Wirtschaft

Schrauben-Könige und BMW-Erben Diese Deutschen schwimmen im Geld

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(Foto: imago/McPHOTO)

In seinem jährlichen Ranking kürt das "Manager Magazin" die zehn reichsten Deutschen. Dieses Mal stehen nicht mehr die BMW-Erben an erster Stelle. Platz eins belegt eine kaum bekannte Unternehmerfamilie, die noch unauffälligere Produkte herstellt.

88,8 Milliarden Dollar - ein derartiges Vermögen sprengt eigentlich jegliche Vorstellungskraft. Vermutlich kann nicht einmal Bill Gates etwas mit dieser Summe anfangen. Laut "Forbes" ist der Microsoft-Gründer der reichste Mensch der Welt.

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Die BMW-Erben Susanne Klatten und Stefan Quandt sind nicht mehr auf Platz Eins der reichsten Deutschen.

(Foto: dpa)

Aber nicht nur die Software-Elite der USA badet im Geld. Das "Manager Magazin" kürt regelmäßig die reichsten Deutschen. An Gates' 88,8 Milliarden Dollar kommen sie zwar nicht heran. Trotzdem stehen acht von ihnen auf der Top-100-Liste von "Forbes". Und zusammengezählt würde ihr Vermögen fast 60 Prozent des Bundeshaushalts ausmachen. Ihren Reichtum haben die Reichsten des Landes auf ganz unterschiedliche Weisen gemacht.

Reinhold Würth, Würth-Gruppe: 9,2 Milliarden Euro

Im Alter von 21 Jahren übernahm Reinhold Würth den Schrauben-Handel seines Vaters im baden-württembergischen Künzelsau. Seitdem ist die Würth-Gruppe zum Marktführer für Montagetechnik aufgestiegen, die 70.000 Mitarbeiter in 80 Ländern beschäftigt. Würth ist Bundesverdienstkreuzträger, fördert die Kunst – unter anderem tragen mehrere Museen seinen Namen - und errichtete für seine Frau Carmen eine Konzerthalle, bei deren Eröffnung Sting auftrat. Heute lebt der 82-Jährige in einem Schloss bei Künzelsau und besitzt eine der größten Motoryachten der Welt.

Heinz Hermann Thiele, Knorr-Bremse AG: 9,6 Mrd. Euro

Der 76-Jährige Mainzer machte seine Druckluftbremsen-Firma 1989 zu einer Aktiengesellschaft. Ende der 60er Jahre hatte er dort zunächst als juristischer Sachbearbeiter begonnen. Inzwischen liegt der Umsatz von Knorr-Bremse bei 5,5 Milliarden Euro. Nur eine Dynastie wird Thiele nicht gründen können, nachdem er sich laut "Manager Magazin" mit seinem Sohn zerstritten und dieser seine Anteile an der Firma an ihn überschrieben hat.  

Klaus-Michael Kühne, Kühne+Nagel: 11 Mrd. Euro

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Klaus-Michael Kühne betreibt die Spedition Kühne+Nagel.

(Foto: picture alliance / dpa)

Mit seiner Spedition bewegt Klaus-Michael Kühne nicht nur Güter rund um den Planeten, sondern auch Milliarden auf sein Konto. Außerdem ist er Gesellschafter bei der Reederei Hapag-Lloyd. Mit seinem Vermögen finanziert er die Kühne-Stiftung, baute ein Luxus-Hotel an der Hamburger Binnen-Alster und investierte in die Elbphilharmonie sowie den Hamburger SV. Allerdings gab er im September bekannt, sich bald von seinem Fußballverein lösen zu wollen. Kühne lebt in der Schweiz.

Familie Otto, Otto Group: 13 Mrd. Euro

Vor sechs Jahren verstarb Werner Otto, Oberhaupt der Unternehmerfamilie. Seitdem führt sein Sohn Michael die Geschäfte. Neben dem gleichnamigen Versandhaus besitzt die Familie unter anderem den Paketdienst Hermes und das Sportgeschäft Sportscheck. Die Otto Group gilt als einer der größten Onlinehändler, steht damit aber in direkter Konkurrenz zum Marktführer Amazon. Firmenerbe Benjamin Otto möchte das Unternehmen zwar nicht leiten, aber als Aufsichtsratschef in die Fußstapfen seines Vaters treten.

Theo Albrecht Junior und Babette Albrecht, Aldi Nord: 18 Mrd. Euro

Die Nord-Hälfte des Discounter-Riesen Aldi liegt seit einiger Zeit im Streit mit sich selbst. Theo Albrecht Junior, Erbe des Aldi-Gründers Theo Albrecht, kämpft gegen seine Schwägerin Babette Albrecht und ihre Versuche, den eigenen Einfluss auf den Konzern zu mehren. Im Mittelpunkt der Probleme stehen die Stiftungen, die das Unternehmensvermögen verwalten. Außer Aldi Nord gehört der US-amerikanische Einzelhändler Trader Joe's zum Portfolio der Albrechts. Über Albrecht Junior ist nur wenig bekannt; seinen einzigen öffentlichen Auftritt hatte er in einem Interview mit dem Handelsblatt 2016. Babette Albrecht ist weniger medienscheu. Die fünffache Mutter stand schon 2014 im Zuge einer Anzeige gegen den Kunstberater Helge Achenbach im Licht der Öffentlichkeit.

Familien Albrecht und Heister, Aldi Süd: 21,5 Mrd. Euro

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Dank der Discounter Aldi und Lidl besitzen Familie Albrecht und Dieter Schwarz Milliarden.

(Foto: picture alliance / dpa)

Rund 3,5 Milliarden Euro mehr als ihre Verwandtschaft kann die Sippe von Aldi-Süd-Gründer Karl Albrecht verzeichnen. Nach seinem Tod ging der Discounter an seine Tochter Beate und ihren Mann Peter Heister über. Neben Filialen in Deutschland betreibt Aldi Süd auch die österreichischen und Schweizer Ableger des Lebensmittelhandels. Zudem findet man das Unternehmen in den USA, Großbritannien und Australien – Aldi-Nord ist hingegen in Westeuropa vertreten.

Georg und Maria-Elisabeth Schaeffler, Schaeffler-Gruppe: 22 Mrd. Euro

Reifen von Continental kennt jeder, die Schaeffler-Gruppe vermutlich nur Kenner der deutschen Autoindustrie. Unter dem Dach der Gruppe vereinen sich die Unternehmen INA, FAG und LUK, die Motorenbauteile an führende Autohersteller liefern. Der Konzern wurde zu Beginn des Zweiten Weltkriegs gegründet und produzierte damals Teile für Panzerketten. 2008 übernahm Schaeffler den Reifenhersteller Continental und verschuldete sich dafür massiv. Maria-Elisabeth Schaeffler und ihren Sohn Georg brachte das an den Rand des Ruins. Seitdem hat sich die Unternehmerfamilie aber finanziell wieder erholt. Die in Prag geborene Maria-Elisabeth Schaeffler hält heute 20 Prozent am Familienunternehmen, ihr Sohn die restlichen 80 Prozent.

Dieter Schwarz, Schwarz-Gruppe: 22 Mrd. Euro

Aus einem Lebensmittelgroßhandel baute Dieter Schwarz ein Discounter-Imperium auf. 1973 eröffnete der erste Lidl-Markt in Ludwigshafen - benannt nach dem Geschäftspartner seines Vaters. Denn die Gefahr eines Wortspiels à la "Schwarzmarkt" wollte Schwarz unterbinden. Inzwischen ist das Unternehmen mit über 10.200 Filialen zu einem der größten Lebensmittel-Händler der Welt geworden. Auch die Supermarktkette Kaufland lässt bei Schwarz die Kassen klingeln. Im kommenden Jahr soll der Umsatz auf 100 Milliarden steigen, verspricht der 78-Jährige. Schwarz ist Träger der Verdienstmedaille des Landes Baden-Württemberg – womit er eine Gemeinsamkeit mit Reinhold Würth hat.

Susanne Klatten und Stefan Quandt, BMW AG: 31,5 Mrd. Euro

Bruder und Schwester können auf eine lange Ahnengalerie an erfolgreichen Unternehmern zurückblicken. Ihr Vater Harald Quandt erbte in den 1950er Jahren die Quandt-Gruppe, zu der unter anderem BMW und Mercedes-Benz gehörten. Darauf bauten die Geschwister ihren heutigen Reichtum auf, beließen es aber nicht bei Autos aus Bayern. Susanne Klatten gehören auch der Chemiekonzern Altana sowie Anteile am Windturbinenhersteller Nordex und Kohlenstofffaserproduzenten SGL Carbon. Der Großteil ihres Vermögens schlummert aber weiterhin in BMW-Aktien. Klatten ist die reichste Frau Deutschlands und Bundesverdienstkreuzträgerin. Ihren Mann lernte sie während eines Praktikums im BMW-Werk Regensburg kennen.

Familie Reimann, JAB Holding: 33 Mrd. Euro

Im Vorjahr standen noch Stefan Quandt und Susanne Klatten auf Platz Eins. Diesen Rang haben ihnen nun die vier Reimanns aus Heidelberg mit ihrer Holding-Gesellschaft abgelaufen, die im Parfümgeschäft, in der Fast-Food-Branche und in Lederwaren engagiert ist. Zuletzt investierte die Familie verstärkt in Kaffee-Unternehmen, darunter den Senseo-Hersteller D.E. Master Blenders, den sie für 7,5 Milliarden Euro übernahm. Heute gebieten die Reimanns über 20 Prozent des weltweiten Kaffeeabsatzes, schreibt das "Manager Magazin". Zudem besitzen sie Anteile am Reinigungsmittel-Riesen Reckitt Benckiser. Wie auch Theo Albrecht Junior hält sich Familie Reimann äußerst bedeckt und tritt kaum öffentlich auf.

Quelle: n-tv.de

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