globemaster" zurückgreifen. Boeing will die Ersatzteillieferung zwar auch nach dem Produktionsstopp aufrecht erhalten. Doch sollte die C-17 künftig aus dem militärischen Betrieb ausgemustert werden, müssten Verteidigungsexperten bei weltumspannenden Kriegseinsätzen oder Kriseninterventionen umplanen.

Panzertransporte zum Beispiel müssten entweder auf die weitaus schwerfälligere, ältere und weniger flexibel einsetzbare C-5 "Galaxy" von Lockheed ausweichen oder den deutlich umständlicheren und zeitaufwändigeren Transport auf dem Seeweg und über die Straße wählen. Der Sparzwang im Washingtoner Staatshaushalt, so fürchten US-Militärs, könnte damit indirekt die Einsatzfähigkeiten der US-Streitkräfte beschneiden. Kurzfristig könnte es womöglich sogar notwendig werden, sich Ersatzkapazitäten bei Nato-Partnern auszuleihen. In Europa bereiten Frankreich und Deutschland derzeit die Truppeneinführung des Militärtransporters A400M "Grizzly" vor.

Quelle: ntv.de, mmo/dpa

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