Wirtschaft

Schrumpfen für Eurohypo-Sanierung EU setzt Commerzbank auf Diät

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(Foto: picture alliance / dpa)

Weil sich die Eurohypo als unverkäuflich erweist, darf die Commerzbank ihre verlustträchtige Tochter nun wohl doch in Eigenregie abwickeln. Im Gegenzug muss die staatlich gestützte Bank auf Geheiß der EU aber ihre Bilanz zusammenschmelzen und auf Zukäufe verzichten. Bankchef Blessing versucht derweil, Aktionäre mit der Aussicht auf eine Dividende bei Laune zu halten.

Nach langem Ringen hat sich die Commerzbank offenbar mit den Wettbewerbshütern aus Brüssel auf die Abwicklung der Tochter Eurohypo geeinigt. Damit würde die Bank einen großen Klotz am Bein los. Die EU-Kommission verzichtet nach Aussage eines mit der Vereinbarung Vertrauen auf einen Verkauf der verlustträchtigen Tochter. Im Gegenzug muss sich die Commerzbank jedoch neuen Auflagen unterwerfen.

In Eigentümerkreisen hieß es, die Commerzbank müsse ihre Bilanzsumme bis Ende 2014 auf 600 Mrd. Euro verringern. Ende 2011 hatte das Institut noch eine Bilanzsumme von 662 Mrd. Euro. Darüber hinaus verlängern die Wettbewerbshüter offenbar das Akquisitionsverbot bis Ende 2014. Demnach müsste die Bank weiterhin auf Zukäufe verzichten. Der neue Restrukturierungsplan soll voraussichtlich Ende März vom Commerzbank-Aufsichtsrat abgesegnet werden.

Zu große Verluste

Ursprünglich hatte Brüssel der Commerzbank den Verkauf der Eurohypo aus Wettbewerbsgründen auferlegt, weil die Bank in der Finanzkrise milliardenschwere Hilfen des Staates erhalten hat. Doch der Immobilien- und Staatsfinanzierer ist noch immer viel zu groß, um einen Käufer anzulocken. Zudem schreibt er tiefrote Zahlen. Allein 2011 hatte die Eurohypo hauptsächlich wegen Abschreibungen auf Griechenland-Anleihen einen Verlust von fast vier Milliarden Euro angehäuft - den größten in ihrer zehnjährigen Geschichte. Nun dürfte das Spezialinstitut mit einst weltweiten Ambitionen bald Geschichte sein, der Name verschwinden.

Commerzbank-Chef Martin Blessing will nur einen kleinen, gesunden Kern behalten und in die Commerzbank integrieren. Das dürfte das pfandbrieffähige Geschäft mit gewerblichen Immobilienfinanzierungen in einem Volumen von 25 bis 30 Mrd. Euro in den vier Kernmärkten Deutschland, Polen, Großbritannien und Frankreich umfassen - ein Zehntel der früheren Eurohypo-Bilanzsumme. Neugeschäft in der Immobilienfinanzierung macht die Eurohypo derzeit nicht. Die Staatsfinanzierung, die zuletzt noch ein Volumen von knapp 90 Mrd. Euro hatte, ist bereits eingestellt. Die Papiere laufen über die Zeit aus oder werden, etwa im Falle der Euro-Schuldenländer, auch mit Verlust verkauft.

Bäumchen wechsle dich

Die Eurohypo bildet zusammen mit der Schiffsfinanzierung die Sparte Asset Based Finance (ABF) der Commerzbank - die von der Bank derzeit aber nicht zum Kerngeschäft gezählt wird. Über den künftigen Status der Eurohypo werde intern noch diskutiert, sagten Insider. Banker halten es auch für möglich, dass Blessing die gewerbliche Immobilienfinanzierung in die Investmentbank (Corporates & Markets) eingliedert, wo auch andere Großkunden betreut werden. So werde die erfolgreiche Mittelstandsbank nicht verwässert.

Risikopapiere von Immobiliengeschäften aus Spanien oder den USA sowie Staatsanleihen könnte die Bank in ihrer internen Abwicklungseinheit PRU parken. Dort werden derzeit andere toxische Papiere aus der Zeit vor der Finanzkrise möglichst bilanzschonend abgebaut. Einen großen Teil davon ist die Commerzbank schon losgeworden. Blessing hatte auf der Bilanzpressekonferenz im Februar angedeutet, dass die PRU in die Investmentbank eingegliedert werden könnte, wenn sie als eigene Einheit zu klein würde. Doch mit den Eurohypo-Teilen würde sie erst einmal wieder deutlich wachsen.

Dividende am Horizont

Damit die ohnehin gebeutelten Aktionäre der Commerzbank nicht von der Stange gehen, macht Blessing ihnen wieder einmal Hoffnung auf eine Dividende. Für das Geschäftsjahr 2013 - also frühestens in zwei Jahren - könnte es eine Ausschüttung geben, sagte Blessing dem "Manager Magazin".

Die Anteilseigner müssen seit der Finanzkrise auf eine Dividende verzichten. Im vergangenen Jahr mussten sie sogar frische Milliarden in die Bank stecken, damit diese einen Großteil der in der Krise erhaltenen Finanzhilfen zurückzahlen konnte. Die Aktie gehört seit Jahren zu den schlechteste Werten im Dax.

Quelle: ntv.de, nne/rts/dpa