Wirtschaft

Strafzins bleibt EZB rührt Leitzins nicht an

RTR4BNJN (1).jpg

(Foto: REUTERS)

Erwartungsgemäß lässt die Europäische Zentralbank den Leitzins unverändert. Damit können sich Banken weiterhin günstig Geld leihen - müssen für Einlagen aber einen Strafzins zahlen.

Die Europäische Zentralbank (EZB) lässt die Zinssätze unverändert. Wie die EZB mitteilte, bleiben der Hauptrefinanzierungssatz, der Spitzenrefinanzierungssatz und der Einlagensatz bei 0,05 Prozent, 0,30 Prozent und minus 0,20 Prozent. Das bedeutet, dass sich die Banken weiterhin so billig wie nie zuvor bei der Zentralbank refinanzieren können, sie der EZB aber andererseits für die Anlage überschüssiger Gelder 0,20 Prozent Zinsen zahlen müssen. Volkswirte hatten diese Entscheidung erwartet.

Euro / Dollar
Euro / Dollar 1,21

Allerdings hatte es Spekulationen gegeben, die EZB könnte den Einlagensatz wieder auf null anheben. Dafür hätte aus Sicht einiger Beobachter gesprochen, dass die Nachfrage der Banken nach sehr langfristigen EZB-Krediten und das Interesse am Verkauf von Staatsanleihen von der Aussicht geschmälert werden könnte, dass sie auf Überschussanlagen bei der Zentralbank Strafzins zahlen müssen.

Tiefpunkt erreicht

Die EZB hat ihre Zinsen im September auf das aktuelle Niveau gesenkt und signalisiert, dass der Tiefpunkt damit erreicht ist. Seitdem hat der Euro von 1,31 auf 1,23 US-Dollar abgewertet. Die EZB hat den Banken außerdem ein erstes von mehreren geplanten Refinanzierungsgeschäften mit vierjähriger Laufzeit angeboten, das jedoch auf keine besonders hohe Nachfrage stieß. Das nächste derartige Geschäft wird am 11. Dezember begeben.

EZB-Präsident Mario Draghi hat angekündigt, dass die EZB ihre Bilanzsumme wieder auf das Volumen von Anfang 2012 bringen will. Dazu müsste sie nach heutigem Stand um etwa ein Billion Euro vergrößert werden. Zusätzlich zu besagten Refinanzierungsgeschäften wird die EZB ihre Bilanz über den Ankauf von Kreditverbriefungen und Covered Bonds ausweiten.

Die meisten Beobachter glauben allerdings nicht, dass diese drei Maßnahmen zusammengenommen ausreichen werden, die Bilanz wie angestrebt auszuweiten. Sie spekulieren deshalb, dass die EZB demnächst auch mit dem Ankauf von Unternehmensanleihen beginnen wird, wenn nicht gleich der Erwerb von Staatsanleihen angekündigt wird. Manche Experten glauben, dass Draghi ein wie auch immer geartetes Ankaufprogramm in der Pressekonferenz ankündigen wird.

Quelle: ntv.de, jwu/DJ