Wirtschaft

Abwertung, Bodenbildung, Anstieg? Der Euro in der Analyse

Im Mai notiert der Euro bei knapp 1,40 Dollar, nun sind es rund 1,32 Dollar. Eine beachtliche Entwicklung - aber was sagt der Chartverlauf?

In den vergangenen Wochen konnten Finanzprofis viel Geld mit Short-Investments beim Euro erzielen. Anfang Mai notierte die Gemeinschaftswährung noch bei knapp 1,40 Dollar, seitdem ging es um rund sechs Prozent auf 1,32 Dollar abwärts.

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Franz-Georg Wenner, Index-Radar

(Foto: Franz-Georg Wenner, Index-Radar)

Im Kursbild sind derzeit kaum verlässliche Hinweise zu finden, die auf eine Stabilisierung deuten. Mit dem Mitte Juli erfolgten Ausbruch auf der Unterseite einer Keil-Formation lieferte der Euro ein mittelfristiges Schwächesignal, das wenige Tage später mit dem Rücksetzer unter die horizontale Unterstützung um 1,35 Dollar bestätigt wurde. Farblich eingezeichnet mit braunen und violetten Rechtecken ist eine mögliche abc-Formation. Dabei wird die Höhe der ersten Abwärtswelle von 1,40 bis 1,35 Dollar an das Hoch der Zwischenerholung bei 1,37 Dollar nach unten hin projiziert. Dieses theoretische Kursziel hat das Währungspaar mit Kursen von 1,315 Dollar nun exakt abgearbeitet.

Die Zuverlässigkeit dieser Marke ist aber nur gering, zumal in der näheren Umgebung keine weiteren Unterstützungen zu erkennen sind. Lediglich die Unterkante eines möglichen Abwärtskanals ist nahezu erreicht, bereits Anfang September kreuzt die Gerade die nächste Haltemarke bei 1,31 Dollar. Ähnlich wie bereits die ehemalige Zone um 1,33 Dollar leitet sich auch diese Unterstützung nur aus einem kurzen Rücksetzer von Anfang September 2013 ab.

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"Tradesignal" ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.

(Foto: "Tradesignal" ist eine eingetragene Marke der Tradesignal GmbH. Nicht autorisierte Nutzung oder Missbrauch ist ausdrücklich verboten.)

 

Auch dieser Bereich ist, wie die rein psychologische Marke um 1,30 Dollar, nicht als relevante Haltemarke einzuordnen. Erst zwischen 1,255 bis 1,265 Dollar erstreckt sich eine breite und in den vergangenen Jahren mehrfach bewährte Zone. Diese Zielmarke dürfte der Markt wenn überhaupt nur über Zwischenerholungen erreichen.

Eine Fortsetzung der dynamischen Bewegung wie in den vergangenen Wochen ist dennoch eher unwahrscheinlich. Auch wenn die bisherige Abwertung bereits einige Akteure überrascht hat, kann noch nicht von einer Extrembewegung gesprochen werden. Mit einer Differenz zur 21-Tage-Linie von derzeit 1,16 Prozent notiert das Währungspaar zwar so weit unterhalb seiner Signallinie wie noch nie in diesem Jahr. In 2012 und 2013 wurden aber schon Werte von 2,3 bis 2,6 Prozent aufgerufen. Auch die Differenz zur längerfristigen 200-Tage-Linie ist mit aktuell 3,4 Prozent noch deutlich von den letzten Extremwerten aus 2012 von neun Prozent entfernt.

Zielmarken auf der Oberseite

Sollte die beschriebene abc-Konsolidierung dennoch ihre Kraft entfalten, könnte mit Blick auf die sehr bearischen Positionierungen an den Terminmärkten eine durchaus kräftige Bärenmarktrally einsetzen. Eine erste Zielzone liegt um 1,337, hier hätte der Euro rund 23 Prozent der Abwärtsbewegung seit Anfang Mai wieder aufgeholt. Richtungsweisend wird aber erst das Niveau um 1,35 Dollar. Neben der ehemaligen Unterstützung, die nun einen Rollentausch hin zu einem Widerstand vollzogen haben könnte, liegt hier auch die 38 Prozent-Niveau der Korrekturwelle.

Erst wenn die Aufwertung der Gemeinschaftswährung auch darüber noch anhalten sollte, springt die Ampel auf Orange, oberhalb von 1,37 Euro ist mit einer erneuten Euro-Rally zu rechnen. Doch das ist noch Zukunftsmusik - und wird es vorerst auch bleiben.

Quelle: ntv.de