Wirtschaft

Investmentbanking leidet Deutsche Bank spürt die Krise

Die von der europäischen Schuldenkrise ausgelösten Turbulenzen an den Kapitalmärkten hinterlassen in der Bilanz der Deutschen Bank ihre Spuren. Vor allem das Investmentbanking präsentiert sich ganz schwach – in ihrer Paradedisziplin erwirtschaftet die Bank lediglich einen mickrigen Gewinn.

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(Foto: REUTERS)

Deutliche Einbußen im Investmentbanking haben die Gewinne der Deutschen Bank im dritten Quartal dezimiert. Der deutsche Branchenprimus fuhr im dritten Quartal nur noch einen ein Bruchteil des Gewinns der beiden ersten Quartale ein. Vor Steuern verdiente die Bank 942 Mio. Euro. Das war deutlich mehr als mit 572 Mio. Euro von Analysten erwartet, jedoch auch deutlich weniger als in den Quartalen zuvor.

Der scheidende Vorstandschef Josef Ackermann, der das Rekord- Gewinnziel für 2011 wegen der Flaute im Kapitalmarktgeschäft schon zu Monatsbeginn kassiert hatte, gab sich enttäuscht: "Im dritten Quartal war das operative Umfeld so schwierig wie seit dem Jahresende 2008 nicht mehr", erklärte er.

Unterm Strich verdiente das Institut 777 Mio. Euro. Vor einem Jahr stand an dieser Stelle noch ein Verlust von 1,2 Mrd. Euro. Das lag allerdings an einer milliardenschweren Sonderabschreibung wegen der Übernahme der Postbank. Operativ lief das Geschäft damals noch glänzend.

Flaute bei Investmentbankern

Ursprünglich hatte Ackermann für dieses Jahr einen Vorsteuergewinn von zehn Milliarden Euro aus den Kerngeschäftsfeldern angepeilt - und dabei große Hoffnung in seinen Chef-Investmentbanker und designierten Nachfolger Anshu Jain gesetzt, der traditionell den Löwenanteil der Gewinne beisteuert. Nun sind es nach neun Monaten 6,3 Mrd. Euro. Spätestens in den Sommermonaten hatte sich abgezeichnet, dass das Gewinnziel in weite Ferne gerückt ist. Rund um den Globus waren die Anleger durch die Schuldenkrise so verunsichert, dass sie sich im Handel mit Anleihen, Devisen und Rohstoffen zurückhielten. Und auch im Geschäft mit Fusionen, Übernahmen und Kapitalerhöhungen herrschte Flaute.

Diesem Trend konnte sich die Deutsche Bank nicht entziehen. In ihrer Investmentbanking-Sparte (CB&S) schrieb sie im abgelaufenen Quartal einen Mini-Vorsteuergewinn von 70 Mio. Euro nach einem Milliardengewinn im Vorjahreszeitraum. Von einer geringeren Bewertung ihrer eigenen Verbindlichkeiten in der Bilanz machte die Deutsche Bank weniger stark Gebrauch als ihre US-Wettbewerber, denen der Kniff teils milliardenschwere Buchgewinne brachte.

Bis zum Frühjahr 2012 soll bei der Deutschen Bank jeder zehnte Investmentbanker seinen Hut nehmen. Im Vergleich zum Höchststand vor einem Jahr von rund 15.800 Bankern soll die Zahl der Stellen um zehn Prozent auf gut 14.000 sinken. Die Bank hatte vor drei Wochen die Streichung von weiteren 500 Stellen im Investmentbanking bis Ende März 2012 angekündigt. Das ist möglicherweise noch nicht das Ende: "Wir passen die Plattform an und werden das auch weiterhin tun, wenn sich am Umfeld nicht ändert", sagte Finanzvorstand Stefan Krause.

Lukratives Privatkundengeschäft

Das zweite Standbein, das durch die Postbank-Übernahme deutlich ausgebaute Privatkundengeschäft (PBC), wirft dagegen immer mehr ab. Hier verdiente die Deutsche Bank im abgelaufenen Vierteljahr vor Steuern 310 Mio. Euro, ein Plus von 27 Prozent. Die Vermögensverwaltung (AWM) steigerte ihr Ergebnis auf 186 (Vorjahr: 91) Mio. Euro.  

Ihre vor allem bei der Postbank liegenden griechischen Staatsanleihen hat die Deutsche Bank inzwischen auf den Marktwert - also um mehr als die Hälfte - abgeschrieben, was im dritten Quartal noch einmal 228 Mio. Euro kostete. Das Institut kann die derzeit laufende Debatte über einen größeren Forderungsverzicht der privaten Gläubiger für Griechenland daher relativ gelassen verfolgen. Die Bank hält noch knapp 900 Mio. Euro an Hellas-Bonds.

Kein Staatsgeld

Verschärfte Kapitalanforderungen der EU-Finanzaufsicht muss die Deutsche Bank laut ihres Finanzchefs Krause nicht fürchten. Die Bank werde zum 30. Juni 2012 allein dadurch auf eine harte Kernkapitalquote von 9,1 Prozent kommen, indem sie die bereits eingeleiteten Maßnahmen zur Einführung der Handelsbuch-Regeln von Basel 2.5 umsetze. "Deshalb sind wir so gewiss, dass wir keine öffentlichen Gelder brauchen", betonte er. Der Ansatz aller europäischer Staatsanleihen zu Marktwerten koste die Deutsche Bank nur rund 100 Mio. Euro.

Die EU fordert bis Mitte 2012 eine harte Kernkapitalquote von neun Prozent von den 60 wichtigsten europäischen Banken. Auch auf die Einführung der Eigenkapitalregeln von Basel III sieht Krause die Deutsche Bank gut vorbereitet. Um Anfang 2013 auf eine nur noch aus Stammkapital und Gewinnrücklagen bestehende Kernkapitalquote von neun Prozent zu kommen, müsse das Institut nur seine risikogewichtete Bilanzsumme (RWA) um 30 Mrd. Euro reduzieren, wenn sich die Gewinnschätzungen der Analysten erfüllten, sagte er.

Quelle: ntv.de, nne/rts/dpa

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