Wirtschaft

Berlin dementiert UBS-Deal Coba wirft Ballast ab

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Mit dem Hypotheken-Bündel können nun Lone Star und Wells Fargo ihr Glück versuchen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mitten in den aufbrandenden Gerüchten um den angeblich bevorstehenden Staatsausstieg gelingt der Commerzbank ein wichtiger Befreiungsschlag: Das zweitgrößte private Geldhaus Deutschlands schlägt ein milliardenschweres Bündel an Altlasten in Großbritannien los.

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Die Commerzbank hat den Verkauf eines gewichtiges Hypotheken-Portfolios in Großbritannien unter Dach und Fach gebracht: Den Zuschlag für das Paket im Volumen von fünf Milliarden Euro erhielten die US-Großbank Wells Fargo und der Finanzinvestor Lone Star, wie die Commerzbank mitteilte. Der Abschlag zum zuletzt veröffentlichten Buchwert liege bei etwa 3,5 Prozent - und fällt damit vergleichsweise glimpflich aus.

Die Transaktion umfasst überwiegend gut laufende gewerbliche Immobilienkredite und das gesamte operative Geschäft der ehemaligen Eurohypo in Großbritannien. Die Bestände lagerten zuletzt in der konzerninternen "Bad Bank", die beim Abbau der Altlasten nun schneller vorankommt als gedacht. Es ist eine der größten Transaktionen, die der europäische Immobiliensektor seit der Finanzkrise gesehen hat.

Der gebeutelten Commerzbank-Aktie verliehen die Nachrichten zu Wochenbeginn neuen Schub: Das Papier legte zeitweise fast 4 Prozent zu. Schon kurz zuvor war die Aktie größter Gewinner im Dax, nachdem es am Wochenende in Medienberichten geheißen hatte, der Bund als Großaktionär sondiere erstmals konkrete Ausstiegsmöglichkeiten.

Unabhängig von den Fortschritten bei den Altlasten aus der Hochphase der Finanzkrise wehrt sich die Bundesregierung gegen Berichte über einen unmittelbar bevorstehenden Verkauf der restlichen Commerzbank-Anteile aus staatlicher Hand. Ein Verkauf sei "derzeit nicht absehbar", erklärte die Sprecherin des Bundesfinanzministeriums, Marianne Kothé. "An den Spekulationen, die da am Wochenende durch die Presse geisterten, beteiligen wir uns nicht", sagte sie. In den vergangenen Tagen waren von verschiedener Seite Gerüchte über angeblich laufende Verkaufsverhandlungen aufgekommen.

Unter anderem war die Rede davon, dass Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble Gespräche über einen Verkauf der staatlichen Coba-Anteile mit der Schweizer Großbank UBS führe. Dabei sollte es sich um jene 17 Prozent handeln, die noch immer beim staatlichen Bankenrettungsfonds Soffin liegen.

Kothé bekräftigte nun lediglich, es sei weiterhin das Ziel der Bundesregierung, die im Zuge der Finanzkrise gewährten Stabilisierungsmaßnahmen zeitlich "so eng wie möglich zu begrenzen". Auf Nachfrage erklärte die Sprecherin, es gebe keine Präferenzen des Bundes für inländische oder ausländische Investoren. "Wir gehen offen in den Verkaufsprozess rein. Da gibt es keine Vorfestlegungen."

Zu einem möglichen Treffen von Finanzminister Schäuble mit dem Verwaltungsrats-Chef der Schweizer UBS, Axel Weber, hieß es lediglich, an derartigen Spekulationen beteilige sich das Ministerium nicht. Weber und Schäuble kennen sich aus früheren Tagen gut: Der deutsche UBS-Chef stand früher als Bundesbank-Chef in regelmäßigem Kontakt mit dem Finanzminister.

Abschluss nach Monaten

Der Hypothekenverkauf in Großbritannien kommt derweil nicht überraschend: Bereits im April war aus Finanzkreisen durchgesickert, dass Wells Fargo und Lone Star vor dem Zuschlag stehen. Die ertragsschwache Commerzbank hatte sich vor etwa einem Jahr entschlossen, komplett aus der kapitalzehrenden gewerblichen Immobilienfinanzierung auszusteigen und die Tochter Eurohypo (inzwischen Hypothekenbank Frankfurt) abzuwickeln. Sie wurde in die konzerneigene "Bad Bank" geschoben. Dort lagern nun Staatsanleihen und großvolumige Immobilienkredite, teils mit sehr langen Laufzeiten. Sie können entweder bis zur Fälligkeit gehalten oder bilanzschonend verkauft werden. Am kleinsten sind die Preisabschläge für gewöhnlich bei Darlehen, bei denen Zins und Tilgung bedient werden.

Bei dem britischen Portfolio, das nun inklusive 50 Mitarbeiter den Besitzer wechselt, ist das zum großen Teil der Fall. Entsprechend gering war der Abschlag, den Wells Fargo und Lone Star als Konsortium durchsetzen konnten: Er lag bei gerade einmal 3,5 Prozent. Das Volumen der notleidenden, also ausfallgefährdeten Kredite in dem Paket liegt bei 1,2 Mrd. Euro - sie gehen an Lone Star, denn der Finanzinvestor hat sich auf diese Fälle spezialisiert. Wells Fargo, inzwischen größter Immobilienfinanzierer in den USA und auf Expansionskurs in Großbritannien, übernimmt die gesunden Teile.

"Insgesamt neutral zu beurteilen"

Lange Zeit hatte es in dem Markt, bedingt durch die Finanz- und Schuldenkrise, so gut wie keine Bewegung gegeben, weil die Preisvorstellungen von Käufern und Verkäufern zu weit auseinander lagen. Das ändert sich jetzt, wie der zuständige Commerzbank-Bereichsvorstand Sascha Klaus in einem im Intranet der Bank veröffentlichten Interview erklärte: "Die Renditeerwartungen sind aufgrund der hohen Liquidität in gewissen Märkten bereits gesunken." Für die Eurohypo-Plattform in Großbritannien habe es eine große Nachfrage gerade von strategischen Investoren gegeben.

Der Preisabschlag für das Paket führt bei der Commerzbank im laufenden Jahr zu einer Ergebnisbelastung von 179 Mio. Euro, weil Abschreibungen fällig werden. Umgekehrt wird Eigenkapital von 133 Mio. Euro freigesetzt, was die Kernkapitalquote der Bank aber nicht nennenswert beeinflusst. "Die Transaktion ist insgesamt neutral zu beurteilen", erläuterte Analyst Guido Hoymann vom Bankhaus Metzler.

Insgesamt kommt die Commerzbank durch diesen Schritt aber beim Abschmelzen ihrer "Bad Bank" schneller voran als ursprünglich gedacht: Bislang hieß es, bis Ende 2016 solle das Volumen der Abbaueinheit NCA auf 93 Mrd. Euro schrumpfen, jetzt ist von "deutlich unter 90 Mrd. Euro" die Rede.

Quelle: n-tv.de, mmo/DJ/dpa/rts

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