Wirtschaft

Sorgenkinder am Mittelmeer EU kümmert sich alleine

Europa wird die Schuldenprobleme einiger Euro-Staaten nach den Worten von Eurogruppen-Chef Jean-Claude Juncker alleine lösen. "Wir haben über Griechenland, Portugal und Spanien gesprochen", sagte Juncker am Rande des G7-Finanzministertreffens im kanadischen Iqaluit. Die EZB dementierte derweil Gerüchte über ein Krisentreffen.

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Ernste Themen vor malerischer Kulisse: Das G7-Finanzministertreffen findet in der Arktis statt.

(Foto: AP)

"Wir haben unseren Partnern gesagt, dass wir die Probleme selbst und ohne die Hilfe des Internationalen Währungsfonds lösen müssen", sagte Juncker. Der Präsident der Europäischen Zentralbank Jean-Claude Trichet wies Spekulationen zurück, die EZB-Führung könnte am Wochenende wegen der angespannten Lage zu einem Krisentreffen zusammenkommen.

Staatspleiten nicht ausgeschlossen

"Ich glaube, wir müssen sehr bewusst mit der Möglichkeit des Zusammenbruchs nationaler Volkswirtschaften und die anhaltende Existenz von giftigen Anlagen in einigen Banken umgehen", sagte der kanadische Gastgeber Jim Flaherty. Die Probleme von Griechenland, Portugal und Spanien nährten die Befürchtung, dass diese Probleme sich in der Europäischen Währungsunion noch ausbreiten und damit den gesamten Euro-Raum hinabziehen könnten.

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Der kanadische Finanzminister Flaherty macht es vor: So werden Schlittenhunde getätschelt.

(Foto: REUTERS)

Bundesfinanzminister Wolfgang Schäuble zeigte sich überzeugt, dass diese ernsten Probleme letztlich den Euro nicht gefährden würden. "Der Euro bleibt stabil", sagte er. Die Unruhe an den Welt-Kapital- und Devisenmärkten nannte er Übertreibungen. Griechenland müsse nun einen hohen Preis für die lang andauernde Verletzung von EU-Stabilitätsregeln zahlen. Schäuble wandte sich gegen Mutmaßungen über gemeinsame Notfallpläne der Euro-Länder zur Unterstützung Griechenlands. Er sagte aber auch, viele kluge Menschen machten sich über viele Dinge Gedanken.

Die Aktienmärkte weltweit waren wegen der Befürchtungen einer Destabilisierung der Euro-Zone und Spekulationen über die Möglichkeit einer umfangreichen gemeinsamen Hilfeaktion der Euro-Länder auf Abwege geraten. Die Kurse fielen am Freitag zeitweise auf ein Dreimonatstief, erholten sich dann aber wieder in den USA. Der Euro schwächte sich zeitweise auf unter 1,36 Dollar ab, den niedrigsten Stand seit Mai vergangenen Jahres.

Exit-Strategien fehlen

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Der italienische Wirtschaftsminister Giulio Tremonti dreht derweil eine Runde auf dem Hundeschlitten.

(Foto: REUTERS)

Auch die weltweite Finanz- und Wirtschaftskrise stand ganz oben auf der Agenda. Sie ist nach Ansicht von Finanzminister Schäuble noch nicht ganz überwunden. Darin sei man sich in der G7 einig. Er äußerte sich aber besorgt, dass man beim geeigneten Zeitpunkt für den Abschied von den teuren Konjunktur- und großzügigen Liquiditätsprogrammen noch nicht die notwendigen Exit-Strategien ausgearbeitet habe. Man dürfe nicht bereits wieder die Basis für Überhitzungen in der Wirtschaft legen. "Wir sind uns aber alle einig, dass es derzeit noch nötig ist, die Anreizprogramme weiterzufahren", sagte Flaherty.

Die kanadischen Organisatoren des G7-Treffens wollen erstmals seit langem darauf verzichten, am Ende ein Kommunique zu veröffentlichen. Dies soll ein Stück weit auch der Tatsache Rechnung tragen, dass die G7 angesichts des Bedeutungsgewinns der Gruppe der 20 großen Schwellen- und Industrieländer (G20) wieder stärker informell arbeiten will. Die Zukunft der G7 selbst steht auf der Tagesordnung. Italiens Wirtschafts- und Finanzminister Guilio Tremonti möchte die G20 weiterentwickeln zu einer Art Weltwirtschafts-Rat als Organ der weltwirtschaftlichen Koordination und Aufsicht.

Das G7-Treffen in Iqaluit endet am Samstag mit einer gemeinsamen Pressekonferenz der sieben Minister aus Kanada, den USA, Japan, Großbritannien, Frankreich, Deutschland und Italien.

Quelle: n-tv.de, sla/rts