Wirtschaft

Fiat kommt unter die Räder Chrysler schwer in Fahrt

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Massiv: Die Ram-Modelle finden trotz oder gerade wegen ihrer schieren Wucht und Größte in den USA wieder mehr Käufer.

(Foto: REUTERS)

Boomende SUV- und Pickup-Verkäufe bei Chrysler retten Fiat die Quartalsbilanz. Die US-Tochter profitiert auf dem Heimatmarkt etwa von höheren Preisen. Fiat setzt das schwache Europageschäft zu, die Jahresziele fallen.

Die amerikanische Fiat-Tochter Chrysler profitiert von höheren Preisen auf dem US-Heimatmarkt und guten Absatzzahlen bei Geländewagen und Pickups. Der Gewinn im dritten Quartal stieg um rund ein Fünftel auf 464 Millionen Dollar, wie der US-Autobauer mitteilte. Zudem überraschte die Nummer vier auf dem wichtigen US-Automarkt hinter GM, Ford und Toyota mit einer Bestätigung der Jahresziele, nachdem es im Juli noch eine Gewinnwarnung gab.

Das trieb die Fiat-Aktie zwischenzeitlich leicht ins Plus, da viele Analysten mit einer Prognosesenkung gerechnet hatten. Fiat hält 58,5 Prozent an Chrysler und will den Konzern komplett übernehmen. Als Fiat seine Zahlen veröffentlichte, wendete sich das Blatt: Das Fiat-Papier ging mit einem Abschlag von rund 3 Prozent aus dem Handel.

Große Wagen schieben Chrysler an

Im abgelaufenen Quartal setzte Chrysler den Daten zufolge 593.000 Autos ab, 6 Prozent mehr als im Vorjahr. Impulse kamen vor allem durch den neuen Geländewagen Jeep Grand Cherokee und die Ram-Pickup-Reihe. Zudem konnte das Unternehmen am Markt teils höhere Preise verlangen. Der Umsatz stieg um knapp 14 Prozent auf rund 17,5 Milliarden Dollar. Für das Gesamtjahr bekräftigte Chrysler sein Ziel, einen Überschuss zwischen 1,7 und 2,2 und einen Umsatz zwischen 72 und 75 Milliarden Dollar zu erzielen.

Im September hatte Chrysler einen Antrag auf einen Börsengang in New York eingereicht. Dabei sollen nur die Anteile gelistet werden, die sich in den Händen des US-Gewerkschaftsfonds Veba befinden. Dieser hält 41,5 Prozent an Chrysler und weigert sich bisher, seine Beteiligung an Fiat zu verkaufen. Beide Unternehmen sollen bei den Preisvorstellungen mindestens um 1 Milliarde Dollar auseinander liegen.

Bisher führt der Manager Sergio Marchionne Fiat und Chrysler. Die Autobauer teilen sich Technologie, das Händlernetz, den Einkauf und das Management. Ziel des Italieners ist, auch auf Chryslers Barbestand zugreifen zu können. Dieser lag Ende des Quartals bei 11,5 Milliarden Dollar.

Fiat ohne Chrysler mit Quartalsverlust

Fiat verdiente im dritten Quartal weniger als erwartet. Der Konzern senkte daraufhin seine Jahresprognose. Der italienische Autobauer machte unter anderem die Stärke des Euro gegenüber anderen Währungen in jenen Märkten verantwortlich, in denen er seine Fahrzeuge verkauft. Für 2013 rechnet Fiat jetzt nur noch mit einem Gewinn von 900 Millionen bis 1,2 Milliarden Euro. Bislang lag die erwartete Spanne bei 1,2 Milliarden bis 1,5 Milliarden.

 Am Markt sei man zwar nicht mehr davon ausgegangen, dass die bisherigen Ziele zu erreichen seien, sagt ein Händler. Allerdings stellten die neuen Ziele eine negative Überraschung dar. Die Gewinnwarnung erwischt die Anleger auf dem falschen Fuß.

Der Nettogewinn legte im dritten Quartal auf 189 Millionen Euro zu, von 171 Millionen im Vorjahreszeitraum. Der Handelsgewinn, oder operative Gewinn vor Sonderposten, ging auf 816 Millionen von 901 Millionen Euro zurück, obgleich der Umsatz leicht auf 20,7 Milliarden Euro zulegte. Die Zahlen lagen unter den Erwartungen der Analysten, die das Unternehmen selbst in einer Umfrage ermittelt hatte.

Ohne Chrysler wies der Fiat-Konzern einen Nettoverlust von 15 Millionen Euro aus, damit war der Fehlbetrag nur noch gut halb so groß wie im Vorjahresquartal.

Quelle: ntv.de, bad/rts/DJ