Wirtschaft

Keine "Bad Bank" für Atomenergie Eon beugt sich der Politik

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Das Atomkraftwerk des Betreibers Eon im schleswig-holsteinischen Brokdorf.

(Foto: picture alliance / dpa)

Die Energiewende wird immer mehr zum Albtraum der Energieriesen. Wegen der Haftungsfrage beim Atomausstieg vollzieht Eon beim Konzernumbau nun die nächste Kehrtwende: Der Bereich Kernenergie wird doch nicht ausgelagert.

Nicht einmal ein Jahr lang hat die Aufbruchstimmung beim größten deutschen Energiekonzern Eon angehalten. Als das Unternehmen am Abend des ersten Advents 2014 mit der Ausgliederung der gesamten klassischen Stromerzeugung in Großkraftwerken einen radikalen Umbau ankündigte, war der Beifall groß. Endlich - so der damalige Tenor bei vielen Investoren und Politikern - gehe jemand die Herausforderungen der Energiewende konsequent an. Kein Jahr später ist davon nicht viel geblieben. Eon rudert zurück. Der Konzern will die Kernkraftwerke nun nicht doch nicht mehr in die neue Gesellschaft Uniper ausgliedern.

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Der Vorstandsvorsitzende von Eon, Johannes Teyssen.

(Foto: picture alliance / dpa)

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Hintergrund ist vor allem der Streit um die Atom-Altlasten. "Die deutsche Kernenergie bleibt in der Verantwortung von Eon", sagte Vorstandschef Johannes Teyssen. Damit sei die Sinnhaftigkeit der gesamten Aufspaltung des Energieriesen allerdings zweifelhaft. Teyssen, der seit dem beschlossenen Atomausstieg den Branchenprimus umzukrempeln und neu aufzustellen versucht, sieht sich einmal mehr von der Politik alleingelassen. Erpressung wolle er das nicht nennen, was Bundeswirtschaftsminister Sigmar Gabriel mit einer neuen Gesetzesinitiative zur Ausweitung der Haftungsregelungen der Energiekonzerne für den AKW-Rückbau und die Endlagerung des Atommülls vorhat. Aber dass Deutschland diesen Sonderweg einschlagen will, könne er nicht nachvollziehen.

Stiehlt sich Eon aus der Verantwortung?

In der globalen Wirtschaftswelt gebe es kein vergleichbares Vorgehen für eine Haftung ohne Beschränkung und Umfang. Der Manager bezweifelt sogar, dass das geplante Vorhaben mit der Verfassung vereinbar ist. "Der Staat oder einzelne Länder (waren) die tatsächlichen Väter zahlreicher Kernkraftwerke", meinte Teyssen fast trotzig.

Worum geht es eigentlich in dem Streit? Die Politik hatte Eon zuletzt vorgeworfen, sich mit dem Umbau aus der Verantwortung für den Atomausstieg stehlen zu wollen. Denn bislang müssen Muttergesellschaften nur fünf Jahre lang für abgetrennte Geschäftsteile haften.

Dieses Schlupfloch will Gabriel nun schließen. Er treibt ein Gesetz voran, dass für eine dauerhafte Haftung für Milliardenkosten beim AKW-Rückbau und der Endlagerung des Strahlenmülls durch die Energiekonzerne sorgen soll. Kritiker der Umbaupläne sprachen bereits von einer Art "Bad Bank", die bei Eon mit der Abspaltung entstehen würde - Uniper sozusagen als Resterampe für umweltschädlichen und "bösen" Strom.

Um die vorgesehene Teilung des Konzerns zum Jahreswechsel nicht weiter zu gefährden, geben die Düsseldorfer jetzt klein bei. "Mit dieser Entscheidung beugen wir Risiken für die Umsetzung unserer Konzernstrategie vor", begründet Teyssen den Schritt. Dabei will Eon nicht auf etwaige politische Entscheidungen warten oder sich auf einen jahrelangen Rechtsstreit einlassen. Denn das würde die Abspaltung von Uniper verzögern. Diese Zeit habe Eon angesichts der Herausforderungen durch die Energiewende nicht.

Name PreussenElektra wiederbelebt

Eon sei es bei der geplanten Neuausrichtung immer darum gegangen, die beste Antwort auf den politisch forcierten Ausbau der erneuerbaren Energien zu finden. Deshalb werde sich der Hauptkonzern künftig auf das konzentrieren, was er unter der "neuen Energiewelt" versteht - Ökostrom, Vertrieb und Dienstleistungen rund ums Energiesparen. Doch zu diesen Geschäftsfeldern passt die Atomkraft gar nicht - und soll sie auch nicht. Sie ist kein strategisches Geschäftsfeld mehr.

Deshalb reaktiviert Eon für das Auslaufmodell Atomkraft einen längst totgesagten Firmennamen: Die PreussenElektra in Hannover soll sich fernab der Essener Konzernzentrale um die verbliebene Kernkraft kümmern. Solide und verantwortungsvoll sollen die drei restlichen Werke bis zum Laufzeitende betrieben und dann zurückgebaut werden.

Quelle: ntv.de, ddi/dpa