Wirtschaft

EZB-Rat spürt Inflationsdruck Draghi macht Andeutungen

Wenige Tage vor dem anstehenden EZB-Treffen Frankfurt am Main stimmt ein hochrangiger Währungshüter die Eurozone auf eine geldpolitische Wende ein: Ein höherer Leitzins würde schwächere Volkswirtschaften nicht gefährden, meint der italienische Top-Notenbanker Mario Draghi.

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Präsident der Banca d'Italia: Mario Draghi.

(Foto: REUTERS)

Kurz vor der mit Spannung erwarteten Zinssitzung der Europäischen Zentralbank (EZB) hat Ratsmitglied Mario Draghi vor steigenden Inflationsrisiken gewarnt. Zwar sei die Teuerungsrate in der Euro-Zone noch im Rahmen, sagte Draghi. Der anziehende Inflationsdruck müsse aber im Auge behalten werden. Zeitpunkt und Vorgehen der Rückkehr zu einer normalen Geldpolitik und Zinssätzen sollten daher sorgfältig abgeschätzt werden.

Die Inflationsrate in der Euro-Zone lag im Januar bei 2,4 Prozent und damit über der selbstgesetzten EZB-Zielmarke von 2 Prozent. Bis zu diesem Wert sprechen die Währungshüter von stabilen Preisen. In Deutschland, der größten Volkswirtschaft der Euro-Zone, blieb der Druck auf die Preise auch im Februar hoch. Die Rate verharrte wegen steigender Energiepreise auf der kritischen Marke von 2,0 Prozent.

Die jüngsten Entwicklungen am Ölmarkt lassen keine schnelle Entspannung erwarten. In der vergangenen Woche war der Preis für ein Fass Rohöl der Nordseesorte Brent kurzzeitig bis knapp unter die Marke von 120 Dollar gestiegen. Damit waren die Notierungen nur noch gut 27 Dollar vom historischen Allzeithoch von 147 Dollar je Barrel entfernt.

Ein Anziehen der Geldpolitik würde das Wachstum auch in schwächeren Volkswirtschaften nicht in Gefahr bringen, sagte Draghi. Die niedrigen Zinsen hätten die Wachstumsaussichten weniger dynamischen Märkten nicht gefördert. Beobachter werteten diese Aussage als weiteren Hinweis auf die möglicherweise schon bald bevorstehende Zinswende im Euroraum.

Die EZB-Ratsmitglieder kommen am Donnerstag zu einer regulären Zinssitzung zusammen. Analysten rechnen zwar nicht mit einer Anhebung des Leitzinses, der derzeit noch auf dem historischen Tief von 1,0 ein Prozent liegt. Sie hoffen aber auf Aussagen, wann die EZB das Ende der in der Krise aufgelegten Sondermaßnahmen einläuten wird.

Quelle: ntv.de, rts