Wirtschaft

Standard Chartered am Pranger Der Iran und die Euro-Banken

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Lieber keine Geschäfte mit dem Iran: Die deutsche Bankenlandschaft bleibt auf Distanz.

(Foto: picture alliance / dpa)

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Lieber keine Geschäfte mit dem Iran: Die deutsche Bankenlandschaft bleibt auf Distanz.

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Die Vorwürfe gegen Standard Chartered wachsen sich für die britische Großbank zur existenziellen Bedrohung aus. Müssen europäischen Geldhäuser mit ähnliche Risiken rechnen? Wie halten es deutsche und Schweizer Banken mit dem Iran? Ein Überblick.

In den USA drohen Aufsichtsbehörden der britischen Großbank Standard Chartered mit dem Entzug ihrer Banklizenz für die Vereinigten Staaten. Die Bank soll trotz bestehender US-Sanktionen fast zehn Jahre lang Geschäfte mit dem Iran abgewickelt haben. Das Volumen der Transaktionen wird auf über 250 Mrd. Dollar geschätzt.

Standard Chartered wurde von den Vorwürfen nach eigenen Angaben völlig überrumpelt. Das ist nicht sonderlich überraschend, denn in Europa hätten die Briten vermutlich nichts zu befürchten. Während die USA bis auf wenige Ausnahmen sämtliche Transaktionen mit dem Iran unterbinden, sind in der EU nur Geschäfte mit bestimmten Personen und Banken verboten. Diese stehen auf einer sogenannten schwarzen Liste.

In Sachen Iran-Geschäfte lässt sich den in der EU ansässigen Banken demnach rechtlich keine greifbaren Vorwürfe machen, solange die Transaktionen die EU-Vorgaben berücksichtigen und nicht das US-Geschäft der Institute betreffen. Trotz dieser klaren Abgrenzung ist seit Jahren zu beobachten, dass auch europäische Banken ihr Interesse an Neugeschäften mit dem Iran immer weiter zurückfahren. Lediglich bestehende Verträge werden noch erfüllt.

Wie hält es die Branche in Deutschland und der Schweiz mit dem Thema Iran-Geschäfte? Die Stellungnahmen einiger Institute im Überblick:

Deutsche Bank

Deutschlands Branchenprimus hat bereits 2007 beschlossen, auf weitere Neugeschäfte mit Ländern wie dem Iran, Syrien, Sudan oder Nordkorea zu verzichten und bestehende Geschäfte dort soweit wie rechtlich möglich zu beenden. Auch die Zweigstelle der Bank in Irans Hauptstadt Teheran wurde Ende 2007 geschlossen. Verblieben seien lediglich ältere Verträge, zu deren Erfüllung die Bank rechtlich verpflichtet sei.

Deutsche Postbank

Die Bank wollte sich zu der Frage, ob es noch Geschäftsbeziehungen zum Iran gibt, nicht weiter äußern. "Wir halten uns an alle nationalen und internationalen Vorschriften", sagte ein Sprecher lediglich. Die Postbank gehört seit Ende März offiziell zur Deutschen Bank.

Commerzbank

Deutschlands zweitgrößte Bank hat das Neugeschäft mit dem Iran ebenfalls 2007 eingestellt und ihre dortige Geschäftsstelle vor rund zwei Jahren geschlossen. "Wir wollen keine Transaktionen mehr mit dem Iran machen", sagte ein Sprecher der Bank vor dem Hintergrund der aktuellen Vorwürfe gegen Standard Chartered.

BHF Bank

Die Deutsche-Bank-Tochter hat ihre Geschäfte mit dem Iran bereits vor Jahren beendet und beachtet nach eigenen Angaben alle Handelsverbote.

Deutschlands Landesbanken

Die BayernLB geht nach eigenen Angaben seit 2006 kein Neugeschäft mit iranischen Adressen mehr ein. Das Institut halte alle internationalen Sanktionsbestimmungen ein.

Die HSH Nordbank hat 2007 ihre Geschäftspolitik an die internationalen Sanktionen angepasst. Neugeschäfte mit Iran-Bezug werden nicht mehr eingegangen, wie die Bank mitteilte.

Auch die Helaba und die NordLB erklärten auf Anfrage, sie machten seit Jahren kein Neugeschäft mehr im Iran.

UBS

Bereits 2005 hat die Schweizer Großbank entschieden, keine Geschäfte mehr mit dem Iran anzustreben. Das gilt für alle Privat- und Geschäftskunden, die im Iran angesiedelt sind.

Die Nationalität der Kunden sei jedoch kein Kriterium, betonte die Bank. Darüber hinaus schließt die UBS auch indirekte Iran-Transaktionen über Zahlungs- und Handelsfinanzierungsdiensten aus.

Credit Suisse

Die Schweizer Großbank ist ein gebranntes Kind: Das Geldhaus mussten vor knapp drei Jahren bereits 536 Mio. Dollar Strafe wegen Sanktionsverstößen zahlen.

Die Vorwürfe der US-Behörden bezogen sich damals vor allem auf Iran-Geschäfte der Bank von 2002 bis 2007. Mittlerweile hat die Bank alle Auflagen im Zuge des Vergleichs erfüllt, womit die Angelegenheit für die Schweizer beendet ist.

Quelle: n-tv.de, rts

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23.04.09