Wirtschaft

"Kein Grund für Überinterpretationen" China sieht Yuan Marktkräften ausgesetzt

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Die Yuan-Schwäche interpretiert Chinas Devisenbehörde als normale Marktbewegung.

(Foto: REUTERS)

Der Yuan ist seit einigen Tagen auf Talfahrt. Die Märkte spekulieren über eine bewusste Abwertung der chinesischen Währung. Doch die Devisenbehörde spricht von normalen Bewegungen, Händler passten ihre Strategie an.

China relativiert den Rutsch der eigenen Landeswährung. Während die Finanzmärkte die Vorgänge als gezielte Abwertung des Yuan verstehen, sieht das Land die Bewegung vielmehr als Resultat aus dem Zusammenspiel von Angebot und Nachfrage. Der jüngste Kursrutsch des Yuan sei auf die Marktkräfte zurückzuführen, so die offizielle Verlautbarung der Devisenbehörde des Landes. Einen starken Kapitalabfluss in naher Zukunft hält sie gleichwohl für unwahrscheinlich.

US-Dollar / Yuan
US-Dollar / Yuan 7,05

An den Finanzmärkten werden - entgegen der offiziellen Verlautbarung - hinter der Abwertung Bemühungen der chinesischen Notenbank (PBoC) vermutet, die Spekulationen auf eine weitere Aufwertung des Yuan zu unterbinden.

Die chinesische Währung befindet sich seit einigen Tagen auf Talfahrt. Seit Beginn der Vorwoche ist der Dollar kontinuierlich von 6,0635 auf 6,1248 Yuan gestiegen. In der ersten offiziellen Stellungnahme Chinas, nachdem der langsame Aufwärtstrend des Yuan gegenüber dem US-Dollar endete, begründet die Devisenbehörde die Schwäche der Währung damit, dass Anleger ihre Handelsstrategien anpassten.

Behörde: Bewegungen werden zu normaler Entwicklung

Da die chinesische Wirtschaft fundamental gesund sei, sei mit starken Kapitalabflüssen in Zukunft nicht zu rechnen. Gegenwärtig verzeichne China netto sogar einen Kapitalzufluss, heißt es in der Mitteilung der staatlichen Devisenbehörde (SAFE) auf ihrer Webseite.

Es dürfte zu einer normalen Entwicklung werden, dass sich der Yuan in zwei Richtungen bewege, während die Regierung ihre Devisenreform fortsetze, führt die SAFE weiter aus. Während die Währungen vieler Schwellenländer bereits im vergangenen Jahr zum Dollar kräftig an Wert verloren hatten - vor allem belastet von Spekulationen über eine weniger lockere US-Geldpolitik -, zeigte sich der Yuan davon relativ unbeeindruckt und stabil.

Der SAFE zufolge hielten Anleger seit September wegen des relativ stabilen Wirtschaftswachstums in China sogenannte Longpositionen im Yuan und Shortpositionen in anderen Währungen. "Was wir nun am Devisenmarkt sehen, sind normale Bewegungen verglichen mit den Bewegungen anderer Währungen von Industrie- und Schwellenländern. Es gibt keinen Grund, hier mehr hineininterpretieren zu wollen", urteilt die Behörde.

Am Mittwoch erreichte der Kurs des Yuan im Verhältnis zum US- Dollar annähernd ein Siebenmonatstief. Noch vor Beginn des Handels in China hatte die PBoC den Dollar-Mittelkurs, um den der Yuan in engen Grenzen schwanken darf, weiter erhöht auf 6,1192 von 6,1184, den Yuan also erneut abgewertet. Zum Vortagesschluss kostete der Dollar noch 6,1266.

Seit Mitte 2010 hatte der Yuan zuvor zum Dollar beständig an Wert gewonnen. Dies hatte Kritik der US-Regierung, China halte den Wechselkurs des Yuan zur Belebung des Exports künstlich niedrig, zunächst verstummen lassen.

Kein Vorbote auf Yuan-Schwächephase

Marktexperte Mitul Kotecha von Credit Agricole CIB sieht hinter dem Abwertungsdruck das Bestreben der Notenbank, dem Markt klar zu machen, dass das Wechselkursrisiko der eigenen Währungen ein zweiseitiges ist, nachdem der Yuan lange Zeit nur eine Richtung kannte. Außerdem dürfte sie damit darauf abzielen, die Volatilität erhöhen und den starken Kapitalzuflüssen begegnen zu wollen. Vermutlich stünden auch Vorbereitungen für ein breiteres Wechselkursband dahinter.

Nach Ansicht der NordLB tragen zu den jüngsten Bewegungen des Yuan aber auch Spekulationen in Bezug auf den konjunkturellen Ausblick und die Entwicklung auf dem chinesischen Bankenmarkt mit bei. Zwar müsse bedacht werden, dass insbesondere die Bewegung auf dem Offshore-Markt - dort hat der freie handelbare Offshore-Yuan ebenfalls deutlich abgewertet - für Skepsis in Bezug auf die Krisenfestigkeit der weltweit zweitgrößten Volkswirtschaft spreche; als Vorbote einer Schwächephase des Yuan sehen die Experten die Abwertung aber dennoch nicht.

Der Renminbi dürfte sich auf kurze Sicht wieder zurück auf seinen Aufwertungskurs gegenüber dem US-Dollar begeben - zunächst allerdings mit höherer Schwankungsanfälligkeit.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ