Wirtschaft
So hat man Deutschland noch nie gesehen: Die Statistikämter bieten nun auch kleinräumige digitale Karten zur Landwirtschaft an.
So hat man Deutschland noch nie gesehen: Die Statistikämter bieten nun auch kleinräumige digitale Karten zur Landwirtschaft an.(Foto: picture alliance / dpa)
Donnerstag, 30. Januar 2014

Statistiker präsentieren ihre Daten: Deutschlands "Schweinedichte"

Wo drängelt sich das Rind, welches Bundesland hat die größten Bauernhöfe? Antworten auf diese Fragen wollen Experten mithilfe eines neuen, interaktiven Kartenangebots vermitteln. Der Online-Atlas der deutschen Statistikämter gewährt faszinierende Einblicke.

Ziemlich dicht geht es in der Ferkelaufzucht zu: Die Statistikämter bieten nun auch kleinräumige digitale Karten zur Landwirtschaft an.
Ziemlich dicht geht es in der Ferkelaufzucht zu: Die Statistikämter bieten nun auch kleinräumige digitale Karten zur Landwirtschaft an.(Foto: picture alliance / dpa)

Die Angaben sind amtlich: Die Statistik-Behörden des Bundes und der Länder haben zentrale Kennzahlen zur deutschen Agrarwirtschaft grafisch aufgearbeitet und in einer anschaulichen Materialsammlung im Internet zugänglich gemacht.

Der neuartige Online-Atlas basiert auf 16 interaktiven Raster-Karten, die dem Nutzer Aufschluss über eine ganze Reihe interessanter Fragen geben. Wo liegen Deutschlands "Dauergrünflächen"? Wo wird am häufigsten Raps angebaut? Wo setzt die deutsche Landwirtschaft die meisten Saisonarbeitskräfte ein?

Der Atlas umfasst insgesamt 16 Themen aus dem Bereich der Agrarwirtschaft, unter anderem zur Anzahl landwirtschaftlicher Betriebe, zur landwirtschaftlich genutzten Fläche und zu den Tierbeständen, aufgeteilt in Schweine, Rinder und die sogenannten Großvieheinheiten. Kleinvieh wie Gänse, Enten oder Hühner tauchen in der Statistik dagegen nicht auf.

Im Osten sind die Felder größer: Deutschland im 5-Kilometer-Raster nach landwirtschaftlichen Betriebsgrößen.
Im Osten sind die Felder größer: Deutschland im 5-Kilometer-Raster nach landwirtschaftlichen Betriebsgrößen.(Foto: atlas-agrarstatistik.nrw.de)

Der Atlas zeigt dabei nicht nur die geografische Verteilung landwirtschaftlicher Schwerpunkte, sondern eröffnet auch ungewöhnliche Einsichten in ansonsten nur schwer fassbare Zusammenhänge. Eine klare Trennung zwischen Ost und West kann zum Beispiel erkennen, wer die Datensammlung der Statistiker nach Betriebsgrößen sortiert: Auch mehr als 20 Jahre nach der Wende sind die Folgen der unterschiedlichen agrarpolitischen Ansätze in den beiden Teilen Deutschlands noch immer sichtbar.

Unterschiedlich blühende Landschaften

Starke regionale Unterschiede zeigen sich auch bei der Anzahl der Schweine je 100 Hektar landwirtschaftlich genutzter Fläche. Diesen Parameter fassen die Statistiker kurz und knapp unter dem Begriff "Schweinedichte" zusammen. Auffallend hoch fällt diese Dichte unter anderem im Nordwesten Deutschlands in einem großzügig aufgespannten Städtedreieck Bremen, Hannover, Düsseldorf aus - eine weitere, etwas kleinere Hochburg der deutschen Schweinehaltung liegt demnach zwischen Würzburg, Stuttgart und Nürnberg.

Die Tafel zum Einsatz von Saisonarbeitern lenkt die Aufmerksamkeit auf die wichtigsten deutschen Anbaugebiete für Wein, Obst, Spargel und andere Gemüsesorten. Andere Karten dagegen geben indirekt die verschiedenen Beschaffenheiten des deutschen Staatsgebiets wieder: So können Experten aus der Tafel zum Weizenanbau zum Beispiel Hinweise zur Bodengüte ablesen - und den Verlauf der Mittelgebirge. Eine Sortierung der Bauernhöfe nach ihrer "betriebswirtschaftlichen Ausrichtung" wiederum deutet an, womit sich der Ackerbau in der Fläche befasst. Der größte Anteil entfällt hier auf den Futteranbau für Milch- und Schlachtviehproduktion.

Deutschland im Datenraster

"Mit dieser Anwendung erweitert die amtliche Statistik ihr Datenangebot um kleinräumige digitale Karten", teilte das Statistische Bundesamt mit. Anwender können die Karten als Bilder und als PDF-Dateien nutzen. Daneben offerieren die Statistiker auch einen WMS-Dienst ("Web Map Service"). Dieser Kartendienst erlaubt eine Nutzung der Karten in anderen Anwendungen, die auf dem GIS-System aufbauen.

Die Datengrundlage des Atlas besteht aus "georeferenzierte Daten aus der Landwirtschaftszählung 2010". Der Großteil der Karten basiert auf Rasterzellen mit 5 Kilometer Gitterweite, wie ein Sprecher erklärte. Damit lässt Deutschland Stück für Stück in Kacheln von jeweils 25 Quadratkilometern unter Agrargesichtspunkten betrachten.

Damit bieten die deutschen Statistikbehörden eigenen Angaben zufolge erstmals Karten mit einer räumlichen Auflösung an, die zum Teil sogar unterhalb der Gemeindeebene liegt. Zuschaltbar sind Städtenamen, Kreis- und Gemeindegrenzen, der Verlauf der großen Flüsse und die Namen von Naturräumen wie etwa "Westerwald", "Isar-Inn-Schotterplatten" oder "Mecklenburgische Seenplatte".

Der Online-Atlas zur deutschen Agrarstatistik steht der Öffentlichkeit kostenfrei im gemeinsamen Statistik-Portal der Statistischen Ämter des Bundes und der Länder zur Verfügung: Zum Online-Atlas geht es hier.

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Quelle: n-tv.de

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