Wirtschaft

Was wird aus dem Gold? Die Zinswende ist da

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2018 ist das Jahr der Zinswende - zumindest in den USA. Für Anleihen bedeutete das schmerzhafte Verluste. Geht das 2019 so weiter? n-tv.de hat mit drei Experten gesprochen.

n.tv.de: Amerikanische Staatsanleihen mit zehn Jahren Laufzeit werfen mittlerweile fast drei Prozent Zinsen ab - doppelt so viel wie vor eineinhalb Jahren. Setzt sich die Zinswende 2019 in den USA weiter fort?

Uwe Günther: Nein, die höchsten Renditen bei US-Staatsanleihen liegen bereits hinter uns. 2019 wird für US-Treasuries ein tolles Jahr. Die Renditen werden fallen und die Kurse steigen. Aber Hände weg von schwachen Unternehmensanleihen.

Carsten Riehemann: Auch in den USA kühlt die Wirtschaft ab, und der Zinserhöhungszyklus kommt zum Erliegen.

Marco Herrmann: Das sehe ich grundsätzlich ähnlich. Allerdings wirft die amerikanische Notenbank Fed monatlich Anleihen im Wert von rund 50 Milliarden Dollar auf den Markt. Das belastet die Anleihenkurse und dämpft das Potenzial der Renditen nach unten.

US-Präsident Donald Trump hat durch seine Steuerreform die Staatsverschuldung auf ein Rekordniveau getrieben. Der Staat muss neue Anleihen ausgeben, was tendenziell die Kurse drückt und die Renditen steigen lässt - ist das eine ausgemachte Sache?

Riehemann: Nein, das ist deutlich differenzierter zu betrachten, da die Aussage zum Beispiel auch eine gleichbleibende Nachfrage unterstellt. Das ist aber nicht der Fall.

Herrmann: Ja genau. Die geopolitischen und konjunkturellen Unsicherheiten haben für eine Flucht in sichere Anlagen gesorgt. Nicht nur das Angebot, sondern auch die Nachfrage nach US-Staatsanleihen hat also zugenommen.

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Carsten Riehemann ist Geschäftsführender Gesellschafter bei der Vermögensverwaltung Albrecht, Kitta & Co. und seit Mitte der 90er Jahre als Vermögensverwalter und Vermögensberater für Unternehmer, Privatkunden und Stiftungen tätig.

Falls der Handelsstreit zwischen den USA und China eskaliert, könnte Peking amerikanische Staatsanleihen als Druckmittel einsetzen. China ist immerhin der größte ausländische Gläubiger der Vereinigten Staaten. Wie groß ist diese Gefahr?

Günther: Die ist bereits real. Auf der anderen Seite brauchen die Chinesen weiterhin den Weltmarkt für ihre Produkte - nicht nur den amerikanischen. Eine Eskalation des Handelsstreits ist nicht in ihrem Interesse.

Riehemann: 2018 hat ja China schon milliardenschwere Abflüsse aus US-Treasuries eingeleitet. Letztendlich schadet sich die Volksrepublik damit aber im größeren Maße selbst, und das weiß Peking auch. Von daher ist das Druckmittel wahrscheinlich gar nicht so groß. Außerdem: Wo sollen die Chinesen denn außerhalb ihres eigenen Landes dann investieren?

In Europa war noch keine Bewegung bei den Zinsen zu beobachten. Die Inflation stieg jedoch im Oktober in Deutschland auf 2,5 Prozent. Drohen auch hier höhere Zinsen und damit Kursverluste für Anleihen?

Herrmann: Die Europäische Zentralbank befindet sich im Spannungsfeld zwischen den vorhandenen Konjunkturrisiken und ansteigender Inflationsrate. Im Zweifel werden sich die Währungshüter für eine Unterstützung der Wirtschaft entscheiden. Seit 2008 hatte die EZB bereits zweimal verfrüht die Zinsen angehoben - diesen Fehler wird sie nicht wiederholen.

Günther: Ich halte sogar das Gegenteil für möglich. Wenn die europäische Peripherie weiter wegbricht, könnten selbst die angeblich so unattraktiven Bundesanleihen trotzdem gekauft werden. Die Renditen würden weiter sinken und die Kurse dementsprechend steigen.

Kommen wir zum Gold. Steigende Zinsen sind Gift für das Edelmetall, da es keine laufenden Erträge abwirft. Eine zunehmende Teuerungsrate ist dagegen positiv, da Gold als Inflationsschutz dient. Welcher Effekt überwiegt 2019?

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Marco Herrmann ist seit 1992 für renommierte Banken und Fondsgesellschaften tätig. Seit 2010 verantwortet er als Geschäftsführer die Anlagestrategie der FIDUKA.

Riehemann: Aus vielschichtigen Gründen trauen wir Gold angesichts der Turbulenzen an den Finanzmärkten als Stabilisator des Portfolios auch wieder positive Jahre zu. Die Entwicklung des Dollars spielt für europäische Anleger natürlich auch immer eine Rolle, weil Gold eben in Dollar notiert.

Herrmann: Ich bin auch positiv für das Edelmetall. Nach der mehr als siebenjährigen Baisse stehen nun die Zeichen günstig für eine endgültige Trendwende nach oben. Spätestens in der zweiten Jahreshälfte 2019, wenn sich ein Ende der Zinserhöhungen in den USA abzeichnet und damit auch der US-Dollar schwächer tendieren sollte, könnte Gold an neuem Glanz gewinnen.

Günther: Wenn die Notenbanken 2019/2020 konzertiert zur nächsten Rettungsaktion blasen müssen, geht hier die Party wieder los.

Gold gilt an den Finanzmärkten außerdem als Versicherung gegen Risiken. Davon gibt es derzeit genug: mögliche Handelskriege, Brexit oder Mittlerer Osten. Während die Aktienmärkte auf diese Gefahren spürbar reagiert haben, ist das bei Gold kaum der Fall gewesen. Ändert sich das wieder?

Günther: Ganz sicher. Bitte bedenken Sie aber, dass Russen und Chinesen, die seit Jahren jeden Monat tonnenweise aufstocken, kein Interesse an explodierenden Preisen haben. Zumindest noch nicht.

Riehemann: Ja, Gold ist als Beimischung auf jeden Fall interessant.

Ein anderer interessanter Rohstoff ist Öl. Der Preis für die Sorte Brent ist im Oktober von gut 80 auf weniger als 60 Dollar abgestürzt. Deutet sich da ein Konjunktureinbruch mit sinkender Ölnachfrage an?

Riehemann: Die sinkende konjunkturelle Dynamik sollte schon eingepreist sein. Die beschlossene Reduzierung der Förderung der OPEC ist sicherlich ein Resultat daraus.

Günther: Die Ölnachfrage ist ja weitgehend stabil. Hier spielen eher komplexe politische Themen und eine Rolle.

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Uwe Günther ist Gründungsgesellschafter und Geschäftsführer der BPM - Berlin Portfolio Management GmbH.

Jetzt hat auch noch Katar angekündigt, Anfang nächsten Jahres aus der OPEC auszusteigen. Verfügt das Kartell überhaupt noch über eine größere Bedeutung?

Herrmann: Ja mit Einschränkungen. Die USA sind zwar mittlerweile der größte Öl- und Gasproduzent. Letztendlich reichen aber kleinere Veränderungen von Angebot und Nachfrage, um die Ölpreise zu bewegen.

Günther: Für die Herren des schwarzen Goldes wird die Luft dünner. Hier kämpft bald jeder allein um sein Überleben, zumal auch die Förderkosten höchst unterschiedlich sind.

Riehemann: Noch ist die OPEC der wichtigste Verbund der erdölexportierenden Länder, aber verliert natürlich mit jedem abtrünnigen Mitglied auch an Bedeutung.

Im vergangenen Jahr machte der Bitcoin mit seiner Kursexplosion Schlagzeilen. Dieses Jahr auch, allerdings negative. Ist das Thema Kryptowährungen durch?

Herrmann: Ich befürchte nein. Der Wert unseres Geldes wird von den extrem hohen Staatsschulden in Frage gestellt. Seitdem es Geld gibt, haben Könige, Kaiser und Politiker durch ihr ungezügeltes Ausgabenverhalten den Wert des Geldes vernichtet. Daher wird es immer wieder Versuche geben, ein besseres Geld auf den Markt zu bringen. Ob man da dann dabei sein muss, ist eine andere Frage.

Riehemann: Für uns war es nie ein Thema, Kryptowährungen aufzunehmen. Wir haben die Entwicklung in diesem Jahr nach den Übertreibungen im Vorjahr befürchtet.

Günther: Der Bitcoin, als eine von hunderten Kryptowährungen, hat es einfach nicht geschafft, die bekannten technischen und regulatorischen Herausforderungen zu lösen. Das Thema Blockchain ist aber nicht durch – im Gegenteil.

Wenn Anleihen aufgrund steigender Zinsen brandgefährlich sind, Gold nicht vom Fleck kommt und Kryptowährungen einbrechen: Was bleibt dem Anleger dann noch als Alternative - doch nur Aktien?

Günther: Da muss ich widersprechen. Anleihen sind eben nicht brandgefährlich, sondern teilweise wieder hochinteressant. Und Gold stabilisiert sich, das ist doch schon was. Da kann noch mehr kommen. Aktien haben dagegen, wie von uns vor einem Jahr prognostiziert, ihren Marsch nach Süden begonnen.

Herrmann: Anlagen wie beispielsweise Bundesanleihen bieten keine Rendite mehr. Die Aktienmärkte locken dagegen mit üppigen Dividendenrenditen, erfordern derzeit aber ein starkes Nervenkostüm. In solch unsicheren Zeiten führt kein Weg an einem breit aufgestellten und ausgewogenen Portfolio vorbei, das eine Mischung aus Anleihen, Aktien, Gold und Cash enthält.

Riehemann: Letztendlich kommt es auf das aktive Management aller Anlageklassen an. Ein klassisches Buy-and-hold-Verhalten führt in diesem Umfeld nicht zu optimalen Resultaten.

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Quelle: n-tv.de