Wirtschaft
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Dienstag, 30. April 2013

Kauflaune kennt keine Flaute: Deutsche sparen so wenig wie nie

Die deutschen Verbraucher lassen sich von der europäischen Schuldenkrise nicht die Laune verderben. Trotz mauer Konjunkturdaten steigt die Stimmung. Die Eskalation in Zypern unterstützt diese Entwicklung nur noch. Denn entscheidender als die Schieflage in den Staatskassen sind die persönlichen Verhältnisse.

Die Deutschen sparen so wenig wie noch nie und sind in Kauflaune wie seit Jahren nicht mehr. Die Sparneigung fiel im April auf einen historischen Tiefstand, teilte die Gesellschaft für Konsumforschung (GfK) zu ihrer monatliche Verbraucherumfrage mit. Selbst die Eskalation der Schuldenkrise in Zypern habe die Konsumstimmung hierzulande nicht nachhaltig gedämpft, teilte das Marktforschungsinstitut GfK in Nürnberg mit. Im Gegenteil: Die Zypern-Krise unterstützte diese Entwicklung noch. "Die Zwangsabgabe in Zypern hat auch die bundesdeutschen Sparer in ihrem Vertrauen in die Sicherheit ihrer Einlagen erschüttert", sagte GfK-Experte Rolf Bürkl. Dort wurden Kunden der größten Banken mit einem Guthaben ab 100.000 Euro mit einer Zwangsabgabe belegt, um eine Staatspleite zu verhindern.

Vor diesem Hintergrund legte vor allem die Bereitschaft der Deutschen zu größeren Anschaffungen zu. Da sie auch die Einkommenserwartungen nach oben schraubten, kletterte das für Mai berechnete Konsumklimabarometer von 6,0 auf 6,2 Punkte - das ist der höchste Stand seit Oktober 2007. "Die Verunsicherung gegenüber den Finanzmärkten stimuliert die Konsumenten, ihre finanziellen Mittel in werthaltige Anschaffungen zu investieren anstatt sie zur Bank zu tragen", sagte Bürkl. "Zumal die zur Zeit historisch niedrigen Zinsen nicht einmal die Inflation kompensieren."

Reale Lohnzuwächse in Sicht

Beflügelt wird die Kauflaune auch vom stabilen Arbeitsmarkt und der Aussicht auf höhere Reallöhne. Die in diesem Jahr bereits vereinbarten Tarifabschlüsse deuteten auf reale Einkommenszuwächse für viele Beschäftigten hin, sagte Bürkl. "Derzeit bewegen sich die tariflichen Zuwächse in einer Größenordnung von etwa drei Prozent." Die Inflationsrate dürfte unter zwei Prozent bleiben.

Die Konjunkturaussichten bewerteten die Verbraucher dagegen schlechter. Dieser Indikator rutschte in den negativen Bereich und liegt damit unter seinem langjährigen Durchschnitt. "Die Nachrichten, dass der Euroraum auch in diesem Jahr in der Rezession verharren wird, bremsen auch den Konjunkturoptimismus der Deutschen", sagte GfK-Experte Bürkl. "Offenbar gewinnen die Konsumenten zunehmend den Eindruck, dass die für dieses Jahr vorhergesagte moderate Erholung der deutschen Wirtschaft eher schleppend verlaufen wird oder sich sogar gar nicht abzeichnet." So hatte sich mit dem Ifo-Index der wichtigste Frühindikator für die deutsche Konjunktur zuletzt zweimal in Folge eingetrübt.

Quelle: n-tv.de