Wirtschaft

Audi, BMW und Daimler mit Verkaufsrekorden China rettet deutsche Oberklasse

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Ein deutes Auto als Statussymbol: Chinesen fahren auf deutsche Oberklasse-Modelle ab.

(Foto: Reuters)

Absatzkrise in Europa, Boom in China: Das ist das Bild des Automarkts im ersten Halbjahr. Die deutschen Premiumhersteller warten dennoch mit Rekorden auf. Gleichzeitig sind sie zuversichtlich, dass sich dieser positive Trend - dank China - in der zweiten Hälfte fortsetzen wird. Neue Modelle sollen die nötigen Kaufanreize liefern.

Trotz der Schwierigkeiten auf dem europäischen Markt warten Deutschlands Premiumhersteller im ersten Halbjahr mit Verkaufsrekorden auf. Durch zahlreiche neue Modelle wollen Audi, BMW und Daimler diesen Trend auch in der zweiten Jahreshälfte fortsetzen. "Wir rechnen im zweiten Halbjahr auch dank neuer Modelle mit weiterem Absatzwachstum", sagte Ian Robertson, Vertriebschef des Branchenprimus BMW.

In den ersten sechs Monaten steigerte BMW die weltweiten Verkäufe dank starker Zuwächse in Asien und den USA um 6 Prozent auf gut 954.500 Autos. Die Kernmarke mit dem blau-weißen Emblem wuchs sogar um 7,7 Prozent auf rund 804.250 Verkäufe, womit die Bayern die Spitzenposition im Premiumsegment verteidigten.

Europa bleibt Problem

Erster Verfolger bleibt die Volkswagen-Tochter Audi, die zwischen Januar und Juni 780.500 Autos verkaufte - ein Zuwachs von knapp 6,5 Prozent. "Vor allem der neue A3 und die SUVs Q3 und Q5 haben uns im ersten Halbjahr auf unserem globalen Wachstumskurs deutlich vorangebracht", sagte Vertriebsvorstand Luca de Meo. "Die Vergleichsmarke aus 2012 haben wir bei den Auslieferungen klar übertroffen, obwohl heute in vielen wichtigen Märkten das Umfeld deutlich schwieriger ist".

Vor allem in Europa geht die Schuldenkrise auch an den Premiumherstellern nicht folgenlos vorüber: Audis Verkäufe gaben leicht nach, BMW stagnierte. Einzig der dritte deutsche Traditionshersteller im Bunde, Mercedes-Benz, konnte auf dem alten Kontinent mit der Kernmarke zumindest leicht zulegen.

Weltweit gesehen liegen die Schwaben mit knapp 694.500 Mercedes-Benz-Verkäufen, das waren rund 6,5 Prozent mehr als im ersten Halbjahr 2012, aber weiter hinter der Konkurrenz aus München und Ingolstadt. "Das erste Halbjahr 2013 lief sehr gut für Mercedes-Benz", sagte Vertriebsvorstand Joachim Schmidt trotzdem jüngst. "Wir haben in vielen Märkten weiter zugelegt und konnten einen neuen Rekord verbuchen."

4er Coupe bis A3 Limousine

Mit Blick auf die Verkaufszahlen ist das erste Halbjahr für die Oberklassehersteller also ein voller Erfolg gewesen. Anders als viele europäische Massenhersteller, die wegen deutlicher Absatzeinbußen und Überkapazitäten tiefrote Zahlen schreiben, leiden die Premiumanbieter weniger stark unter der vor allem in Europa großen Unsicherheit und profitieren von der soliden Nachfrage nach SUVs und Limousinen in Nordamerika und China.

Neue Modelle sollen dafür sorgen, dass das auch im zweiten Halbjahr so bleibt. BMW bringt den überarbeiteten 5er, die dritte Generation des BMW X5 sowie den 3er Gran Turismo und das 4er Coupé auf den Markt. Und Audi verspricht sich von der komplett neuen A3 Limousine Impulse.

"Auch im zweiten Halbjahr wollen wir weiter wachsen", stellte auch Mercedes-Benz-Manager Schmidt vergangene Woche in Aussicht. Besonders die neue E- und S-Klasse sowie die erst vor einigen Monaten auf den Markt gebrachten Kompakten der A- und B-Klasse sollen die Verkäufe der Stuttgarter anschieben. Mercedes-Benz befindet sich inmitten einer großangelegten Produktoffensive, mit der der Anschluss an die Konkurrenz bis zum Ende der Dekade wieder geschafft werden soll.

Zuversicht ist da

Experten sind mit Blick auf das zweite Halbjahr nicht minder zuversichtlich als die Industrievertreter: "Es ist zu hoffen, dass sich die kommenden sechs Monate ähnlich stark entwickeln wie die erste Jahreshälfte", sagte Frank Schwope, Autoexperte bei der NordLB. Denn in China und den USA laufe es weiter gut und in Europa scheine der Markt den Tiefpunkt erreicht zu haben, weshalb es zumindest eine leichte Erholung geben könnte. Schwope traut BMW und Co. deshalb ähnliche Wachstumsraten wie in den zurückliegenden Monaten zu.

Der Fokus rückt nun allerdings erst einmal auf die Halbjahresbilanzen, die in wenigen Wochen veröffentlicht werden. Den Reigen eröffnet nach bisherigen Planungen Daimler am 24. Juli. BMW und Audi folgen dann am 1. und 2. August. Analyst Schwope erwartet keine großen Veränderungen im Vergleich zu dem Bild, das sich im ersten Quartal gezeigt hatte: BMW und Audi hatten mit zweistelligen operativen Renditen geglänzt, Mercedes-Benz hinkte auch hier hinterher. Mit Sparmaßnahmen soll aber auch auf dieser Ebene wieder der Anschluss geschafft werden.

Analysten melden sich

Die Analysten von JP Morgan sehen bei den Ergebnissen von BMW und Daimler einen Wendepunkt. Während bei Mercedes-Benz mit einem Ergebniswachstum wegen der besseren Modelldynamik zu rechnen sei, sehe dies bei BMW anders aus. Dort sei damit zu rechnen, dass das Ergebnis im Automobilbereich nahe am unteren Ende des Ebit-Margenziels von acht bis zehn Prozent liegen wird.

BMW leide unter einer allmählich  veralternden Produktpalette, zudem drohten steigende Kosten. Bei Daimler hingegen stünden in den nächsten Jahren unter anderem neue Modelle in der S-, C- und E-Klasse an. JPM rät daher zu einem Umschichten aus Daimler in BMW.

Die Anleger feiern die Absatzzahlen: In einem sehr positiven Marktumfeld legen BMW mehr als 3 Prozent zu. Daimler ziehen 2,9 Prozent an.

Quelle: ntv.de, bad/DJ/rts