Wirtschaft

Baosteel befeuert Konjunktursorgen Chinas Stahlriese schließt Werk

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(Foto: REUTERS)

Chinas Industrie schrumpft seit beinahe einem Jahr, nun heizt einer der größten Stahlproduzenten des Landes die Wachstumssorgen im Reich der Mitte weiter an. Der Konzern legt ein Werk bis auf Weiteres still, um Verluste zu vermeiden. Dahinter steckt jedoch noch ein ganz eigenes Problem des chinesischen Wachstumsmodells.

Baoshan Iron & Steel
Baoshan Iron & Steel 4,92

Die Zeichen für eine weitere konjunkturelle Eintrübung in China mehren sich. Der größte an der Börse gehandelte Stahlkocher des Landes, Baoshan Iron & Steel, hat seine Produktion in einem Werk in der Gegend von Schanghai gestoppt. In der Fabrik werden Vorprodukte für die Werft- und die Ölbranche hergestellt. Schwächen der Stahlindustrie gelten meist als Vorboten für eine sich abzeichnende Konjunkturflaute.

Die Entscheidung von Baoshan kommt durchaus überraschend. Das Unternehmen gilt als einer der bestgeführten Stahlhersteller im Reich der Mitte. Rapide fallende Stahlpreise hatten schon zu Kürzungen der Produktion geführt, die Gewinne der Hersteller brechen ein. Die Stilllegung gleich eines ganzen Werks in China ist aber neu.

Abkühlung hausgemacht

Ein Großteil der Konjunktur-Abschwächung geht dabei auf das Konto der Pekinger Regierung, die den heiß gelaufenen Immobilienmarkt abkühlen will. Diese Schritte drücken die Preise für Billigstahl, der im Gebäudebau verwendet wird. Baoshans Schritt verdeutlicht, dass Schwächen in anderen Teilen der Wirtschaft auch die Stahlkocher empfindlich treffen.

"Unser Unternehmen hat vorläufig die Produktion unterbrochen, um mehr operative Verluste zu vermeiden", erklärte Baoshan. Als Grund nannte der Konzern die schwache Nachfrage. Zusätzlich könnte auch ein industrieller Strukturwandel im Gebiet Schanghai-Baoshan zu der Entscheidung beigetragen haben. Die Wettbewerbsfähigkeit des eigenen Werks habe darunter gelitten, teilte Baoshan mit, ohne Details oder einen möglichen Termin für eine Neueröffnung zu nennen.

Deshalb spiegelt die Werksschließung nicht nur konjunkturelle Schwächen wider. Sie verdeutlicht auch die Schwierigkeiten der chinesischen Stahlkocher, in der Wertschöpfungskette nach oben zu klettern und höherwertigere Produkte herzustellen. Genau dies fordert aber die Regierung von den Stahlherstellern. Baoshan hatte einst die Technologie des jetzt vorläufig geschlossenen Werks als besonders energieeffizient angepriesen. Analysten waren da anderer Meinung: In ihren Augen erwies sich die Fabrik als teuer und unzuverlässig.

Quelle: ntv.de, nne/DJ