Wirtschaft

Wann beginnt die Zeichnungsfrist? Commerzbank bereitet sich vor

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Von langer Hand geplante Operation: Coba-Chef Martin Blessing will den Soffin ausbezahlen.

(Foto: REUTERS)

Es wäre die zweite große Milliardenoperation im deutschen Bankensektor binnen weniger Wochen: Nach der Deutschen Bank leitet nun angeblich auch die Commerzbank ihre lang erwartete Kapitalmaßnahme ein - deutlich früher als erwartet. Der Kurs der Coba-Aktie gerät unter Druck.

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Deutschlands zweitgrößte Bank drückt aufs Tempo: Die Zeichnungsfrist für die 2,5 Mrd. Euro schwere Kapitalerhöhung wird nach Angaben aus dem Umfeld des Geldhauses tatsächlich "Mitte dieser Woche" beginnen. Damit dürfte die zweitgrößte deutsche Bank das erstmögliche Zeitfenster für die Emission neuer Anteilsschene nutzen. Die Aktionäre haben dann rund zwei Wochen Zeit, die neu ausgegebenen Coba-Papiere im Gesamtwert von 2,5 Mrd. Euro zu zeichnen.

Am Wochenende waren Gerüchte aufgekommen, dass die Maßnahme unmittelbar bevorstehe. Einem Zeitungsbericht zufolge will die Commerzbank die heikle Operation voraussichtlich entweder am Dienstag oder am Mittwoch starten - und damit deutlich früher als bislang erwartet. Dabei werde der Abschlag auf den aktuellen Aktienkurs in der Größenordnung von 35 Prozent liegen, berichtete das "Handelsblatt" unter Berufung auf Finanzkreise.

Neue Angaben aus Finanzkreise bestätigen zu Wochenbeginn die Gerüchte: Die Commerzbank werde die neuen Aktien tatsächlich mit einem Preisabschlag von mindestens 35 Prozent auf den um den Wert des Bezugsrechts bereinigten Kurs ("TERP") anbieten. Damit dürften sie etwa 5,50 Euro - gut die Hälfte des aktuellen Börsenkurses - kosten. Die Commerzbank wollte sich zu den Plänen auch am Montagmorgen nicht äußern.

Angesichts der Rekordjagd an den Börsen sei das Marktumfeld jetzt ideal für die Platzierung, hatte das "Handelsblatt" zuvor berichtet. Die Commerzbank wollte diesen Bericht ebenfalls nicht kommentieren. Angekündigt hatte die Bank ihre Kapitalpläne bereits Mitte März. Erwartet worden waren erste Schritte allerdings erst gegen Ende Mai.

An den Börsen löste die Aussicht auf einen 35-prozentigen Abschlag auf neue Coba-Papiere bereits vor Börsenstart deutliche Kursverluste aus: Der Bericht über die unmittelbar bevorstehende Kapitalerhöhung dürfte die Aktie schwer belasten, hieß es am Morgen. Die Anteilsscheine fielen im frühen Handel um 3,8 Prozent auf 10,03 Euro zurück. Dieser starke Kursverlust sei nicht gerechtfertigt, sagte ein Börsianer. Schließlich habe die Commerzbank die Kapitalerhöhung bereits vor Wochen angekündigt. Der Rutsch unter die psychologisch wichtige Marke von zehn Euro habe offenbar Anschluss-Verkäufe ausgelöst.

Zur Hälfte in Hedgefonds-Hand?

Das Geldhaus müsse damit rechnen, dass der Aktienkurs kurzfristig stärker schwankt, beschrieb das "Handelsblatt" die zu erwartbaren Reaktionen. Es werde geschätzt, dass rund die Hälfte der Aktien derzeit bei Hedgefonds liege. Sie dürften im Zuge der Kapitalerhöhung ebenfalls zugreifen. Das Papier sei "zum Tummelplatz für Hedgefonds geworden", zitiert die Zeitung aus Finanzkreisen.

Ein Teil dieser Großinvestoren setzt angeblich auf steigende Kurse. Eine weitere Gruppe habe über sogenannte Leerverkäufe auf fallende Kurse gewettet. Sie haben sich damit also im Vorfeld Commerzbank-Aktien geliehen, sie unmittelbar wieder verkauft und wollen sich nun im Zuge der Kapitalerhöhung billiger wieder eindecken.

Schritt in die Entstaatlichung

Am Markt werde erwartet, dass fast alle Aktien auch Abnehmer finden, heißtes in dem Bericht. Die Commerzbank will durch die Kapitalerhöhung die stillen Einlagen des Staates und des Versicherungskonzerns Allianz auslösen und damit den Ausstieg aus der Staatsbeteiligung einleiten. Entsprechend sollen die Anteile des Bankenrettungsfonds Soffin gleich zu Beginn der Kapitalerhöhung am Markt platziert werden.

In den Wirren der Finanzkrise hatte die Bundesregierung die zweitgrößte Privatbank Deutschlands vor dem Aus gerettet, indem sie den Bankenrettungsfonds Soffin anwies, für 1,8 Mrd. Euro 25 Prozent an der Commerzbank zu übernehmen und weitere 16,4 Mrd. Euro in Form Stiller Einlagen in das Geldhaus zu stecken.

Von den Stillen Einlagen sind mittler nur noch 1,6 Mrd. Euro übrig, die nun ebenso zurückgezahlt werden sollen wie die 750 Mio. Euro schwere Mitgift der Allianz. Der Versicherer hatte die Commerzbank mit einer Stillen Einlage nach der Fusion mit der Dresdner Bank gestützt.

Dass die Kapitalerhöhung kommen würde, ist seit entsprechenden Ankündigungen im März und spätestens seit der Hauptversammlung Ende April allgemein bekannt. Der frühe Zeitpunkt allerdings dürfte - sollten die Gerüchte zutreffen - am Markt für einigen Wirbel sorgen. Bisherigen Plänen zufolge sollte die Zeichnungsfrist spätestens Mitte Mai beginnen. Bis dahin muss die Finanzaufsicht Bafin den Anlageprospekt genehmigt haben, in den noch die Zahlen für das erste Quartal eingearbeitet werden. Abgerechnet wird dann rund zwei Wochen später, Anfang Juni.

Vorbild Deutsche Bank?

Ende April hatte die Deutsche Bank eine überraschend angesetzte Kapitalerhöhung binnen kürzester Zeit erfolgreich über die Bühne bringen können. Nach Ansicht nicht weniger Beobacher lieferte sie damit eine Steilvorlage für die Commerzbank. Insgesamt platzierte die Deutsche Bank 90 Mio. neue Aktien zum Preis von 32,90 Euro das Stück mittels eines beschleunigten Verfahrens. Dadurch sammelte das Institut insgesamt 2,96 Mrd. Euro ein. Der Erlös lag damit noch leicht über dem kurzfristig angekündigten Ziel von 2,8 Mrd. Euro. Die neuen Aktien bot sie ausschließlich institutionellen Anlegern an.

Mit dem Schritt konnte die Deutsche Bank die seit langem andauernde Diskussion über ihre Finanzausstattung beenden. Analysten hatten dem deutschen Branchenprimus seit dem Amtsantritt der Doppelspitze aus Anshu Jain und Jürgen Fitschen im Juni 2012 seine im Vergleich zu anderen Instituten schlechteren Kapitalquoten vorgehalten und damit die vergleichsweise schwache Entwicklung des Aktienkurses begründet.

Deutschlands größte Bank werde mit Hilfe der Kapitalerhöhung im direkten Vergleich mit ihren weltweiten Wettbewerbern "zu einer der am besten kapitalisierten Banken", sagte Jain bei einer Telefonkonferenz für Analysten. Die Börse feierte die Kapitalerhöhung mit einem kräftigen Kurssprung. Unmittelbar nach Bekanntwerden der Maßnahme legte die Aktie zwischenzeitlich um fast 8 Prozent zu. Analysten reagierten positiv und erhöhten ihre Empfehlungen.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/rts