Wirtschaft

Lehren aus der Finanzkrise EU will Derivate an Börse zwingen

DAB2295-20110905.jpg2398350494197558876.jpg

(Foto: AP)

In der EU sollen nach einem Gesetzentwurf künftig grundsätzlich alle Derivate über Börsen gehandelt werden. Die Börsenhandelspflicht soll für Banken ebenso wie für Unternehmen gelten, die Derivategeschäfte abschließen. Das geht laut Reuters aus dem Entwurf zur Revision der EU-Finanzmarkt-Richtlinie Mifid hervor. Über Ausnahmen davon solle die Börsenaufsicht ESMA gemeinsam mit der EU-Kommission in Einzelfällen entscheiden. Unternehmen, die sich mit Derivaten vornehmlich gegen Preisveränderungen absichern und nicht mit ihnen spekulieren, fordern, von der Handelspflicht ausgenommen zu werden.

Bisher wird ein Großteil des Derivatehandels bilateral zwischen den Geschäftspartnern abgewickelt. Weltweit hat der Markt ein Volumen von schätzungsweise 600 Billionen Euro. Damit ist er rund 14 mal so groß wie die jährliche weltweite Wirtschaftsleistung.

Als Lehre aus der Finanzkrise soll das nach Verabredung der führenden Industrie- und Schwellenländer geändert werden, damit die Finanzaufsicht mehr Kontrolle ausüben und Krisen besser vorbeugen kann. Die Gesetzesrevision würde der Börsenaufsicht ermöglichen, Grenzen für Handelspositionen zu verhängen - sei es bei bereits gehandelten Derivaten oder schon bevor die Finanzpapiere auf den Markt kommen.     

Automatischer Handel im Visier

Zudem würde die EU dem Entwurf zufolge dem Hochfrequenzhandel stärkere Vorgaben machen. An den Börsen müssten dann etwa Handelsdaten mindestens fünf Jahre gespeichert werden - inklusive Details wie den benutzten Algorithmen. Automatische Verkaufsprogramme hatten die Talfahrt an den Börsen zuletzt deutlich beschleunigt. Neben der EU nehmen auch US-Finanzaufseher den Hochfrequenzhandel genauer unter die Lupe.

EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier will die Reform der Richtlinie im Oktober vorlegen. Bei den Verhandlungen zwischen Europäischem Parlament und EU-Staaten über neue Regeln für den gesamten Wertpapierhandel werden heftige Diskussionen erwartet. Denn vor allem die großen EU-Staaten Deutschland, Frankreich und Großbritannien werden sehr auf die Interessen ihrer Börsenplätze achten. So müssten die Deutsche Börse und andere Handelsbetreiber, die neben dem Handel auch das Clearing von Wertpapiergeschäften anbieten, mehr Wettbewerb bei der Verrechnung und Abwicklung der Transaktionen zulassen. Die Mifid-Reform zielt außerdem darauf ab, die Kosten im Aktienhandel zu senken. So sollen Börsen und Handelsplattformen dazu verpflichtet werden, Kurse maximal 15 Minuten nach Abschluss eines Handels kostenlos zu veröffentlichen.

Quelle: ntv.de

ntv.de Dienste
Software
Newsletter
Ich möchte gerne Nachrichten und redaktionelle Artikel von der n-tv Nachrichtenfernsehen GmbH per E-Mail erhalten.