Wirtschaft

Pläne für "neue" Ratingagenturen EU will US-Machtmonopol brechen

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Standard&Poor's, Moody's und Fitch sind die drei bekanntesten Ratingagenturen.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Kritik an den US-Ratingagenturen wird immer lauter. Nun kursieren verschiedene Pläne, die die Macht von S&P, Moody's und Fitch einschränken sollen. Eine Zerschlagung ist ebenso in der Diskussion wie ein Verbot von Bewertungen von Staaten, die Finanzhilfen bekommen.

Die EU-Kommission will Ratingagenturen die Bewertung der Kreditwürdigkeit von Staaten verbieten, die Finanzhilfe aus internationalen Kreditprogrammen bekommen. Das schlug EU-Binnenmarktkommissar Michel Barnier vor. Er werde die polnische EU-Ratspräsidentschaft bitten, dieses Vorhaben auf die Tagesordnung eines der kommenden Treffen der EU-Finanzminister zu setzen, sagte Barnier. "Natürlich müssten wir noch die Machbarkeit eines solchen Schrittes untersuchen", räumte der Franzose ein.

Die großen Ratingagenturen hatten in den vergangenen Monaten die Kreditwürdigkeit von Ländern wie Griechenland und Portugal immer weiter herabgestuft, obwohl diese Länder internationale Hilfskredite in Milliardenhöhe bekommen. Dadurch wird es für diese Länder schwerer, sich wieder Geld an den Finanzmärkten zu leihen.

Zuletzt hatte Moody's Öl ins Feuer gegossen, nachdem sie die Kreditwürdigkeit von Portugal trotz der Sparbemühungen Anfang Juli um vier Stufen auf Ramschstatus herabgestuft hatte. Zur Begründung hieß es, dass Portugal bald einen zweiten EU-Rettungsplan benötigen könnte, wie dies bereits bei Griechenland der Fall ist. Danach hatte unter anderem EZB-Präsident Jean-Claude Trichet das Vorgehen der Agenturen kritisiert.

Reding für Zerschlagung

In der Diskussion um die Macht der Ratingagenturen bringt EU-Justizkommissarin Viviane Reding indes eine Zerschlagung der Institute ins Spiel. "Europa darf sich den Euro nicht von drei US-Privatunternehmen kaputt machen lassen", sagte Reding der "Welt" mit Blick auf die drei großen Ratingagenturen Standard & Poor's, Moody's und Fitch. Bei der Bewertung von Staaten und Unternehmen seien mehr Transparenz und mehr Wettbewerb nötig, sagte sie.

Reding schlug zwei Lösungen vor. "Entweder beschließen die G-20-Staaten gemeinsam, das Kartell der drei US-Ratingagenturen zu zerschlagen", sagte sie. So könnten die USA etwa aufgefordert werden, aus den drei Ratingagenturen sechs zu machen. "Oder es werden unabhängige europäische und asiatische Ratingagenturen geschaffen", sagte sie der "Welt" weiter. Es dürfe nicht sein, "dass ein Kartell dreier US-Unternehmen über das Schicksal ganzer Volkswirtschaften und ihrer Bürger entscheidet".

Quelle: ntv.de, bad/AFP

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