Wirtschaft
Momentaufnahme aus der vergangenen Woche: Vor allem an der Autobahn kostet Benzin zum Teil deutlich mehr als 1,50 Euro je Liter.
Momentaufnahme aus der vergangenen Woche: Vor allem an der Autobahn kostet Benzin zum Teil deutlich mehr als 1,50 Euro je Liter.
Montag, 17. Januar 2011

Hohe Spritpreise verärgern: Brüderle-Appell an Discounter

In der Diskussion um steigende Benzinpreise nimmt Rainer Brüderle eine drohende Haltung gegenüber Tankstellen und Mineralölkonzernen ein. Der Bundeswirtschaftsminister will nun, dass die Discounter in den Spritmarkt einsteigen. Die hohen Benzinpreise in Deutschland rufen auch das Bundeskartellamt auf den Plan.

Was an den Tankstellen versickert, fehlt dem Verbraucher beim übrigen Konsum: Rainer Brüderle würde die Benzinpreise wohl am liebsten drücken (Archivbild).
Was an den Tankstellen versickert, fehlt dem Verbraucher beim übrigen Konsum: Rainer Brüderle würde die Benzinpreise wohl am liebsten drücken (Archivbild).

Angesichts steigender Spritpreise hat Bundeswirtschaftsminister Rainer Brüderle Discounter wie Aldi und Lidl ermuntert, den großen Ölkonzernen Konkurrenz zu machen. "Preise bilden sich am besten immer noch durch Wettbewerb. Wenn das Angebot steigt, sinkt der Preis", sagte der FDP-Politiker der "Bild"-Zeitung. Er würde sich deshalb über jeden zusätzlichen Wettbewerber freuen und könne Unternehmen "nur ermutigen, in den Benzinmarkt einzusteigen".

Brüderle bezog sich dem Bericht zufolge damit auf das Beispiel Österreichs, wo Autofahrer bei der Aldi-Süd-Tochter Hofer zeitweise deutlich billiger tanken können. Während einer Sonderaktion an Weihnachten zum Beispiel zahlten Autofahrer an Hofer-Tankstellen in Osttirol für Diesel und Benzin 99 Cent pro Liter.

Die hohen Benzinpreise haben auch das Bundeskartellamt auf den Plan gerufen. Die Behörde prüfe, ob in den Modellregionen Hamburg, Köln, Leipzig und München Autofahrern gezielt zu hohe Preise abverlangt worden seien, berichtete die "Bild am Sonntag". Es werde untersucht, ob Preise absichtlich an einem Tag mehrfach angehoben und anschließend wieder gesenkt wurden.

Die groß angelegte Überprüfung in der Branche läuft seit mehreren Jahren. Angesichts der seit Jahresbeginn noch einmal deutlich gestiegenen Preise findet der Verdacht auf etwaige Preisabsprachen besondere Aufmerksamkeit. Die Ergebnisse sollen Ende Januar veröffentlicht werden. Schon jetzt nutzte Brüderle die Gelegenheit, mögliche Folgen für die Preisgestaltung am Markt anzudeuten. "Dann müssen wir auf Grundlage der Erkenntnisse auch darüber sprechen, welche Konsequenzen sich daraus ergeben", sagte er dem Blatt.

Benzinfraß im Geldbeutel

Autofahrer müssen derzeit an den Zapfsäulen in Deutschland so tief in die Tasche greifen wie seit dem Sommer 2008 nicht mehr. Damals waren die Rohölpreise am Weltmarkt kurzzeitig bis auf eine Spitze von 147 Dollar je Barrel (159 Liter) gestiegen. Im bundesweiten Durchschnitt kostet der Liter Superbenzin nach ADAC-Angaben in der vergangenen Woche 1,495 Euro und damit 2,6 Cent mehr als in der Vorwoche. Vielerorts wurde inzwischen die 1,50-Euro-Marke deutlich überschritten. Diesel kostete pro Liter 1,333 Euro im Durchschnitt und damit 1,5 Cent mehr als in der Vorwoche.

Hintergrund sind nach Angaben aus der Branche vor allem die gestiegenen Ölpreise. Einen Einfluss auf die aktuelle Preisgestaltung könnte aber auch die geplante Einführung des Biosprits E10 haben. Offizieller Start dafür war der 1. Januar, allerdings brauchen die Mineralölkonzerne nach eigenen Angaben noch Monate, um alle Tankstellen umzurüsten. Branchenexperten halten es für möglich, dass der Preis für das herkömmliche Superbenzin jetzt steigt, damit E10 dann günstiger angeboten werden kann.

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Quelle: n-tv.de

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