Wirtschaft

Banken wird weiter geholfen EZB lässt Tropf laufen

Die Geldinstitute der Euro-Zone können aufatmen: Die Europäische Zentralbank bleibt bei der Rundumversorgung bei Refinanzierungsgeschäften. Den Leitzins belassen die Notenbanker bei 1,0 Prozent. Hinsichtlich der Wirtschaftsenwicklung macht die EZB auf Optimismus und geht mit ihrer Wachstumsprognose für 2010 hoch.

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Jean-Claude Trichet sieht den Geldmarkt auf dem Weg der Normalisierung.

(Foto: dpa)

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Banken der Euro-Zone noch mindestens bis Januar uneingeschränkt an ihren Geldtropf. Die Geldinstitute würden "so lange wie nötig" und auf jeden Fall bis Mitte Januar bei allen Refinanzierungsgeschäften so viel Geld bekommen, wie sie bei der Notenbank abrufen, sagte Präsident Jean-Claude Trichet nach der EZB-Ratssitzung in Frankfurt.

Die EZB will dem Finanzsystem so einen problemlosen Jahresultimo ermöglichen. Ende Dezember kommt es öfter zu Geldknappheit im Finanzsystem, weil einzelne Geldhäuser größere Summen horten. Dies will die EZB verhindern und sicherstellen, dass sich die Banken auch weiterhin gegenseitig Geld leihen und in immer geringerem Umfang von der EZB abhängen.

Diese Abhängigkeit war im Frühjahr im Zuge der Schuldenkrise in Griechenland und anderen südeuropäischen Ländern wieder gestiegen und hatte die EZB gezwungen, ihren längst geplanten Einstieg in den Ausstieg aus der Politik des billigen Geldes wieder zurückzunehmen. Inzwischen hat sich die Lage aus Sicht der Notenbanker aber offenbar wieder soweit entspannt, dass die EZB ab Januar einen neuen Anlauf wagen könnte. "Der Geldmarkt ist auf dem Weg zur Normalisierung", sagte Trichet.

Leitzins bleibt unverändert

Damit dies so bleibt, können sich die Geldhäuser also weiter für eine Woche, einen Monat und für drei Monate so viel Geld bei der EZB leihen, wie sie wollen. Das Dreimonatsgeschäft koppelte Trichet an den künftigen Leitzins, um 2011 nötigenfalls flexibel an der Zinsschraube drehen zu können. Der Leitzins - seit Mai vergangenen Jahres bei 1,0 Prozent - ist der Preis, den die Kreditinstitute für Zentralbankgeld zahlen müssen. Ihn tasteten die Währungshüter wie erwartet nicht an.

Trichet betonte, dass die EZB kein Signal in Richtung einer Änderung des Leitzinses geben wolle. Experten rechnen damit, dass die EZB noch bis weit ins kommende Jahr hinein keine Zinserhöhung ins Auge fasst.

Höhere Wachstumsprognose

Das muss sie auch nicht. Trichet betonte, dass es keine Hinweise auf einen Anstieg der Teuerung in der nächsten Zeit gebe, die ein Handeln der Zentralbank nötig machen würde. Die Wirtschaft dürfte dagegen nach Einschätzung der EZB in den kommenden Monaten ihren Erholungskurs fortsetzen - "wobei aber hohe Unsicherheit vorherrscht".

Die Volkswirte der EZB erhöhten dennoch ihre vierteljährlich aktualisierten Prognosen. Sie erwarten nun, dass das Bruttoinlandsprodukt der Euro-Zone in diesem Jahr um 1,6 Prozent zulegen wird. Zuletzt war die EZB von einem Plus von einem Prozent ausgegangen. Allerdings hat sich inzwischen herausgestellt, dass das zweite Quartal unter anderem in Deutschland - der mit Abstand größten Volkswirtschaft unter den Euro-Ländern - deutlich besser als erwartet gelaufen ist.

Quelle: n-tv.de, wne/rts

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