Wirtschaft

Renditen höher als in Europa Bonds-Investoren jagen in Afrika

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Das Maul weit aufgerissen: Die Renditen afrikanischer Euro-Bonds liegen auf dem Niveau von Eurozonen-Staaten.

(Foto: picture-alliance / dpa/dpaweb)

Im Zuge der Finanz- und Schuldenkrise leidet die Bonität zahlreicher europäischer Staaten. Dagegen verbessert sich die Kreditwürdigkeit der afrikanischen Länder: Botsuana steht etwa besser da als Italien oder Spanien. Immer mehr Investoren setzen auf afrikanische Euro-Bonds. Die bergen aber auch Risiken.

Auf der verzweifelten Suche nach Rendite setzen immer mehr Investoren auf Afrika. Anleihen der schnell wachsenden Volkswirtschaften auf dem ärmsten Kontinent der Erde sind heiß begehrt. Länder wie Nigeria, Gabun oder Ruanda haben sich zuletzt aussuchen können, von wem sie sich Geld leihen.

Das Interesse der Investoren kommt für die afrikanischen Staaten zum richtigen Zeitpunkt. Denn die Regierungen der Industrieländer überweisen wegen der Finanzkrise immer weniger. Das Kapital der westlichen Finanz-Profis wird deshalb dringend gebraucht. Um ihren Investorenpool zu vergrößern, beginnen die afrikanischen Staaten nun, verstärkt Euro-Bonds aufzulegen.

Ghana und Gabun als Vorreiter

Die ersten afrikanischen Euro-Bonds, die nicht aus dem wirtschaftlich robusten Südafrika kamen, legten 2007 Ghana und Gabun auf. "Eine zweite Welle begann 2011 und sie scheint noch an Kraft zu gewinnen", sagt Christian Esters von der Ratingagentur Standard & Poor's (S&P). "Ein Grund dafür ist, dass die Zinsen für die afrikanischen Länder sehr vorteilhaft sind." Internationale Geldgeber verlangten von den afrikanischen Staaten inzwischen geringere Risikoaufschläge als heimische, so Esters. Anleihen in Lokalwährungen seien teurer, unter anderem weil die heimischen Märkte kaum entwickelt sind.

"Vielleicht setzen die Länder auch auf eine Abwertung des Euro und spekulieren darauf, dass sie dann weniger zurückzahlen müssen", sagt Analyst Stefan Schilbe von HSBC Trinkaus.

Kreditwürdigkeit wird immer besser

Von der Kreditwürdigkeit her müssen sich etliche afrikanische Staaten inzwischen nicht mehr vor europäischen Industrieländern verstecken, deren Bonität im Zuge der Schuldenkrise oft gesunken ist. So bewertet S&P das südafrikanische Botsuana besser als Italien oder Spanien. Angola steht in etwa so gut da wie seine ehemalige Kolonialmacht Portugal. Burkina Faso, Kamerun und Ruanda haben ein höheres Rating als Griechenland.

Das starke Wirtschaftswachstum in vielen Ländern, der Rohstoffreichtum und die Scharen an jungen Arbeitskräften locken westliche Investoren. Auch politisch schätzen sie den Kontinent inzwischen wesentlich stabiler ein als noch vor zehn oder zwanzig Jahren. Die Nagelprobe für die Geldgeber steht allerdings noch bevor, denn von den langlaufenden afrikanischen Euro-Bonds musste bislang noch keiner zurückgezahlt werden. Doch Investoren scheinen sich ihrer Sache sicher und greifen mit vollen Händen zu.

Run auf Afrika-Bonds

Als Ruanda vor kurzem einen zehnjährigen Euro-Bond über umgerechnet 400 Millionen Dollar ausgab, übertraf die Nachfrage das Angebot um das Neunfache. Die Bonds gingen mit einer Rendite von weniger als sieben Prozent über den Tisch - soviel musste das Industrie- und Euroland Italien den Investoren Anfang des Jahres für seine Anleihen auch zahlen. Ruanda hat sich nach dem Völkermord 1994 zu einem der stabilsten Länder des Kontinents entwickelt.

Sambia liefert ein weiteres Beispiel für eine erfolgreiche Staatsfinanzierung mit Geldern internationaler Profi-Investoren: Deren bis 2022 laufender Euro-Bond rentiert derzeit mit 6,4 Prozent, so viel kosten auch zehnjährige portugiesische Papiere. Andere Länder stehen nun in den Startlöchern: Ghana hat erst vor einigen Wochen die Großbanken Barclays und Citigroup beauftragt, die Ausgabe eines Euro-Bonds in die Wege zu leiten. Tansania, Kenia und Angola wollen ebenfalls noch in diesem Jahr an den Markt.

Erste Experten warnen vor einer Überhitzung des Bondmarktes in einigen afrikanischen Ländern. Der Ansturm der Investoren erinnere an eine Gruppe Erwachsener, die im Planschbecken sitzt, sagt L. Bryan Carter, der den Acadian Emerging Markets Debt Fund verwaltet: "Da ist nicht genug Platz." Carter nennt Gabun als Beispiel. Das Land an der Westküste des Kontinents muss den Investoren für eine Dollar-Anleihe mit Laufzeit bis 2017 nur noch 3,3 Prozent Zinsen zahlen und damit nur noch halb so viel wie vor anderthalb Jahren. "Die Risikoaufschläge sind auf ein lächerliches Niveau gefallen", so Carter. So ist die Ölproduktion in Gabun, der Haupttreiber der dortigen Wirtschaft, seit 1997 um ein Drittel gesunken. Beunruhigend für Investoren dürfte zudem sein, dass der Staat seit 2008 mindestens zweimal die Kuponzahlung für eine Anleihe im Volumen von einer Milliarde Dollar zu spät gezahlt hat.

"Die Abhängigkeit von Rohstoff-Exporten setzt die Staaten dem Risiko stark fallender Rohstoff-Preise aus", sagt S&P-Experte Esters. In diesem Fall könnte es für die Länder schwer werden, ihre Verbindlichkeiten zu bedienen. Für die Staaten sei es deshalb enorm wichtig, sich finanzielle Polster aufzubauen. Investoren sollten darauf achten, dass die von ihnen gewählten Länder ein solides Finanzmanagement betreiben, sagte Esters.

 

Land              S&P-Rating           

Angola            BB- (stabil)

Botsuana          A-  (stabil)

Burkina Faso      B   (stabil)

Gabun             BB- (negativ)        

Ghana             B   (stabil)   

Kenia             B+  (stabil)   

Nigeria           BB- (stabil)

Ruanda            B   (stabil) 

Sambia            B+  (stabil)              

Südafrika         BBB (stabil) 

Deutschland       AAA (stabil)

Frankreich        AA+ (negativ)

Griechenland      B-  (stabil)

Italien           BBB+(negativ)

Portugal          BB  (stabil)

Spanien           BBB-(negativ)

(Langfristrating - Ausblick für das Rating in Klammern; Angaben per 15. Mai 2013)

Quelle: n-tv.de, Tom Körkemeier, rts

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