Wirtschaft

Neue Entlassungswelle Conergy sieht keine Sonne

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Conergy steht unter Druck: Die Gläubiger werden sich die roten Zahlen nicht lange anschauen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Der Solarkonzern Conergy reagiert auf den Wettbewerbsdruck aus China mit einem erneuten Umbau. Wie Insider berichten, soll die Fertigung der Vorprodukte Wafer und Zellen wieder eingestellt werden. Im Zuge der Umstrukturierung sollen auch Stellen abgebaut werden. In den kommenden Tagen soll die Belegschaft über die Pläne informiert werden.

Das Solarunternehmen Conergy will auf die anhaltenden Verluste offensichtlich mit einem Stellenabbau reagieren. Wie Insider gegenüber Dow Jones Newswires sagten, sollen bei dem einst mit großen Hoffnungen verbundenen integrierten Werk in Frankfurt/Oder künftig nur noch Solarmodule hergestellt werden. Im Verwaltungsbereich seien ebenfalls Anpassungen geplant, heißt es.

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2007 arbeiteten 3000 menschen bei Conergy. heute sind es noch 1600.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Hamburger Conergy AG leidet wie andere Branchenvertreter unter der sehr schwachen Nachfrage. Das Unternehmen schrieb in den ersten sechs Monaten einen Verlust von 40 Mio. Euro. Ausgelöst von der Unklarheit über den Fortgang der Förderung sind mit Deutschland und Italien die beiden größten Märkte der Welt zu Anfang dieses Jahres regelrecht eingebrochen. Gleichzeitig haben vor allem die chinesischen Hersteller massiv in Fertigungskapazitäten investiert und drücken ihre Produkte über den Preis in den Markt.

Fertigung von Vorprodukten wird eingestellt

Bislang war das Hamburger Unternehmen dem Trend zur Verlängerung der Wertschöpfungskette gefolgt und war 2006 mit der 250 Mio. Euro teuren Fabrik in Frankfurt/Oder in die Produktion eingestiegen. Jetzt will Conergy die Waferfertigung und die Zellproduktion in dem Werk einstellen. Das sei momentan die wahrscheinlichste Option, sagte der Insider. Das Unternehmen würde dann in Asien produzierte Zellen einsetzen und daraus Module bauen.

Aktuell arbeiten in der Fabrik rund 700 Mitarbeiter, davon 450 Festangestellte. Zuletzt wurden wegen der geringen Auslastung schon weniger Leiharbeiter eingesetzt. In Zukunft werden demnach wahrscheinlich nur noch die festen Mitarbeiter benötigt. In den kommenden Tagen soll die Belegschaft über die Pläne informiert werden. Wie viele von den aktuell 1600 Mitarbeitern am Ende übrig bleiben, ist derzeit noch unklar.

Der K(r)ampf hält an

Für Conergy ist es nicht die erste Schrumpfkur. 2007, als sich das Unternehmen auf einen wagemutigen Expansionskurs begeben hatte, waren fast 3.000 Menschen bei dem Unternehmen beschäftigt. Nachdem die Insolvenz nur knapp vermieden wurde, wurden Bereiche geschlossen oder abgegeben, Personal abgebaut.

Genutzt hat es nicht viel, Conergy schreibt nachhaltig Verluste und wurde in diesem Jahr nach einem Schuldenerlass von Gläubigern übernommen. Diese, vornehmlich Hedgefonds mit angelsächsischem Hintergrund, werden sich rote Zahlen nicht lange anschauen. Die aktuellen Pläne geben einen ersten Vorgeschmack.

Conergy-Aufsichtrat verklagt Altvorstände

Unterdessen zieht der scheidende Aufsichtsrat des krisengeschüttelten Solarkonzerns gegen seine Ex-Vorstände - darunter Firmengründer Hans-Martin Rüter - vor Gericht. Das Kontrollgremium reichte am Freitag beim Landgericht Hamburg Klage ein und fordert 268 Mio. Euro Schadenersatz.

Die Deutsche Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz (DSW) begrüßte diesen Schritt. "Das ist ein gutes Signal zur endgültigen Aufarbeitung der erheblichen Managementfehler der Vergangenheit", kommentierte DSW-Sprecher Steffen Kraus. Ex-Vorstandschef Rüter hielt dagegen: "Die Anschuldigungen erachten ich und die anderen Altvorstände als substanzlos und falsch". Hier werde Druck aufgebaut, um unbillig hohe Summen zu erlösen.

Quelle: ntv.de, DJ/rts

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