Wirtschaft

Deutsche Exporteure geben Gas China bleibt unerreicht

Es ist nur ein inoffizieller Titel, aber dennoch heißbegehrt: Exportweltmeister. Als jahrelanger Titelträger schmerzt die deutsche Wirtschaft der Verlust schwer. China ist die neue Nummer eins - und wird es laut DIHK wohl auch bleiben. Aber Deutschland kämpft.

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Bauplan des Erfolgs: China behält inoffiziellen Titel des Exportweltmeisters.

(Foto: picture-alliance / dpa)

Deutschlands Exportwirtschaft ist wieder auf Rekordjagd. Im ersten Halbjahr steigerte sie ihre Ausfuhren um fast ein Fünftel. Bereits im kommenden Jahr werde der alte Umsatzrekord aus dem Jahr 2008 wieder in greifbare Nähe rücken, sagen Experten voraus. Trotzdem dürfte der Rückstand zum neuen Exportweltmeister China wachsen. Vom deutschen Boom profitiert zunehmend auch das Ausland; dort kaufte die Wirtschaft im Juni so viel ein wie noch nie seit Bestehen der Bundesrepublik.

In der ersten Jahreshälfte steigerten die Exporteure ihren Umsatz um 18,2 Prozent auf 458,4 Milliarden Euro, teilte das Statistische Bundesamt mit. "Wachstumstreiber bleiben weiterhin die Schwellenländer", sagte der Präsident des Branchenverbandes BGA, Anton Börner. "Allen voran ist hier China zu nennen." Die Autobauer BMW und Mercedes verdoppelten im ersten Halbjahr ihren Absatz im bevölkerungsreichsten Land der Erde. Audi legte sogar um knapp zwei Drittel zu.

China wächst schneller

Dennoch sei der Einbruch von 2009 noch nicht verdaut, warnte Börner vor Euphorie. Nach Prognose des Deutschen Industrie- und Handelskammertages (DIHK) wird das aber 2011 fast vollständig gelingen. Sogar der Umsatzrekord von 2008 von 985 Milliarden Euro rücke dann "in greifbare Nähe", sagte DIHK-Außenhandelschef Axel Nitschke. Er stützt seine Prognose auf eine Umfrage unter den deutschen Außenhandelskammern in 80 Ländern.

Der DIHK erwartet in diesem Jahr ein Exportplus von elf Prozent und im nächsten Jahr von acht Prozent. Der Welthandel werde dagegen nur um jeweils rund sieben Prozent zulegen. Damit gewinne Deutschland zwar Weltmarktanteile hinzu, könne aber den Titel des Exportweltmeisters nicht von China zurückholen. Der Rückstand werde sogar größer, da China mit einem Zuwachs von 18 Prozent in diesem und 15 Prozent im nächsten Jahr davonziehen werde.

Europas Konjunkturlok

Dazu trägt auch die deutsche Wirtschaft bei: Sie wird nach DIHK-Ansicht in diesem Jahr in China Waren im Wert von rund 65 Milliarden Euro bestellen, womit sie die Volksrepublik zu ihrem Hauptlieferanten macht. Bislang waren das die Niederlande. Hauptartikel sind nicht mehr nur billige Textilien und Spielzeug, sondern zunehmend auch Elektrogeräte wie Handys, Laptops, DVD-Spieler.

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Deutsche Wirtschaft wieder mächtig unter Dampf.

(Foto: picture-alliance/ dpa)

Von der raschen Erholung der deutschen Industrie profitieren aber auch andere Länder: Die Importe erhöhten sich im Juni um 31,7 Prozent auf 72,4 Milliarden Euro - das ist der höchste Wert seit Beginn der Statistik 1950. Deutschland werde 2011 so viel importierten wie noch nie, prophezeit der DIHK. Wirtschaftsminister Rainer Brüderle sieht in dieser Entwicklung einen Beleg dafür, dass die Exporterfolge auch den Nachbarn zu Gute kommen. "Deutschland ist die Konjunkturlokomotive für ganz Europa", sagte eine Ministeriumssprecherin.

Frankreich und andere Länder hatten Deutschland immer wieder dafür kritisiert, dass es zu viel exportiere und zu wenig importiere. Die dynamische Entwicklung der Einfuhren zeige, "dass auch die Belebung der Binnenkräfte voranschreitet und der wirtschaftliche Erholungsprozess an Breite und Festigkeit gewinnt", sagte Brüderle. Davon wiederum dürften auch die europäischen Nachbarn profitieren.

Abkühlung erwartet

Angesichts der Exporterfolge rechnen Experten für das zu Ende gegangene zweite Quartal mit einem kräftigen Wirtschaftswachstum. Die Commerzbank hält ein Plus von knapp zwei Prozent für möglich. "Momentan läuft es in Deutschland", sagte ihr Experte Bernd Weidensteiner. "Wir profitieren besonders von der weltwirtschaftlichen Erholung."

Dieses hohe Tempo dürfte aber nicht gehalten werden. In China stehen die Zeichen auf Abkühlung: Nach Prognose des  staatlichen Informationszentrums wird das Bruttoinlandsprodukt im dritten Quartal nur noch um 9,2 Prozent zulegen. Im zweiten Quartal hatte es noch ein Plus von 10,3 Prozent gegeben, zu Jahresbeginn sogar von 11,9 Prozent. Auch in der weltgrößten Volkswirtschaft USA läuft es nicht mehr rund: Die Zahl der Beschäftigten sank im Juli bereits den zweiten Monat in Folge.

Quelle: ntv.de, wne/rts

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