Wirtschaft

Wie geht es der US-Wirtschaft? Donald Trump – das unterschätzte Risiko

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Will US-Präsident werden: Donald Trump.

(Foto: REUTERS)

Alles eitel Sonnenschein? Das denken einige US-Notenbanker und andere Ökonomen, wenn sie auf die US-Konjunktur blicken. Doch sie irren sich gewaltig.

Der Arbeitsmarkt in den USA läuft, der Weg zur Vollbeschäftigung ist nicht mehr weit, die Wirtschaft droht zu überhitzen. Stopp! Wenn Sie jetzt lachen müssen, dann sind Sie einen Schritt weiter als viele Analysten oder amerikanische Notenbanker der zweiten Reihe, die Kommentare zur Verfassung der US-Wirtschaft von sich geben. Denn in den USA ist keinesfalls alles im Lot, weswegen Notenbankchefin Janet Yellen die Zinsschraube nicht anrührt, und Donald Trump als Präsident immer wahrscheinlicher wird.

Mancher Notenbanker warnt tatsächlich vor einer Überhitzung der US-Wirtschaft. Schaut man sich die Lage vieler Staaten in den USA jedoch an oder betrachtet den so genannten "Rostgürtel", muss man schon unter selektiver Wahrnehmung leiden, wenn man diese These vertritt. Genau dies spielt aber Donald Trump in die Karten und ist ein Grund, warum ein Großteil der US-Gesellschaft Trump und zuvor Bernie Sanders als letzten Ausweg sahen und sehen. Die US-Wirtschaft ist anfällig, und Yellen weiß dies ganz genau - im Gegensatz zu einigen ihrer Begleiter.

Wie stark sich die US-Wirtschaft zuletzt abgekühlt hat, zeigt eine Serie von Konjunkturdaten unmissverständlich: So lagen die Einzelhandelsumsätze zuletzt nur 1,9 Prozent über dem Vorjahresniveau. Ein derart geringes Wachstum gibt es üblicherweise nur in Rezessionszeiten, also bei einem Schrumpfen der Wirtschaft. Logisch, wenn Mieten immer weiter steigen und mögliche Konsumenten der Mittelschicht weniger zur Verfügung haben. Denn deren Einkommen sind in den letzten Jahrzehnten - die Kaufkracht betrachtet - immer weiter gesunken.

Da die Wirtschaft zu 70 Prozent vom Konsum der privaten Haushalte abhängt, sind derart schwache Einzelhandelsumsätze ein starkes Warnsignal. Bedenklich ist zudem, dass die Autoabsätze in vier der vergangenen sechs Monate jeweils unter dem Vorjahresniveau lagen.  Angesichts der Serie schwacher Konjunkturdaten haben Volkswirte ihre Prognose für das Wirtschaftswachstum für das Jahr 2016 im Schnitt auf das Rekordtief von 1,5 Prozent eingedampft. Am Jahresanfang hatten sie noch ein Plus von 2,5 Prozent vorhergesagt.

Dann kam aber einmal mehr die Realität dazwischen. Die Wahrscheinlichkeit ist daher sehr hoch, dass Yellen bald die Prognose für das Wirtschaftswachstum für 2016 zum dritten Mal in diesem Jahr senkt – nach März und Juni.

Extreme Ungleichheit

Yellen und Trump sind zwei Seiten einer Medaille – der US-amerikanischen Lüge. Fünf Prozent – so hoch weist die offizielle Statistik in den USA die Arbeitslosenquote aus. Legt man eine Berechnungsweise der 90er-Jahre zugrunde, die Teilzeitarbeiter und marginal Beschäftigte angemessen berücksichtigt, schnellt die realistische Arbeitslosenquote auf 24 Prozent nach oben. Brötchen wenden bei McDonalds in Teilzeit oder ein übel bezahlter Nebenjob sind eben längst keine vollwertigen Jobs.

Dazu genügt ein Blick auf die Häuserpreise und Mieten beispielsweise im Großraum San Francisco, um zu verstehen, dass sich viele Amerikaner selbst bei einem normalen Job das Leben in bestimmten Regionen kaum noch leisten können. Millionengehälter aus dem Silicon Valley und das eigene Auto als "Wohnung" liegen in der ehemaligen Hippie-Heimat San Francisco nah beieinander.

Die extreme Ungleichheit, die viele nicht sehen wollen, erhöht die Chancen von Trump massiv, selbst wenn er das Verhältnis noch verschlechtern würde. Doch wie Filmemacher Michael Moore anführt, werden viele Amerikaner Trump wählen - einfach weil sie es können.

Nicht, weil er gute Rezepte hätte. Diese Gefahr unterschätzen viele Investoren weiterhin, denn eine Wahl Trumps würde ab November erst einmal für Ratlosigkeit diesbezüglich sorgen, was denn da kommen könnte.

Entsprechend dürfte sich die Volatilität, sprich die Angstprämien am Markt gemessen in den USA über den VIX-Index, weiter erhöhen, je näher Trump dem Weißen Haus kommt. Dies wiederum könnte sich verstärken, wenn er in Fernsehdebatten auftrumpft. Dass er dies kann, hat er bei der Pulverisierung der republikanischen Konkurrenten schon bewiesen. Die US-Wahl könnte sich als unterschätztes Risiko erweisen, so wie die Investoren im Frühsommer bereits sehr lange brauchten, um den damals drohenden Brexit angemessen einzupreisen.

Quelle: n-tv.de