Wirtschaft

Angst vor dem Staatsbankrott Dubai erschüttert Börsen

Die Geldnöte des einstigen Boom-Emirats Dubai lösen Ängste vor einer neuen Welle der Finanzkrise aus. An den Märkten in Europa und Asien kommen  Zweifel an der Zahlungsfähigkeit anderer Golf-Staaten auf.

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(Foto: ASSOCIATED PRESS)

Besonders unter Druck gerieten Finanzwerte und Aktien von Unternehmen mit einem arabischen Anker-Aktionär, wie Porsche, VW und Daimler. "Alles, was in arabischer Hand ist, wird im Moment verkauft", beschrieb ein Händler in Frankfurt die Stimmung am Markt. Wie vor gut einem Jahr nach dem Kollaps der US-Investmentbank Lehman Brothers flüchteten die Anleger massenhaft in die als sicher geltenden Staatsanleihen, was deren Kurse nach oben trieb.

Gläubiger sollen sich gedulden

Das Emirat selbst versuchte zu beruhigen. Die Schuldenprobleme des staatseigenen Konglomerats Dubai World, das die berühmte Palmeninsel im Meer entwickeln und bauen soll, hätten keine Auswirkungen auf andere Staatsunternehmen. In Dubai liegen nach jahrelangem Immobilienboom alle prestigeträchtigen Bauprojekte auf Eis, da die Krise die Finanzierungsquellen versiegen ließ.

Nun bat die Regierung die Gläubiger von Dubai World bis Mitte nächsten Jahres um Zahlungsaufschub für Milliardenschulden. "Das war eine Schock-Nachricht, weil von Dubai jeder die Erfüllung der Zahlungsverpflichtungen erwartet hat", kommentierte Shakeel Sarwar von der Investmentbank Sico. Dubai World hat Schulden von fast 60 Mrd. Dollar, das entspricht drei Viertel der Verbindlichkeiten des Emirats.

Einige internationale Großbanken, die die Finanzkrise allmählich hintersichlassen, und auch Versicherungen waren bemüht, die Sorgen vor neuen Milliardenbelastungen zu vertreiben. Die Schweizer Credit Suisse sei hier nicht substanziell engagiert, sagte ein Sprecher. In Finanzkreisen hieß es, die Deutsche Bank habe kein Kredit- und Anleihe-Engagement bei Dubai World. Die Aktien beider Institute verloren dennoch mehr als drei Prozent. Die ebenfalls unter Verkaufsdruck geratenen Rückversicherer Münchener Rück und Hannover Rück sprachen von keinen beziehungsweise "vernachlässigbaren" Belastungen. Nach Daten der Bundesbank und der Bank für Internationalen Zahlungsausgleich ist das Engagement der deutschen Finanzbranche in den Vereinigten Arabischen Emiraten insgesamt mit rund 7,5 Mrd. Euro vergleichsweise gering.

Die britischen Banken äußerten sich zunächst nicht, obwohl sie Finanzkreisen zufolge teils besonders stark betroffen sein dürften. Daher sackte auch der Kurs des britischen Pfunds ab. Finanzwerte im Königreich und auf dem europäischen Festland notierten auf dem niedrigsten Stand seit einem halben Jahr.

Bankrott unwahrscheinlich

Auf dem Börsenparkett machte das Wort "Ansteckungsgefahr" die Runde. Anleger befürchten, andere Golfstaaten könnten zum Verkauf großer Aktienbestände gezwungen sein, um Löcher zu stopfen. In der Region tätige Banker sprachen von einem erheblichen Imageschaden für die Golfstaaten. "Das wird nicht ohne Folgen für Investitionen in den Emiraten bleiben", sagte ein Top-Banker.

Die Kosten für eine Absicherung der Schulden Dubais und anderer Golfländer gegen einen Ausfall stiegen deutlich an. Die Preise für diese so genannten CDS-Papiere signalisieren, wie stark am Markt mit ernsten Zahlungsproblemen gerechnet wird. In der Finanzkrise waren sie insbesondere bei Banken nach oben geschnellt, was deren Refinanzierung empfindlich verteuerte.

Ein Staatsbankrott Dubais gilt trotz finanzieller Schwierigkeiten der staatseigenen Investmentgesellschaft Dubai World als wenig wahrscheinlich. "Dieses Risiko sehe ich zurzeit nicht", sagte Commerzbank-Experte Luis Costa. "Die Partnerstaaten Dubais in den Vereinigten Arabischen Emiraten werden Dubai finanziell zur Seite stehen, nicht zuletzt das finanzstarke Abu Dhabi." Derartige Finanzhilfen dürften allerdings gezielt vorgenommen und nicht als allgemeine Finanzstütze gewährt werden.

Besonders kritisch sei die Lage derzeit bei der Dubai-World- Tochter Nakheel, sagte Costa. Das Unternehmen stehe am Rande der Pleite. Das staatliche Immobilienunternehmen Nakheel ist in erster Linie mit der Planung große Bauprojekte betraut. Der Golf-Staat Dubai ist bekannt für seine außergewöhnlichen und teuren Bauten, darunter die künstlichen Palmeninseln.

"Hauptgrund für die aktuellen Zahlungsschwierigkeiten Dubais ist der Niedergang des heimischen Immobiliensektors - eine Folge der Finanzkrise", erklärte Costa. Nach dem Platzen der Immobilienblase in den USA, was als Auslöser der Finanzkrise gilt, gingen die Häuserpreise in vielen Ländern der Welt in den Sinkflug über - so auch in Dubai. Zusammen mit verschärften Kreditbedingungen und dem Rückzug vieler Investoren aus Bauprojekten führte dies dazu, dass die staatseigenen Immobilienunternehmen in Bedrängnis geraten sind.

Nachbarn sind stärker

Experten warnten vor voreiligen Schlüssen. "Dubai hat viel stärkere Schuldenprobleme als die Nachbarn, in Abu Dhabi und Katar steckt echtes Geld dahinter", betonte Youssef Affany, Golf-Experte von der Citigroup. Die anderen ölreichen Emirate sind weniger stark von Krediten und ausländischem Kapital abhängig. Im Gegenteil: Staatsfonds dieser Emirate haben in den vergangenen Monaten Milliardeneinnahmen aus dem Ölgeschäft für dringend benötigte Kapitalspritzen etwa bei VW, Daimler oder Porsche verwendet.

Eine Ansteckung sei unwahrscheinlich, sagte daher Affany. "Die anderen Emirate und Saudi-Arabien werden eine gewisse Form der Solidarität zeigen." Auch Helene Rang, geschäftsführender Vorstand des Nah- und Mittelostvereins, zeigte sich überzeugt, dass die Vereinigten Arabischen Emirate im Rahmen ihres Finanzausgleichs eine Lösung finden dürften.

Die Regierung in Dubai wollte mit ihrer überraschenden Ankündigung offenkundig die Auswirkungen auf die Finanzmärke so gering wie möglich halten. Bis zum 6. Dezember sind im arabischen Raum wegen des Opferfestes fast alle Geschäfte geschlossen. "Einige hoffen, dass sich bis dahin die Lage wieder beruhigt hat - möglicherweise vergebens", sagte ein Händler.

Quelle: n-tv.de, rts/dpa

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