Wirtschaft

Keine Reise nach Jackson Hole Draghi bleibt zu Hause

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EZB-Präsident Mario Draghi.

(Foto: dpa)

EZB-Präsident Draghi nimmt doch nicht an der renommierten Notenbank-Konferenz im US-amerikanischen Jackson Hole teil. Als Grund nennt die EZB große Arbeitsbelastung.

Weit entfernt von den großen Finanzzentren: Jackson Hole, der Tagungsort des alljährlichen Treffens der Notenbanker, liegt in einem Tal am Rande der Rocky Mountains im US-Bundesstaat Wyoming.

Weit entfernt von den großen Finanzzentren: Jackson Hole, der Tagungsort des alljährlichen Treffens der Notenbanker, liegt in einem Tal am Rande der Rocky Mountains im US-Bundesstaat Wyoming.

EZB-Präsident Mario Draghi hat seine Teilnahme an der Ende der Woche beginnenden Notenbankerkonferenz in Jackson Hole überraschend abgesagt. Grund sei die hohe Arbeitsbelastung des EZB-Chefs, so ein Sprecher der Zentralbank. Draghi hatte am Samstag bei dem Treffen in den USA eine Rede halten wollen. Es wäre seine erste vor diesem hochkarätigen Forum als oberster Währungshüter des Euro gewesen.

Für EZB-Chef Draghi stehen in der kommenden Woche unter anderem zwei entscheidende Termine an: Am Montag wird er einer Ausschussdebatte im Europaparlament über die geplante europäische Bankenunion beiwohnen. Am Donnerstag darauf trifft sich der EZB-Rat, um unter anderem über das zweite Anleihekaufprogramm zu diskutieren. Es werden Ankündigungen zu weiteren Staatsanleihenkäufen von Euro-Krisenländern erwartet.

Die Konferenz der US-Notenbank Federal Reserve ist eigentlich ein Pflichttermin für Notenbanker. Fed-Chef Ben Bernanke wird dort am Freitag eine Rede halten. Eine EZB-Sprecherin sagte weiter, es werde kein Direktoriumsmitglied der EZB in die USA reisen und an dem Treffen teilnehmen. Die Finanzmärkte warten mit Spannung auf die Veranstaltung und erhoffen sich Hinweise auf weitere geldpolitische Lockerungen in den USA, aber auch in Europa.

An den Finanzmärkten wurde die Absage Draghis gelassen aufgenommen. Helaba-Analyst Ulrich Wortberg warnte vor einer Überinterpretation: "Ich glaube nicht, dass man daraus etwas ablesen kann. Draghi könnte dort voraussichtlich nichts sagen, was über seine bisherigen Äußerungen hinausgeht." Genau diese Tatsache könnte an den Finanzmärkten laut Wortberg aber für Enttäuschung sorgen, da die EZB kommende Woche Details ihres neuen und umstrittenen Hilfsprogramms für überschuldete Euro-Länder bekanntgeben will.

In Jackson Hole in den Rocky Mountains trifft sich seit 35 Jahren immer Ende August die Zentralbankerelite der Welt, um in der Abgeschiedenheit der Berge über Probleme der Weltwirtschaft zu beraten und Ideen auszutauschen. Bernanke nutzte das Forum vor zwei Jahren für die Ankündigung des zweiten milliardenschweren Staatsanleihenkaufprogramms, mit dem die Fed 600 Mrd. Dollar in die US-Wirtschaft pumpte.

Quelle: ntv.de, dpa/rts