Wirtschaft

Ernüchternde Gewinnzahlen Commerzbank enttäuscht

Die teilverstaatlichte Commerzbank ist im dritten Quartal nicht so gut vorangekommen wie von Experten erhofft. Der operative Gewinn fällt mit 116 Mio. Euro deutlich schwächer als erwartet aus. Neben mageren Gewinnen im Privatkundengeschäft belastet das Institut auch das Sorgenkind Eurohypo.

RTR2GLKQ.jpg

Hier sind noch Polier-Arbeiten nötig: Der Markt hatte auf glänzendere Zahlen gehofft.

(Foto: REUTERS)

Trotz eines unerwartet niedrigen Gewinns im dritten Quartal und zahlreicher Baustellen im Konzern sieht sich die Commerzbank 2010 auf dem Weg zu einem Milliardengewinn. "Damit kehren wir ein Jahr früher als ursprünglich erwartet in die Gewinnzone zurück", sagte Vorstandschef Martin Blessing. Nach neun Monaten stand schon ein Nettogewinn nach Anteilen Dritter von 1,17 Mrd. Euro zu Buche, wie die Frankfurter Bank mitteilte. Im dritten Quartal blieb das Ergebnis hinter den Erwartungen der Analysten zurück. In Osteuropa sowie in der Immobilienfinanzierung steckt die Bank tief in den roten Zahlen. Das Privatkundengeschäft kommt nicht auf Touren. "Wir sind noch nicht am Ziel", erklärte Blessing.

Vor allem beim Staats- und Immobilienfinanzierer Eurohypo tritt die Commerzbank heftig auf die Bremse. Aus der Staatsfinanzierung soll das Eschborner Institut aussteigen und kein Neugeschäft mehr abschließen. Auch gewerbliche Immobilien würden nur noch "selektiv" finanziert und das Geschäft damit weiter gedrosselt. Daher muss die Commerzbank im HGB-Abschluss den Buchwert der Eurohypo zum Jahresende deutlich abschreiben. Der Immobilienfinanzierer muss auf Geheiß der EU bis 2014 verkauft werden. Bei Krediten für Gewerbeimmobilien drücken die Bank hohe Ausfallrisiken.

Damit steht die Bedienung der stillen Einlage des Bundes von gut 16 Mrd. Euro für 2010 mehr denn je in Frage. Zinsen werden darauf nur fällig, wenn die Commerzbank nach deutschen Bilanzierungsregeln (HGB) schwarze Zahlen schreibt.

Interne "Bad Bank" erholt sich

Im dritten Quartal belastete ein operativer Verlust von 404 Millionen Euro im Asset Based Finance, zu dem neben Immobilien- die Schiffsfinanzierung gehört, die Commerzbank schwer. Mit 116 Millionen Euro fiel der Betriebsgewinn im Konzern daher kleiner aus als von Analysten erwartet. Größter Gewinnbringer war das Mittelstands-Geschäft mit 456 Millionen Euro, dort konnten mehr Rückstellungen für faule Kredite aufgelöst werden als gebildet wurden. Im Konzern ging die Risikovorsorge im Vorjahresvergleich um ein Drittel auf 621 Millionen Euro zurück, im Gesamtjahr soll sie unter 2,7 Milliarden Euro bleiben.

Die interne "Bad Bank", in der die Bank toxische Papiere und unerwünschte Geschäftsfelder gebündelt hat, trug 315 Millionen Euro zum operativen Ergebnis bei, weil sich die Papiere nach der Finanzkrise erholten.

Schwung für Privatkundengeschäft

Dagegen verdiente die Bank mit elf Mio. Privatkunden nur 27 Mio. Euro, deutlich weniger als ein Jahr zuvor. Mit der endgültigen technischen Zusammenführung von Dresdner Bank und Commerzbank soll sich das vom nächsten Frühjahr an ändern. Um die private Kundschaft kümmert sich mit Martin Zielke nun ein neuer Vorstand, sein Vorgänger Achim Kassow soll sich verstärkt des Osteuropa-Geschäfts annehmen, in dem die Bank wieder in die roten Zahlen gerutscht ist. Schuld daran ist den Angaben zufolge vor allem die Bank Forum in der Ukraine.

Im kommenden Jahr will Blessing den Balanceakt zwischen der weiteren Reduzierung der Risiken und der Bilanzsumme und einem "selektiven Wachstum" wagen. "Wir segeln mit Rückenwind in das nächste Jahr und gehen davon aus, dass das operative Ergebnis 2011 über dem Ergebnis des Jahres 2010 liegen wird", versprach Finanzvorstand Eric Strutz. Dazu sollen weitere 300 Mio. Euro an Kostenvorteilen nach der Dresdner-Übernahme beitragen. Ein Jahr später hat sich die Bank einen Vorsteuergewinn von vier Mrd. Euro zum Ziel gesetzt.

Quelle: ntv.de, rts