Wirtschaft

"Zukunft liegt in China" Dudenhöffer rät zur Abkehr von USA

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"Der US-Zollkrieg vernichtet deutsches Volksvermögen", warnt Autoexperte Ferdinand Dudenhöffer.

(Foto: REUTERS)

Trumps Zollkrieg richtet gigantischen Schaden an. Die Zeche zahlt vor allem die Autoindustrie. Laut einer Studie des CAR-Centers werden bis 2025 rund 35 Millionen Pkw weniger verkauft werden. Gesamtschaden: 700 Milliarden Euro. Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer fordert ein radikales Umdenken.

Die Autoindustrie zahlt einen hohen Preis für Donald Trumps Zollkrieg. Laut Berechnungen des CAR-Centers der Universität Duisburg-Essen wird er bis 2025 Umsatzeinbußen von 700 Milliarden Euro verursachen - ein gigantisches Volksvermögen, das in etwa dem Zweifachen des Bundeshaushalts 2018 entspricht. Ohne den Handelsstreit hätten zwischen 2018 und 2025 laut der Studie 35 Millionen Pkw mehr verkauft werden können. Der Rechnung zugrunde gelegt ist dabei ein niedriger Durchschnittspreis pro Auto von 20.000 Euro.

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(Foto: CAR Universität Duisburg-Essen)

Angesichts der horrenden Summe sowie der Tatsache, dass die Autoindustrie eigentlich hohe Investitionen für E-Mobilität schultern muss, ruft der Institutsleiter Ferdinand Dudenhöffer eindringlich zum Umdenken auf. Die Politik müsse endlich "auf Distanz zu den USA" gehen und sich mehr China zuwenden. "Wir sind zu schnell dabei, China zu verurteilen", sagt der Auto-Experte n-tv.de. Es werde so getan, als wolle Peking immer "nur Böses". Dabei mache es "viel Sinn, stärker auf Distanz zu den USA zu gehen". Trotz vieler Bedenken gegen das chinesische Regime müsste die alte Bündnispolitik dringend überdacht werden.

Welche Bremsspuren Trumps Zollkrieg in der Weltwirtschaft hinterlässt, zeigen die jüngsten Daten der Welthandelsorganisation. Die WTO senkte ihre Prognose für das Handelswachstum drastisch. Die Konjunktur kippt, und Besserung ist nicht in Sicht. Weil die Handelsgespräche stocken, droht sich die Zollspirale weiterzudrehen. Überdurchschnittlich hart bekommen diesen Einbruch die Autozulieferer zu spüren. Weil sie auch chinesische Hersteller beliefern - die wegen des Handelskonflikts ebenfalls kürzer treten müssen - werden sie laut Studie 60 Prozent der Zoll-Zeche schultern müssen. Zwar fallen insgesamt gut 80 Prozent der Verluste der Autoindustrie in der Volksrepublik an. Da dieser Markt jedoch ein Schlüsselmarkt für die deutsche Konjunktur ist, bekommt das auch Deutschland zu spüren.

Laut Dudenhöffer ist die Rechnung seines Instituts dabei noch konservativ. Er geht davon aus, dass sich der weltweite Automarkt ohne die Risiken durch Trump - oder auch den Brexit - annähernd konstant weiterentwickelt hätte. Zugrunde gelegt wird für die kommenden Jahre nur noch eine bescheidene jährliche Wachstumsrate von 0,5 Prozent bis 2025. Bis 2017 war der weltweite Automarkt dank des China-Booms im Schnitt noch um stattliche 4,5 Prozent gewachsen. Als Trump den Welthandel 2018 aufmischte, begann der Schrumpfprozess. Mit einer Normalisierung wird erst 2025 gerechnet. Dudenhöffer betont, dass es sogar noch schlimmer kommen könnte. Die Schäden und Wertschöpfungsverluste durch die torpedierten Handelsbeziehungen könnten noch deutlich höher ausfallen.

An China führt kein Weg vorbei

Im Unterschied zur Politik habe die Industrie ihre Berührungsängste mit China überwunden, stellt Dudenhöffer fest. An Beispielen mangelt es nicht: VW macht 40 Prozent seines Umsatzes in China. Daimler hat gleich zwei chinesische Investoren an Bord, mit seinem Großaktionär Geely wollen die Stuttgarter einen Elektroflitzer in China entwickeln. Auch Volvo und Toyota machen gemeinsame Sache mit Geely. Umgekehrt baut der chinesische Batteriehersteller CATL derzeit in Erfurt einen ersten Produktionsstandort. In den kommenden fünf Jahren will er insgesamt 1,8 Milliarden Euro in Thüringen investieren. "Warum tun wir uns bei Forschungsprojekten nicht zusammen?", fragt Dudenhöffer. "Stattdessen erfinden wir mit Unterstützung gigantischer Steuergelder dasselbe, was China oder Japan bereits erfunden haben."

Laut Medienberichten arbeiten die Bundesregierung und die Ministerpräsidenten der Länder Bayern, Baden-Württemberg und Niedersachsen - wo besonders viele Autofirmen beheimatet sind - unter Hochdruck an Plänen, wie der Branche kurzfristig geholfen werden kann. Erste Vorschläge für gemeinsame Bundesratsinitiativen soll es Anfang Oktober geben. Den großen Wurf erwartet Dudenhöffer jedoch nicht. "Subventionen und Steuergelder für Kurzarbeit, was soll sonst kommen?"

Für ihn ist das zu kurz gesprungen. Schließlich werde China die Wirtschaftsmacht der Zukunft sein. Der Schaden, den die Zollkriege der USA für die deutsche Autoindustrie verursachen, sei größer als alle Risiken, die eine Zusammenarbeit mit Peking bergen könne, warnt Dudenhöffer. "Nur eine vernünftige Kooperation mit China erlaubt die Absicherung des Wohlstands in Deutschland", so sein Fazit. Die vordringlichste Aufgabe sei deshalb, den Austausch durch "klare Verträge und Vereinbarungen" auszubauen und zu verbessern.

Quelle: n-tv.de