Wirtschaft
Montag, 18. Januar 2010

Solarbranche paradox: Boom: kurz, aber heftig

Der deutschen Solarindustrie drohen harte Einschnitte bei der Förderung durch den Staat. Doch vorher deutet sich noch ein Nachfrageschub an.

Solaranlagen: Kommt vor den Einschnitten bei der Förderung durch den Staat noch einmal ein Boom?
Solaranlagen: Kommt vor den Einschnitten bei der Förderung durch den Staat noch einmal ein Boom?(Foto: picture-alliance/ dpa)

Wegen der geplanten Einschnitte in der Solarstromförderung kommt auf die Branche ein kurzfristiger Nachfrageschub zu, der schwierig zu bewältigen sein dürfte. Viele Hausbesitzer und Investoren werden nun wohl aufs Tempo drücken, um sich noch die aktuellen Fördersätze zu sichern. "Wenn das Wetter mitspielt, wird die Solarbranche im ersten Quartal einen Boom erleben", sagen die Analysten der DZ Bank voraus. "Je höher die Reduzierung desto stärker werden die Menschen ihre Investitionsentscheidung vorziehen", erklärte Experte John Hardy von Broadpoint AmTech in Los Angeles.

Doch der schneereiche Winter und Lieferengpässe könnten Investoren wie Solarunternehmen einen Strich durch die Rechnung machen. Nach Angaben des Bundesverbandes Solarwirtschaft (BSW) konnten einige Firmen bereits im Schlussquartal des vergangenen Jahres mit der sprunghaft gestiegenen Nachfrage kaum Schritt halten. Vor allem die Hersteller von sogenannten Wechselrichtern wie auch die von Solarmodulen berichteten von leeren Lagern. Wechselrichter sind die Herzstücke von Solaranlagen. Sie wandeln den erzeugten Gleichstrom in Wechselstrom um.

Politik sorgt für Rückschlag   

Wegen des unerwartet starken Aufschwungs in der Branche will die Bundesregierung die Förderung von Solarstrom zurückfahren. Wie Reuters vergangene Woche aus Regierungs- und Branchenkreisen erfahren hatte, sollen die garantierten Abnahmepreise für Solarstromanlagen ab April zusätzlich um 16 bis 17 Prozent sinken. Bei reinen Ackerflächen soll die Kürzung noch stärker ausfallen. Für den erfolgsverwöhnten Industriezweig bedeutet das auf mittlere Sicht einen herben Rückschlag. Der deutsche Branchenverband BSW befürchtet eine Pleitewelle und den Verlust von bis zu 50.000 Arbeitsplätzen.

Analysten erwarten für Deutschland - weltweit wichtigster Absatzmarkt für den Solarsektor - einen Geschäftseinbruch im laufenden Jahr. Dieser dürfte sich aber erst ab dem zweiten Quartal bemerkbar machen.

Firmen unter Zeidruck

Davor zeichnet sich ein Wettlauf der Investoren ab. Um in den Genuss der aktuellen Förderung zu gelangen, müssen diese bis Ende März über eine betriebsbereite Solaranlage verfügen und einen Antrag bei ihrem Netzbetreiber gestellt haben.

Diesen Zeitdruck dürften viele Firmen zu spüren bekommen. Die zu den weltweit führenden Solarzellenherstellern zählende Q-Cells berichtete am Montag von positiven Marktsignalen. Die Münchener Centrosolar, deren Kerngeschäft Photovoltaikanlagen für Privathaushalte ist arbeitet nach eigener Auskunft am Rande ihrer Kapazitäten. Auch die zusätzlich hochgefahrene Produktion sei voll ausgelastet, erklärte ein Sprecher. Ähnliches berichteten Solon, Solarworld und der Wechselrichter-Produzent SMA. Nicht immer zeugen die Kundenwünsche von Realismus. Bei einem ostdeutschen Großhändler für Solartechnologie hieß es: "Wir dachten, der Januar wird wieder ruhiger wie jedes Jahr. Aber die Leute wollen die Anlagen sofort aufs Dach bauen, obwohl noch ein halber Meter Schnee draufliegt, was natürlich überhaupt nicht geht."

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Quelle: n-tv.de

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