Wirtschaft

Erst Frankreich, dann der Rettungsfonds EFSF büßt die Bestnote ein

3ctq3826.jpg2145701665081736723.jpg

(Foto: dpa)

Das Urteil steht fest: In den Augen der Bonitätswächter bei Fitch steht Europas krisengeprüftes Rettungsinstrument EFSF mittlerweile etwas wackeliger da als noch vor wenigen Tagen. Der Grund liegt für Experten auf der Hand. Die Entscheidung hat allerdings mehr mit Paris zu tun als mit Lissabon, Rom oder Athen.

Euro / US-Dollar
Euro / US-Dollar 1,09

Die Ratingagentur Fitch hat dem europäischen Rettungsfonds EFSF zu Wochenbeginn die Topbonität aberkannt. Die Note fällt von bisher "AAA" auf "AA+", teilte Fitch mit. Die Herabstufung am Montagabend kam für Experten wenig überraschend: Fitch hatte kurz vor dem Wochenende bereits Frankreich die Bestnote aberkannt.

In der Logik der Ratinganalysten ergibt sich daraus eine grundsätzliche Veränderung im finanziellen Gewicht des Krisenfonds: Hinter dem EFSF stünden die unwiderruflichen und bedingungslosen Garantien der Euro-Staaten, von denen Frankreich ein besonders hohes Gewicht habe, begründet Fitch die Entscheidung.

Frankreich ist neben Deutschland der wichtigste Gläubiger des EFSF. Damit spiegelt die EFSF-Finanzierung die wirtschaftlichen Verhältnisse im Euroraum wider: Frankreich ist die zweitgrößte Volkswirtschaft der Eurozone, Deutschland die Nummer Eins.

Fitch folgt prominenten Vorbildern

Den Ausblick für das EFSF-Rating bezeichnet Fitch als "stabil". Damit droht - zumindest im Bewertungssystem von Fitch - zunächst keine weitere Herabstufung. Bei den übrigen beiden großen Ratinghäusern Moody's und Standard & Poor's (S&P) wird der EFSF ebenfalls nicht mehr mit der Spitzennote geführt.

Der vorläufige Rettungsschirm EFSF hat eine Kreditkapazität von maximal 440 Mrd. Euro. Aus diesem Topf speiste sich bisher der europäische Anteil der Hilfsprogramme für Irland, Portugal, die spanischen Banken und das zweite Griechenlandpaket. Der Rettungsfonds verfügt über ein eigenes Rating, weil er sich zur Finanzierung seiner Aktivitäten an Kapitalmarkt wendet und dort Anleihen anbietet. Das eingenommene Geld reicht der Fonds dann als Kreditraten an bedürftige Euro-Mitglieder weiter.

Seit dem 1. Juli 2013 ist der EFSF jedoch nicht mehr für die Finanzierung von neuen Programmen zuständig. Der neue Rettungsfonds ESM soll Kredite von bis zu 500 Mrd. Euro vergeben können. Dazu wurde er im Gegensatz zum EFSF nicht nur mit Garantien sondern auch mit Bareinlagen im Gesamtwert von 700 Mrd. Euro ausgestattet.

Zum ESM äußerte sich Fitch aktuell nicht. Der ständige Krisenmechanismus der Eurozone wurde bis zuletzt von Fitch mit der Bestnote "AAA" bewertet.

Quelle: ntv.de, mmo/DJ/dpa

ntv.de Dienste
Software
Social Networks
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.
Nicht mehr anzeigen