Wirtschaft

Trump will Strafzölle für BMW "Die USA müssen bessere Autos bauen"

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Der kommende US-Präsident Trump droht BMW mit Strafzöllen. Dabei sind US-Autobauer viel größere Jobkiller.

(Foto: picture alliance / Patrick Seman)

Donald Trump droht deutschen Autobauern mit Strafzöllen, Wirtschaftsminister Gabriel keilt zurück: Der Zoll-Hammer könnte BMW, Daimler und VW hart treffen. Dabei sind die Konzerne in den USA alles andere als Jobvernichter.

Donald Trump tritt erst am Freitag sein Amt als neuer US-Präsident an. Doch sein Interview mit der "Bild"-Zeitung lässt schon jetzt nichts Gutes für die transatlantischen Wirtschaftsbeziehungen erahnen. "Ich würde BMW sagen, wenn sie eine Fabrik in Mexiko bauen und Autos in die USA verkaufen wollen ohne eine 35-Prozent-Steuer, dann können sie das vergessen", sagte Trump. "Sie werden für jedes Auto, das in die USA kommt, 35 Prozent Steuern zahlen."

BMW und die deutsche Politik reagieren noch mit Unverständnis und Zurückhaltung. Sollte Trump seine Ankündigung wahrmachen, würde das die deutschen Autobauer aber hart treffen: Viele von ihnen produzieren schon seit langem in Mexiko - oder planen wie BMW dort eine Fabrik hochzuziehen. Strafzölle würden ihre Profite und Verkaufszahlen deutlich schmälern.

Trumps Drohung mit dem Zoll-Hammer ist bisher nicht mehr als politisches Säbelrasseln: Er setzt darauf, sie gar nicht erst wahrmachen zu müssen, weil die Hersteller vorher einknicken und keine Werke nach Mexiko verlagern, wie zuletzt Ford. Ob diese Strategie bei den deutschen Autobauern so funktioniert, ist allerdings fraglich.

"Deutschland ist nicht schwach"

BMW zeigt sich bislang unbeeindruckt von Trumps Drohungen. Der Autokonzern hat bisher zwar keine Fabrik in Mexiko, will aber eine in San Luis Potosi eröffnen: "Das Werk in Mexiko produziert für den Weltmarkt BMW 3er und wird 2019 fertiggestellt sein", sagte Entwicklungsvorstand Klaus Fröhlich der "WirtschaftsWoche".

Für seine Kritik an ausländischen Konzernen, die Arbeitsplätze in den USA vernichten, hat sich Trump mit BMW die falsche Firma ausgesucht: Das BMW-Werk in Spartanburg, South Carolina hat 2016 über 400.000 Autos produziert. BMW ist der größte Auto-Exporteur der USA. "Die BMW Group ist in den USA zuhause. Wir beschäftigen landesweit direkt und indirekt fast 70.000 Menschen", sagte eine BMW-Sprecherin. Auch Volkswagen und Daimler unterhalten in Chattanooga, Tennessee und Cleveland, North Carolina große US-Werke mit tausenden Mitarbeitern.

Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel (SPD) kontert Trumps Drohungen deutlich und warnt vor Strafzöllen. "Die amerikanische Autoindustrie wird dadurch schlechter, schwächer und teurer", sagte Gabriel der "Bild"-Zeitung. Es führe zu nichts, "andere schwächer zu machen, dadurch wird man selber nicht stärker". Auf die Frage, wie US-Konzerne mehr Autos verkaufen könnten, sagte Gabriel: "Dafür müssen die USA bessere Autos bauen." Deutschland sei "nicht schwach und unterlegen".

US-Autobauer sind größte Jobvernichter

Von US-Strafzöllen für Auto-Importe aus Mexiko wäre vor allem Volkswagen betroffen. Der Konzern beschäftigt in seinem Werk in Puebla fast 15.000 Menschen in der Produktion der Modelle Jetta, Golf und Beetle. Hinzu kommen noch einmal 3.300 Mitarbeiter in San José Chiapa, die den Audi Q5 herstellen. Insgesamt rollten bei VW in Mexiko im vergangenen Jahr laut dem mexikanischen Automobilverband AMIA rund 390.000 Autos vom Band. Mehr als die Hälfte der Autos ging als Export in die USA und Kanada.

Am meisten profitieren von den Billig-Löhnen in Mexiko allerdings nicht die deutschen, sondern die US-Autobauer selbst. Nicht ausländische, sondern heimische Konzerne sind die größten Jobvernichter in der US-Autoindustrie: Ford stellte 2016 über 360.000 Autos in Mexiko her - über 90 Prozent davon landeten wieder in den USA. Fiat-Chysler produzierte südlich des Rio Grande rund 425.000 Einheiten - und schickte ebenfalls über 90 Prozent davon zurück über den Fluss. Und bei General Motors liefen sogar rund 650.000 Autos in Mexiko vom Band - über 70 Prozent gingen als Exporte zurück in die USA.

Mehr Jobs in die USA zurückholen könnte Trump also nicht mit Zöllen gegen Auslandsfirmen, sondern Strafen für US-Konzerne. Und selbst wenn der neue US-Präsident seine Drohung wahr macht, würden Strafzölle womöglich nicht viel nützen. Globale Kostenvorteile werden sich Ford, General Motors, Daimler, BMW und Volkswagen so schnell nicht nehmen lassen. Sie könnten ihre Autos weiter in Mexiko bauen, dann aber über Kanada in die USA importieren. Das wäre zwar teurer. Aber immer noch günstiger, als neue Fabriken wegen populistischer Drohungen in Detroit zu bauen.

Quelle: ntv.de